Wasserleitungsstreit
Oensinger schicken Kredit für Wasserleitung bachab

Die Gemeindeversammlung von Oensingen verweigert den 700'000 Franken-Kredit für den Bau einer Wasserleitung, der zum Teil schon realisiert wird.

Alois Winiger
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Am Sternenweg wird eine neue Wasserleitung gebaut.

Am Sternenweg wird eine neue Wasserleitung gebaut.

Alois Winiger

Es muss etwas ganz besonderes anstehen, wenn ein gutes halbes Dutzend Lehrlinge an einer Gemeindeversammlung erscheint und sich dort - aufgefordert von ihrem allerobersten Chef der Firmengruppe - kurz von den Sitzen erheben.

So geschehen am Montagabend in Oensingen, wo die Gemeindeversammlung über den Kredit von 700 000 Franken für einen Wasserleitungsersatz zu entscheiden hatte.

Die Verantwortlichen abgekanzelt

Zufällig war dieser Auftritt nicht. Die Lehrlinge und mit ihnen viele weitere Mitarbeiter der von Roll hydro (suisse) AG Oensingen, sollten miterleben, wie sich ihr Chef, Jürg Brand, Verwaltungsratspräsident der vonRoll infratec Gruppe, ins Zeug legt und die Verantwortlichen der Gemeinde abkanzelt, weil sich diese bei der Wahl des Leitungsrohres für ein Konkurrenzprodukt entschieden hatten (wir berichteten mehrfach). Brands Strategie ging voll auf. Für viele Votanten war es ein Leichtes, in dieselbe Kerbe zu hauen.

Hauptkritikpunkte waren einerseits, dass der Gemeinderat über einen Kredit für eine Arbeit abstimmen lassen wollte, die zum Teil schon beendet ist. Anderseits, dass bei der Vergabe des Auftragspakets nicht aller rechtens gelaufen sei. Das Resultat war bald abzusehen: Die grosse Mehrheit der 243 Stimmberechtigten schickte die Kreditvorlage bachab.

Flury übergab an Brunner

Der Gemeinderat hatte damit gerechnet, dass die Debatte hitzig würde. Gemeindepräsident Markus Flury hätte durch das Traktandum führen sollen. Doch weil ihm Verfehlungen angelastet wurden, gegen die er sich in aller Form verwahrte, trat Flury das Geschäft an Vizegemeindepräsident Martin Brunner ab. Dieser erlebte schon bei der Eintretensdebatte eine Überraschung.

Im Namen der Geschäftsprüfungskommission empfahl deren Präsident Nino Tonsa, auf das Geschäft sei nicht einzutreten, da bei der Submission Fehler gemacht worden seien. Welcher Art diese sind, konnte er nicht sagen. Die Versammlung folgte jedoch seiner Empfehlung nicht. Die Mehrheit wollte auf das Geschäft eintreten, denn sonst wäre das Geschäft abgebrochen worden und der grosse Aufmarsch für nichts gewesen.

So aber konnte Roger Saner, Rohrleitungsberater bei vonRoll hydro erläutern, warum sein Produkt gemäss europäischen Normen «absolut gleichwertig» sei mit jenem der Firma Hagenbucher.

Es sei folglich nicht einzusehen, warum ein Rohr von weit oben in Deutschland einzukaufen sei. Worauf Bruno Solenthaler, Geschäftsführer von Hagenbucher, erwiderte, vonRoll liefere ebenfalls Gussprodukte in Regionen Deutschlands, wo Giessereien Arbeitsplätze anbieten. Auch die Firma Hagenbucher müsse mit der Konkurrenzsituation leben können.

Wie weiter?

Nach dem Nein zum Kredit stellt sich die Frage: wie weiter? Momentan bleibe nichts anderes übrig, als die Bauarbeiten einstellen, antwortet Pascal M. Estermann, Stabschef des Gemeinderats. «Dass die bereits eingelegten Rohre wieder ausgebuddelt und durch vonRoll-Produkte ersetzt werden, kann ich mir nicht vorstellen.» Denkbar sei, das Verfahren neu aufzurollen und dann zu splitten.

Die Finanzierung müsste wohl über Nachtragskredite geregelt werden. «Aber das sind nur Ideen, der Gemeinderat wird sich umgehend um eine Lösung bemühen.» Unglücklich sei die Situation besonders auch für die Anwohner bzw. die Gewerbebetriebe am Sternenweg, für sie dauert die Baustelle nun noch länger.

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