Coronavirus

Oberbuchsiterin und ihr Team nähen Schutzmasken für Hilfsbedürftige

Doris Kollys Tochter Rahel hilft beim Nähen mit und steht Modell.

Doris Kollys Tochter Rahel hilft beim Nähen mit und steht Modell.

Die Oberbuchsiterin Doris Kolly und weitere Frauen aus dem Gäu lassen die Nähmaschinen surren: Sie nähen Mund- und Nasenschutzmasken aus Stoff. Diese werden an das Pfarrer-Sieber-Hilfswerk geliefert und sollen Hilfsbedürftigen und Obdachlosen zugutekommen.

Auf Facebook entdeckte die Oberbuchsiterin Doris Kolly die Gruppe «Nähkaffee», in welcher auch das Hilfswerk von Pfarrer Sieber aufgeführt ist. Dieses Hilfswerk sucht Personen, die für ihre Mitmenschen Mund-Nasen-Schutzmasken aus Stoff nähen. «Es gab auch andere Gruppen, die aber ihre Masken verkaufen wollen. Ich möchte sie jedoch kostenlos abgeben», sagt Kolly.

Schon nach ein paar Telefonaten war mit Barbara Meier, Yolanda Mathis, Alexandra Lüthy und mit der eigenen Tochter Rahel eine Nähgruppe beisammen. Um den Vorgaben vom Hilfswerk gerecht zu werden, suchte Doris Kolly einen Raum. Diesen fand sie bei der reformierten Kirche in Egerkingen.

«Sobald sie feucht werden, sollte man sie wechseln», sagt Doris Kolly.

«Sobald sie feucht werden, sollte man sie wechseln», sagt Doris Kolly.

Von da an ging es Schlag auf Schlag: Die Buchster Nähgruppe reiste mit eigenen Nähmaschinen, Stoffen und Schneiderutensilien an und richtete sich den Corona-Hygienevorschriften entsprechend im Saal ein. «Mehr als fünf Personen dürfen es ja ohnehin nicht sein und da wir uns schon lange und gut kennen, funktionieren wir wie ein eingespieltes Team», erklärt die Initiantin schmunzelnd.

Von schlichtem Schwarz und bunten Mustern

Die Vorgaben und Schnittmuster lud Doris Kolly von der Website des Pfarrer Sieber-Hilfswerks herunter. Den Stoff kaufte sie im Stoffladen Solothurn sowie bei Kollegin Karin Degen, die in Hägendorf einen Stoffladen führt. «Schwarze Masken sind vor allem bei Männern beliebt», weiss Doris Kolly, «wir probieren aber auch andere mit einem Muster aus.» Während fünf Tagen wurden die Schutzmasken bislang in Egerkingen genäht. Nach diesem gemeinsamen Einarbeiten werden die Näherinnen nun zu Hause die Nähmaschinen surren lassen.

In der Zwischenzeit ist mit «Wunsch-Krankenwagen» ein weiterer Abnehmer der Masken hinzugekommen. Auch dieser Gruppe wird Doris Kolly die Stoffmasken kostenlos abgeben. Die Masken werden nach dem Nähen bei 90 Grad gewaschen, gebügelt und zu je fünf Stück in Plastik eingeschweisst. Vor dem Versand werden die Packungen im Backofen bei 80 Grad entkeimt. Betreffend Masken-Hygiene hat sie sich von ihrem Bruder, der in einem Spital arbeitet, beraten lassen.

Der Vorteil der Stoffmasken ist, dass diese nach einmaligem Tragen nicht entsorgt werden müssen, sondern wiederverwendet werden können. Doris Kolly empfiehlt, die Masken in der Waschmaschine bei 90 Grad Kochwäsche separat zu waschen. Nach der Trocknung werden die Masken gebügelt und mit einem für die Haut geeigneten Desinfektionsmittel aussen und innen besprüht.

«Stoffmasken sollten wie Notfall-Masken angewendet werden. Sobald sie feucht werden, sollte man sie wechseln. Es ist ratsam, gleich mehrere Masken auf sich zu tragen. Wer die Masken nicht jeden Tag in der Waschmaschine waschen will, kann sie bei 80 Grad während einer Stunde im Backofen entkeimen», erläutert die ehemalige Arbeitslehrerin.

100 Masken fürs Pfarrer Sieber-Hilfswerk

Das Ziel der Buchster Näherinnen ist es, dem Hilfswerk von Pfarrer Sieber 100 Masken zu liefern; 45 Stück sind bereits produziert. Bisweilen sind die Näherinnen aber schon so schnell, dass im «Home-Nähen» sicher viele weitere folgen werden. Doris Kolly wollte aus Interesse von der Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) wissen, wie hoch die Durchlässigkeit von antibakteriell veredelten Stoffen sei, damit Masken länger getragen werden können. Leider hat sie bis heute keine Antwort erhalten. Sie ist überzeugt, dass in der Schweiz genügend Firmen Stoffe veredeln könnten, um damit Masken aus Stoff zu nähen, die gleichwertig wie die chirurgischen Masken wären.

Doris Kolly und ihre Näherinnen sind froh, mit ihrer Arbeit einen Beitrag leisten zu können; sie und ihre Näh-Kolleginnen hoffen, dass die Stoffmasken besonders Hilfebedürftigen und Obdachlosen zugute kommen.

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