Laupersdorf

Nora Bader kann ihren Traumberuf ausüben: Als Journalistin und Autorin macht sie sich einen Namen

Nora Bader wird künftig als einzige Basel-Korrespondentin für «20 Minuten» tätig sein. Kürzlich ist zudem ihr Buch «Frau macht Medien» erschienen.

Nora Bader wird künftig als einzige Basel-Korrespondentin für «20 Minuten» tätig sein. Kürzlich ist zudem ihr Buch «Frau macht Medien» erschienen.

Nora Bader, gebürtige Laupersdörferin, macht sich in Basel als Journalistin und Autorin einen Namen. Im Gespräch spricht sie über ihre jahrelange Arbeit im Journalismus.

Stehen die Menschen im Mittelpunkt, ist Nora Baders Neugier geweckt. Das war einst beim Oltner Tagblatt so und ist heute bei Telebasel nicht anders. Interviews führen mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern oder Bandleaderinnen und Bandleadern. Hinter die Kulissen schauen von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Dem Publikum grosse und kleine, bedeutende und vermeintlich unbedeutende Welten näherbringen. Dorthin gehen, wo Ottilie Normalverbraucherin keinen Zugang hat. Dafür ist die gebürtige Laupersdörferin Journalistin geworden. Seit ihren Anfängen vor gut 15 Jahren hat sich vieles getan, eines bleibt gleich: «Ich habe den besten Job der Welt.»

Viel zu tun wie noch nie zuvor in der Coronazeit

Es sind pandemiebedingt intensive Zeiten im Journalismus. «Ich hatte es so streng wie nie», sagt Nora Bader. «Wir berichteten aus Spitälern, Altersheimen, Schulen und hatten alle zwei Stunden einen Corona-Flash im Programm.» Homeoffice kennt sie nur vom Hörensagen, denn Telebasel lässt sich schlecht von daheim aus machen. Soziale Kontakte beschränken sich auf die Zusammenarbeit mit dem Team im Studio, immerhin sorgt die Abstandsregel für Fitnesstraining, wenn man das Halten der klobigen Mikrofonstange als solches versehen will. Aufmerksamkeiten des Publikums sorgten für Rührung, und innerhalb des Teams bildete sich ein besonderer Kitt. Trotzdem spürt sie nun ihr ganz eigenes Coronasymptom in Form der Müdigkeit, die Körper und Geist zunehmend befällt. Kommt dazu, dass sich langsam aber sicher das Heimweh nach dem Thal bemerkbar macht, zu lange war sie schon nicht mehr dort, um Familie und Freunde zu besuchen. Immerhin, als Kolumnistin des «Gäu-Anzeigers» bleibt sie ohnehin sechsmal pro Jahr mit ihrer Heimat verbunden.

Es wird also Zeit, durch zu schnaufen, und dazu hat die Fernsehjournalistin zumindest in der letzten Mai-Woche ferienhalber Gelegenheit. Nach sechs Jahren beim eigenständigen Lokalfernsehsender Telebasel zieht sie danach weiter zur national tätigen TX Group (früher Tamedia). Zu dem Zürcher Konzern gehören unter anderem «Tagesanzeiger», «Basler Zeitung», «Berner Zeitung» oder «20 Minuten». Bader wird ab Juni als (einzige) Basler Korrespondentin für das Videoportal von «20 Minuten» tätig sein.
Es schmerzt sie, das zehnköpfige News-Team bei Telebasel zu verlassen, die Lust auf etwas Neues aber ist grösser als die Wehmut. «Ich bin sehr gerne bei Telebasel», erklärt sie, «hier decken wir vom Grossen Rat bis zum Brand am Rheinhafen jedes Ereignis ab, das ist enorm abwechslungsreich.» Selten allerdings erlaube es der Zeitplan, mehr als einen halben Tag in ein Thema zu investieren. Bei «20 Minuten» freut sie sich «auf mehr Tiefe» und darauf, öfter «investigative Sachen» machen zu können.

Männer sind unverändert ein Problem für Journalistinnen

Mit dem Posten bei Telebasel als stellvertretende Leiterin des News-Teams verlässt sie just jene Ebene, für die sie in ihrem Buch mit der Journalistin Andrea Fopp «Frau Macht Medien» mehr weibliche Mitsprache fordert. Auf den ersten Blick ein Widerspruch, der sich am ehesten mit dem Pflichtenheft ihrer neuen Stelle auflösen lässt. «Als Basel-Korrespondentin für <20 Minuten> werde ich ebenfalls viel Verantwortung haben und Einfluss nehmen können.» Eine reizvolle Aussicht, der die Thalerin nicht widerstehen kann, zumal sie erfahren will, wie es sich arbeitet innerhalb eines Grossunternehmens.

Inakzeptable Zustände in und ausserhalb der Redaktion

In «Frau Macht Medien» sprechen 15 Schweizer Journalistinnen über ihren Beruf und die Schwierigkeiten des Frauseins in der Branche, die von Männern geprägt ist. Frauen würden von männlichen Kollegen noch immer oft despektierlich behandelt, gar sexuell belästigt und vielfach nicht ernst genommen. «Wissen Sie überhaupt, worum es geht?» ist ein Satz, den Nora Bader im Gespräch mit Entscheidungsträgern auch heute noch regelmässig zu hören bekommt. «Männer», so die Journalistin, «werden das nie gefragt.» Inakzeptabel können die Zustände auch auf dem Redaktionsbüro sein. Bader spricht von «Gorillakämpfen» an Sitzungen, an denen es für Frauen sehr schwierig sei, überhaupt gehört zu werden. «Es geht doch darum, allen eine Stimme zu geben und jeder und jedem die grossen Geschichten zuzutrauen», sagt sie und empfiehlt Frauen, sich nicht einschüchtern zu lassen, weder auf der Redaktion noch in der Öffentlichkeit. Und, ganz wichtig: «Machen!»

Die Tränen des Zolli-Direktors festgehalten

Während die schreibende Zunft gerne Zeit investiert in blumige Beschreibungen und weiss-Gott-wie-viele Adjektive zusammenkratzt, liegen die Herausforderungen in der Arbeit als Videojournalistin beim Fernsehen in der Reduktion der Dinge auf das Wesentliche. Nora Bader: «Ich muss die richtigen Fragen stellen und die Geschichte ohne Umschweife auf den Punkt bringen. Es geht nicht darum, die Leute zum ‹Gränne zu bringen, aber ich muss ihnen Emotionen entlocken.» Und die Emotionen dann auch einfangen, so wie damals bei der Abstimmung zum geplanten Ozeanium beim Basler Zoo. Als der Zolli-Direktor das aus seiner Sicht enttäuschende Resultat zur Kenntnis nahm und ihm die Tränen in die Augen stiegen, hielt Videojournalistin Bader mit der Kamera drauf. «Das hat etwas Voyeuristisches, ich weiss, aber das gehört beim Fernsehen halt dazu», sagt sie, fast entschuldigend.

In den vier Jahren bei Telebasel erlebte Nora Bader Tragödien wie zum Beispiel eine Schiesserei mit Todesfolge. «Ich war am Tatort, alles blutüberströmt, und ich musste schauen, dass ich mit den Angehörigen ins Gespräch komme.» Grenzerfahrungen, zweifellos. Schön seien dafür die «drey scheenschte Dääg», die Fasnacht «ist für mich als Solothurnerin schon cool». Und etwas Besonderes sei es, wenn ihre Arbeit als Journalistin etwas bewirke. So wie damals, als sie ein Paar zum 50-jährigen Liebesjubiläum am Ort ihres ersten Rendezvous, der Telefonkabine am Barfüsserplatz, interviewt habe. Es war die Zeit, als öffentliche Telefonkabinen obsolet wurden und die Swisscom den Rückbau vollzog. Die Kabine am Barfi aber war speziell, weil sie tout Bâle während Jahrzehnten als Treffpunkt diente. Unter anderem dank Nora Baders Einsatz und der Fähigkeit, journalistisch Emotionen zu wecken, entging das Relikt aus analogen Zeiten der Verschrottung; die «Delifoonkabine» steht heute im Historischen Museum der Stadt Basel.

Gestern war es gemütlich, heute geht alles schneller

In den eineinhalb Jahrzehnten im Journalismus hat sich einiges verändert, «technisch sowieso», staunt Bader. Die Schnelllebigkeit sei enorm. Früher, nach der Debatte im Solothurner Kantonsratssaal zum Beispiel, seien sie zusammen essen und dann erst wieder an die Arbeit gegangen. «Das geht heute nicht mehr, weil alles gleich für das Internet bereitgestellt werden muss.» Ein Resultat der Konvergenz, wie das Zusammenspiel der verschiedenen journalistischen Disziplinen gern genannt wird. Journalismus sei vielseitiger geworden, weshalb den Journalistinnen und Journalisten auch mehr abverlangt werde.

Erzählen, was Menschen bewegt, Emotionen transportieren in Text und Bild, das ist Nora Baders Welt. Das war schon so, als sie den Patent-Ochsner-Frontphilosophen Büne Huber und in der Buchhandlung Schreiber den britischen Star-Schriftsteller Ken Follett zum Interview bat oder Krethi und Plethi im OT eine Stimme gab. Das ist eine ganze Weile her, aber Nora Baders journalistischer Antrieb ist unverändert. Die Thalerin ist noch nicht fertig, die Zukunft fängt ja jetzt erst an.

Meistgesehen

Artboard 1