«So etwas habe ich während der 26 Jahre, in denen ich als amtlicher Pilzkontrolleur tätig bin, noch nie erlebt», sagt Markus Flück mit einem Achselzucken. Normalerweise beginne die Saison für die Pilzkotrolle nach den Sommerferien. Daraus werde dieses Jahr wohl nichts, denn bisher habe noch niemand auch nur einen Pilz zur Bestimmung gebracht. «Es ist einfach zu trocken und zu heiss», so 55-jährige Pilzexperte aus Laupersdorf. Bei Temperaturen von über 28 Grad Celsius würden Pilze nicht mehr wachsen.

Weil inzwischen auch den Wäldern so hohe Temperaturen herrschten, finde man derzeit im Mittelland so gut wie gar keine Pilze. Das sei auch ihm so gegangen, als er in den letzten Tagen durch die Wälder im Thal und im Gäu gestreift sei.

Dass die Pilze dieses Jahr ganz ausfallen, sei indessen nicht zu befürchten. Allerdings müsse wohl mit einem etwas geringeren Ertrag und einer weniger grossen Artenvielfalt gerechnet werden. Das sei auch im Hitzejahr 2003 der Fall gewesen. Damals habe man im Jura nur wenige Pilze gefunden. Im Mittelland sei die Situation etwas besser gewesen. Aufgefallen sei 2003 ferner, dass im Gebiet Kestenholzer- und Oensingerwald während zweier Wochen nach starkem Regen Unmengen von Steinpilzen gefunden wurden. 2003 wurden bei der Pilzkotrollstelle im Schulhaus Oberdorf 90 Kontrollen für total 175 Kilogramm Pilze durchgeführt. Essbar waren davon 150 Kilogramm, 25 Kliogramm wurden beschlagnahmt.

Eschensterben manifestiert sich

Fast doppelt sowie Kontrollen durchgeführt wurden im Quervergleich im Pilzjahr 2014. Damals wurden bei 175 Kontrollen 417 Kilogramm Pilze geprüft. 375 Kilogramm davon waren essbar, 42 Kilogramm ungeniessbar oder giftig. Bemerkbar machte sich 2014 übrigens auch das Eschensterben. Die im Frühling vorkommende Gemeine Morchel oder die Maimorchel kamen wegen ihrer Abhängigkeit von der Esche weniger vor.

Zurück zum aktuellen Pilzjahr: Flück ist überzeugt, dass die Pilze schon bald aus dem Boden schiessen werden. Dafür brauche es aber zuerst einmal ausgiebige Regenfälle, damit die ausgetrockneten Böden wieder Feuchtigkeit aufnehmen könnten. Nur so könne sich das ein Netzwerk bildende Mycel der Pilze im Erdreich ausbreiten und den Pilz an der Oberfläche zum Wachsen bringen. Eine längere Regenperiode sei nötig, weil rund 90 Prozent des Pilzkörpers aus Wasser bestehe, die Zellwände aus Chitin.

Wenn genügend Feuchtigkeit im Boden ist, könnte es wie im Hitzejahr 2003 durchaus wieder zu einem übermässig grossen Vorkommen von Steinpilzen kommen. Voraussagen könne man das allerdings nicht, so Flück. Wegen der im Boden gespeicherten Wärme dürfte aber mit vielen Pilzen gerechnet werden. Wann diese aus dem Boden schiessen, ist derzeit noch offen. Sollte es über eine längere Zeit regnen, könnten die ersten Pilze bereits in ein bis zwei Wochen geerntet werden, glaubt Flück.

Unerfahrene Pilzsammler sind selten

Gerade als der Pilzexperte die Kontrollstelle in Oensingen schliessen will, steht ein Ehepaar aus Oberbuchsiten vor der Tür. Bruno und Theres Camizzi wollen von Flück zwei Pilze bestimmen lassen, die sie im Neuendörfer Wald und auf dem in Berg in Oberbuchsiten gefunden haben. Flück erkennt sofort, dass es sich dabei um einen Schwarzschuppigen Porling, und um einen Schönfussröhrling handelt. «Beide sind nicht essbar» meint Flück zum Ehepaar. «Schade,» meint Theres Camizzi.

Bruno und Theres Camizzi mit den nicht essbaren Pilzen.

Bruno und Theres Camizzi mit den nicht essbaren Pilzen.

Sie und ihr Mann gingen regelmässig Pilze suchen und würden die meisten eigentlich kennen. Zum Glück gebe es immer mehr solcher Pilzsammler, sagt Flück. «Leute, die gar keine Ahnung haben, gibt es kaum mehr, und wenn man solche trifft, kommen diese meist an die von uns angebotenen Kurse.»