Verkehrsanbindung Thal-Gäu

Nachdem alle Einsprachen abgewiesen wurden, wird der Sinn und Zweck der Umfahrung hinterfragt

Verkehrsanbindung Thal: Planer und Regierungsrat machen vorwärts; die Bevölkerung diskutiert noch immer.

Verkehrsanbindung Thal: Planer und Regierungsrat machen vorwärts; die Bevölkerung diskutiert noch immer.

Während der Regierungsrat den kommunalen und kantonalen Erschliessungsplan genehmigt, gehen die Grundsatzdiskussionen um die Verkehrsanbindung Thal-Gäu weiter.

«Der Regierungsrat des Kantons Solothurn hat die Erschliessungsplanung für die Verkehrsanbindung Thal genehmigt.» Diese Mitteilung erfolgte vor wenigen Tagen aus dem Rathaus in Solothurn. Man sei nach eingehender Prüfung zum Schluss gelangt, dass das Vorhaben recht- und zweckmässig sei. Und man gibt sich zuversichtlich: «Der Kantonsrat soll noch dieses Jahr über den erforderlichen Verpflichtungskredit befinden.»

Gegen die Erschliessungsplanung, die im Spätherbst 2017 öffentlich aufgelegen hatte, gingen 14 Einsprachen ein, die nicht auf dem Verhandlungsweg bereinigt werden konnten. Der Gemeinderat Balsthal habe acht Beschwerden abweisen können, zwei davon hätten ihre Beschwerde an den Regierungsrat weitergeleitet. Diese Beschwerden wurden jetzt allesamt ebenfalls abgewiesen.

Endlich die Haltestelle Thalbrücke aufwerten

Über diese Nachricht freut sich das Komitee Pro Verkehrsan­bindung Thal besonders. Dieser Entscheid sei der Beleg für die Qualität des Gesamtprojektes. «Ein Projekt, welches sämt- liche Gemeindepräsidenten des Thals, und auch jener von Oensingen uneingeschränkt unterstützen und hinter dem auch die Gemeinden selber sowie weite Teile von Politik und Wirtschaft stehen», schreibt das Komitee in einer Medieninformation.

Auch aus der Sicht des ­öffentlichen Verkehrs und der OeBB sei der Entscheid von zentraler Bedeutung. So sagt OeBB-Verwaltungsratspräsident Thomas Fluri: «Damit können nun die vorgesehenen flankierenden Massnahmen rund um die Haltestelle Thalbrücke direkt in die Überarbeitung des gesamten Buskonzepts der Region Thal eingebunden werden.» Der Umsteigepunkt Thalbrücke werde so auch für die Benutzer des ÖV aufgewertet und auch der Langsamverkehr könne einfacher und sicherer abgewickelt werden. Ebenfalls freut sich Stefan Müller-Altermatt, CVP-Nationalrat und Herbetswiler Gemeindepräsident. Die kommenden Monate sollen vom Komitee dafür genutzt werden, um Politik und Bevölkerung weiter zu informieren und letzte Zweifler von der Notwendigkeit des Projektes zu überzeugen. Dass solche Pro-Kampagnen weiterhin nötig sein werden und es Zweifler gibt, zeigt ein Blick in die sozialen Medien.

Sinn und Zweck der Umfahrung wird hinterfragt

So wurde zum Beispiel schon kurz nach Bekanntwerden des Regierungsratsentscheids auf Facebook heftig wieder über grundsätzlichen Sinn und Zweck der Verkehrsanbindung diskutiert. Während einige Nutzer sich erfreut über den Entscheid äusserten, gibt es andere, welche das Projekt generell und aufgrund seiner Kosten noch immer in Frage stellen. Es handle sich nicht um eine Umfahrung, sondern lediglich um eine Umlagerung des Verkehrs; alles sei also reine Symptombekämpfung statt Ursachenbekämpfung. SP-Sekretär Niklaus Wepfer sieht das auch so und schreibt: «Da werden regelrecht 60 Mio. Franken in den Sand gesetzt.»

Derweil hat der Verein «Läbigi Klus», einer der Beschwerdeführer gegen das Projekt, noch keine Stellungnahme abgegeben. «Ich habe die schriftliche Begründung vom Regierungsrat zur Bewilligung des Erschliessungsplans noch nicht erhalten», sagt Präsident Fabian Müller. «Doch wir werden die Begründungen eingehend begutachten und entsprechend darauf reagieren.» Im Grunde erstaune ihn diese erste Nachricht nicht, denn es sei ja eigentlich klar, dass die Regierung die Projekte seiner Ämter stützen würde. «Es sind ja mehrere, auch institutionelle Einsprecher, deren Beschwerden haben abgewiesen werden müssen, und da bin ich ja auf die Begründungen schon gespannt.» Müller erwähnt Einsprachen um die ­Umweltverträglichkeit oder den Naturpark Thal, wofür es gesetzliche Grundlagen gibt, auf welche sich diese Einsprecher berufen.

Aktueller Zeitplan in Frage gestellt

So schnell mit der Realisierung der Verkehrsanbindung, wie es der Zeitplan der Regierung skizziert, gehe es mit Bestimmtheit nicht, sagt Müller noch. Es ist nämlich vorgesehen, noch in diesem Jahr den Verpflichtungskredit für den Bau dem Kantonsrat zur Genehmigung zu unterbreiten. Der Bau sollte dann 2022 oder 2023 realisiert werden. Dazu sagt Müller: «Uns und den anderen Einsprechern bleibt der Weiterzug ans Verwaltungsgericht und das kann dauern…»

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