Amtsgericht Thal-Gäu

Nach Schlachthof-Besetzung: Jetzt standen die ersten Aktivisten vor Gericht – und wurden verurteilt

Teure Strafen für Oensinger Schlachthof-Besetzer

Teure Strafen für Oensinger Schlachthof-Besetzer

Im November 2018 verschafften sich über 100 Tierschützerinnen und Tierschützer in der Nacht illegal Zugang zum Schlachthof Bell in Oensingen und ketteten sich aus Protest an einen Durchgang. Am Mittwoch fand der Prozess gegen die Aktivistinnen und Aktivisten statt.

In Balsthal startete am Mittwoch der Prozess gegen Tieraktivisten, die im November 2018 bei der Bell in Oensingen einen Durchgang im Schlachthof besetzten.

Die Tierschutzorganisation «269 Libération Animal» sorgte am 21. November 2018 für grosses Aufsehen. Frühmorgens brachen rund 130 Personen in den Fleischverarbeitungsbetrieb von Bell ein und blockierten den Schlachthof. Es dauerte bis am Nachmittag, ehe die Polizei die Eindringlinge aus dem Gebäude geschafft hatte.

Die Staatsanwaltschaft erliess im Mai 2019 125 Strafbefehle wegen Nötigung, Hausfriedensbruchs sowie Hinderung einer Amtshandlung. In 34 Fällen wurde Einsprache erhoben. Diese Personen müssen sich vor dem Amtsgericht Thal-Gäu verantworten. Wegen des Coronavirus kamen diese Woche aber nur sieben Westschweizer zur Verhandlung. Die restlichen 27 ausländischen Aktivisten müssen sich später vor Gericht verantworten.

Unter den anwesenden Aktivisten war der Welsche Charles Mittempergher. Die Idee der Blockade sei gewesen, Tiermassaker aufzudecken, erzählt der 32-Jährige gegenüber TeleM1. «Die Wissenschaft beweist, dass man in guter Gesundheit leben kann, ohne Tiere umzubringen.» Vor dem Richter gab er zu, bei der Besetzung mitgemacht zu haben. Er wurde wegen Nötigung, Hausfriedensbruch und Hinderung einer Amtshandlung zu einer bedingten Geldstrafe von 4200 Franken verurteilt. Für Mittempergher ist klar: «Das Gesetz gibt den Unternehmen einen Vorteil und verteidigt die Tiere ungenügend.» 

Tierschützer blockieren Bell-Schlachthof

Tierschützer blockieren Bell-Schlachthof

Über 100 radikale Tierschützer besetzten das Firmengebäude des Fleischverarbeiters Bell in Oensingen und legten den Betrieb zum grossen Teil lahm. (November 2018)

Ein anderer Aktivist, der die Aussage verweigerte und wegen einem ähnlichen Delikt vorbestraft war, kassierte eine Geldstrafe von 16'500 Franken.

Der ebenfalls zu einer bedingten Geldstrafe verurteilte Pierrick Destraz, will nicht mehr an solchen Aktionen teilnehmen, wie er gegenüber dem Sender angibt. Die Polizei habe alle ein bisschen gewaltsam rausgeholt. Deshalb habe er nicht Lust, so etwas zu wiederholen. «Vor allem habe ich realisiert, dass die Aktion gar keine Tiere rettete.» Man hatte sie am gleichen Tag einfach an einem anderen Ort geschlachtet. Pierrick Destraz rettett nun Tiere auf seinem eigenen Gnadenhof.

Ob noch mehr Geldforderungen auf die 130 beteiligten Tierschutzaktivisten zukommen, ist noch unklar. Bell kann noch auf zivilem Weg Geld zurückfordern. (ldu)

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