Gäuer Spielleute

Nach Albert Einstein kommt die Titanic nach Oberbuchsiten

Das neue Stück «Emma und die Titanic» von Christoph Schwager nimmt die Zuschauer mit auf eine Zeitreise. Die Hauptprobe der Gäuer Spielleute verlief vielversprechend.

«S’het chöblet», wie man so schön auf Schweizerdeutsch sagt. Es regnet in Strömen, als die rund 200 Schüler der Kreisschule Gäu auf die Tribüne bei der Schälismühle strömen, um die Hauptprobe des neuen Stücks der Gäuer Spielleute «Emma und die Titanic» zu sehen. Vor den Schülern erstreckt sich die weisse Fassade der Titanic: Ein imposantes, zweistöckiges Bühnenbild aus Holz, dekoriert mit Möbeln aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts.

Gelungene Hauptprobe trotz Starkregen

«Ihr befindet euch auf dem Bug», erklärt Autor und Regisseur des Stücks Christoph Schwager den Standort der Tribüne auf dem Schiff und schafft damit Orientierung bei den jungen Zuschauern. Seine Kapuze saugt sich dabei mit dem Wasser der fallenden Regentropfen voll. Anschliessend kommen nach und nach die Passagiere der Titanic auf die Bühne: Die Laiendarsteller der Gäuer Spielleute fallen vor allem mit ihren wunderschönen authentischen Kostümen auf, die Kenner und Liebhaber des Films «Titanic» an jenen erinnern. Trotz des starken Regens und durchnässten Kostümen lassen sich die 22 Schauspieler nichts anmerken und liefern bei der Hauptprobe eine hervorragende Leistung ab.

Auch Christoph Schwager ist dies aufgefallen. «Ich bin sehr zufrieden mir ihrem Auftritt; trotz des Wetters. Sie haben es sehr gut gemacht», sagt er. Während der Vorführung hat er seinen Platz im Publikum ein und machte sich Notizen. Unter diesen befinden sich auch die tontechnischen Probleme, die als einziger Mangel das Erlebnis der Zuschauer etwas trübten. «Das ist aber nichts Schwerwiegendes», sagt der Regisseur. Wegen solcher Pannen setze er seit Jahren auf zwei Hauptproben vor der eigentlichen Premiere. «Es sind zwar nur Kleinigkeiten, aber man muss sie gesehen haben, um das Ganze vor der Uraufführung nochmals testen zu können.» Momentan sei aber alles im normalen Bereich.

Schon bald aber muss die Titanic problemlos übers Wasser gleiten: Nach einer letzten Generalprobe am Mittwoch findet am Freitag die Premiere statt. Die Vorbereitungen laufen praktisch seit Ende des letzten Stückes «Einsteins Frauen» im Sommer 2017. «Nach der Aufführung ist vor der Aufführung», sagt Schwager lachend. Seit März dieses Jahres proben die Gäuer Spielleute intensiv das neue Theaterstück, das aus Schwagers Feder stammt. 40 Probeblöcke à zweieinhalb Stunden haben sie bisher darin investiert. Im Hintergrund seien gut 85 Helfer im Einsatz gewesen während dieser Zeit, gibt Schwager zu verstehen. Zusätzlich zum aufwendigen Bühnenbild, das von einer Holzbaufirma aus Aedermannsdorf gesponsert wurde, habe «Emma und die Titanic» die ganze Besatzung vor neue Herausforderungen gestellt.

Geschichten der Schweizer auf der Titanic

Das Stück wirft beleuchtet die Schicksale der Schweizer auf der RMS Titanic, dem grössten Schiff bis 1912, das zwischen Belfast und New York auf seiner Jungfernfahrt wegen eines Eisberges verunglückte. Was sind die Hintergründe der Schweizer Passagiere? Warum reisten sie mit? Im Mittelpunkt stehen dabei die französische Sängerin «Ninette», gespielt von der Musicaldarstellerin Michaela Gurten aus Olten und ihre Zofe, die Aarwangerin Emma Sägesser. Rahmen- und Hauptgeschichte spielen jeweils in den Jahren 2022 und 1912 und beleuchten so die Entwicklung der Titanic in unserer Gesellschaft. Bis auf eine Figur, die seiner Fantasie entstamme, beruhen alle auf wahren Begebenheiten, versichert Schwager.

«Choreografisch war das Stück sehr anspruchsvoll», fährt er fort. «Es passiert immer irgendwo etwas auf der Bühne.» In der Tat hat der Zuschauer stets irgendwo etwas zu sehen und zu beobachten. Das setze voraus, dass alle 22 Schauspieler ihren Weg und Einsatz genau kennen. «Es ist daher unglaublich toll, wie sie es heute fehlerfrei durchgezogen haben», lobt Schager die Schauspieler. Gegen Ende jedoch schlich sich eine grössere Panne in der Bühnentechnik ein: Die Bühnenarbeiter überhören wegen des starken Regens ihren Einsatz und der Überraschungsmoment fällt wortwörtlich ins Wasser. Christoph Schwager ist aber froh, dass dies bei der Hauptprobe passiert ist. «Sonst wäre das vielleicht an der Premiere geschehen», sagt er. Nervöser mache ihn allerdings die Uraufführung des Stücks am Freitag. «Das Stück wurde nirgendwo zuvor gespielt. Wir wissen erst, ob es ankommt, wenn es das Publikum gesehen hat.»

Meistgesehen

Artboard 1