Liebhaber der guten Küche wirds freuen: Louis und Mimi Bischofberger werden den Gasthof Kreuz in Egerkingen auch weiterhin führen. Wenn es nach dem Gastgeberpaar gegangen wäre, hätte es auf Ende 2016 die «Kreuz»-Schlüssel in jüngere Hände gelegt. Einen Nachfolger hat das Paar bis heute aber noch nicht gefunden.

Das «Kreuz» ist über die Region hinaus bekannt, wird seit über 20 Jahren konstant mit 15 Gault-Millau-Punkten bewertet und erwirtschaftet offenbar genügend Rendite. Der Jahresumsatz des Gasthofs mit über 200 Sitzplätzen und 12 Hotelzimmern liegt bei rund 3 Millionen Franken.

Warum aufhören? Louis und Mimi Bischofberger sind 60 und 61 Jahre alt. Kein Alter eigentlich, aber: «Wir wollen früh genug dran sein», erklärt Louis Bischofberger. «Uns war immer schon klar, dass der Gasthof mit 50 laufen muss, damit wir mit 60 den Stab weiterreichen können.»

Bischofbergers wirten seit 26 Jahren im Gasthof Kreuz. Sie wünschen sich, dass ihr Lebenswerk weitergeführt wird. Das 1721 erbaute und 1989 durch sie renovierte Haus sei seit 295 Jahren ein Restaurant und soll es ihrer Ansicht nach auch in Zukunft bleiben.

Wenn nicht anders möglich, könnte sich das Paar aber auch mit einer Umnutzung abfinden. Auch andere Optionen seien denkbar, etwa dass sie Miteigentümer blieben und die Aktiengesellschaft die Liegenschaft vermietet.

«Ein Wohlstandsproblem»

Seit fünf Jahren sucht das Gastronomen-Ehepaar aktiv nach einem Nachfolger. 2014 übertrug es die Suche dem spezialisierten Schweizer Tourismus-Beratungsunternehmen Kohl & Partner. Rund 30 Interessenten hätten sich den Betrieb oberflächlich angesehen, so Bischofberger. Er habe aber bislang kein einziges konkretes Verkaufsgespräch geführt.

Die derzeitige Situation, ist er überzeugt, sei ein Wohlstandsproblem. «Keiner hat es nötig, selbstständiger Unternehmer zu werden, wenn man als Angestellter mit weniger Aufwand ein gesichertes Einkommen hat», meint er.

Die Selbstständigkeit biete grosse Freiheiten, benötige aber auch viel Herzblut und Kampfgeist. «Heute fragt jeder als Erstes: Was macht ihr für einen Umsatz? Dabei sollte die Frage doch vielmehr lauten: Welches Potenzial hat das Haus? Was kann ich daraus machen?»

Das ist der Verkaufspreis

Sein Wunsch wäre es, einen Nachfolger zu finden, der den Aktienanteil von Louis und Mimi Bischofberger an der Gasthof Kreuz Egerkingen AG von 60 Prozent übernimmt. Gemäss Bischofberger zu einem Preis zwischen 500 000 und 750 000 Franken. Idealerweise übernehme dieser auch sein Konzept.

«Für mich wäre es schön, wenn jemand käme, der auch unsere Grundidee von Gastronomie teilt – der selber schalten und walten möchte und dadurch finanziell die grösstmögliche Unabhängigkeit hat», so Bischofberger zu seinen Vorstellungen.

Genauso weitermachen wie bisher

Louis und Mimi Bischofberger, beide gelernte Köche, haben über all die Jahre viel Engagement, Zeit und auch Geld in ihren Gasthof investiert. Und ihre eigenen Mitarbeiter stets gefördert. Gibt es denn in den eigenen Reihen keine geeigneten Kandidaten?

Seit 1984 haben schliesslich über 130 Jugendliche ihre Ausbildung im «Kreuz» durchlaufen, viele mit Auszeichnung die Prüfung bestanden. Aber: «Als Betriebsführer musst du heute ein Generalist sein und über viel Branchenerfahrung verfügen, die Grundausbildung genügt niemals», sagt Bischofberger.

Vorläufig kann in Egerkingen bei den Bischofbergers getafelt werden wie eh und je. «Ich höre erst auf, wenn ein Nachfolger da ist. Vorher verlasse ich das Schiff nicht», betont Louis Bischofberger. Er und seine Frau würden genau so weitermachen wie bisher.