Matzendorf

Musikschule verzeichnet Abmeldungen als Folge von Corona

Musikschülerinnen und -Schüler bei der Aufnahme eines Videokonzerts

Musikschülerinnen und -Schüler bei der Aufnahme eines Videokonzerts

Auch die Musikschule Hinteres Thal in Matzendorf erholt sich vom Corona-Lockdown. Roger Stöckli blickt auf die letzten Monate zurück.

Wie die regulären Schulen musste auch die Musikschule Hinteres Thal am 16. März die Türen für ganze zwei Monate schliessen. Viele Veranstaltungen, so auch der Instrumentenparcours, um Neulinge anzuwerben, oder das 50-Jahr-Jubiläum, musste die Schule absagen. Innerhalb einer Woche stellten die Lehrkräfte ein Fernunterrichtskonzept auf die Beine. Es war eine «Herausforderung für die Musiklehrpersonen und die Eltern», wie Musikschulleiter Roger Stöckli sagt.

Die Umstellung kam plötzlich und forderte schnelles Umdenken: Roger Stöckli stand sofort im Austausch mit anderen Musikschulleitern. Er ist dankbar, das Team habe sehr gut funktioniert, «man hat sich gegenseitig geholfen». So starteten die Musiklehrer zeitig mit ihren neuen Konzepten. Teils unterrichteten sie wie üblich zur jeweiligen Unterrichtszeit über einen Videoanruf oder sie verteilten Aufträge, an welchen die Schüler selbstständig arbeiteten.

Zur Überprüfung nahmen diese sich selbst auf und schickten die Aufnahmen dem Lehrer, der anschliessend darauf einging und Verbesserungsvorschläge einbrachte. «Die Lehrkräfte zeigten sich überraschend innovativ», sagt Roger Stöckli. Einer gestaltete sogar eigens ein Gitarren-Heft, mit dem die Schüler lernen konnten.

Sozialer Aspekt als Hindernis

Die Bilanz des Fernunterrichts ist mehrheitlich positiv – zumindest in dieser kurzfristigen Zwei-Monate-Fassung. Als Hindernis erwähnt Roger Stöckli den grossen sozialen Aspekt, dem der Lockdown schadete: Das Gruppenmusizieren war durch Corona nicht mehr möglich. Auch die Konzerte, auf welche die Schüler normalerweise hinarbeiten, fielen weg.

Ersatz boten die gern genutzten freiwilligen Videokonzerte mit bis zu fünf Personen, die dann in den sozialen Medien hochgeladen wurden. Die Schüler machten in anderen Bereichen Fortschritte als während des Regulärunterrichts. Als grosses Plus förderte die aussergewöhnliche Situation die Selbstständigkeit der Schüler. «Der eigentliche Fortschritt ist allerdings Motivationssache», so Stöckli.

Gesangslehrer Fabian Heynen beim Unterricht Zuhause

Gesangslehrer Fabian Heynen beim Unterricht Zuhause

Anmeldungen bleiben auf konstantem Niveau

Die Motivation der Schülerinnen und Schüler war verschieden. Einige waren topmotiviert, richtig «angefressen», anderen habe die Lockdown-Situation doch etwas zugesetzt und auf die Moral geschlagen. «Der eins zu eins Unterricht ist schwer ersetzbar.» So entwickelte sich das Homeschooling in verschiedene Richtungen. «Allgemein sind die Bemühungen der Musikschule aber gut angekommen», sagt Roger Stöckli. «Das Konzept hat sich für diese Überbrückungszeit gut geeignet. Schwierig wird es allerdings bei einer längerfristigen Unterbrechung des Liveunterrichts.»

Motivationsschwierigkeiten zeigen sich vor allem bei den Abmeldungen der Musikschule Hinteres Thal. Zwar konnten Neuanmeldungen durch diverse Social-Media-Aktivitäten gewonnen werden, jedoch gibt es mehr Abmeldungen als in den Jahren zuvor. Trotz Corona verzeichnet die Musikschule dafür in etwa gleich viele Neuzugänge wie bis anhin. Die Zusammenarbeit mit der Schule, das Angebot der Schnupperlektionen und der Ersatz des Instrumentenparcours durch Onlinevideos – über welchen Neulinge die Instrumente kennen lernen – habe sich also gelohnt, konstatiert Stöckli. Auch das «Buschtelefon» habe wohl seinen Teil beigetragen.

Saxofonlehrperson Barbara Aeschbacher beim Unterricht aus dem Homeoffice.

Saxofonlehrperson Barbara Aeschbacher beim Unterricht aus dem Homeoffice.

Gute Rückmeldungen zum Fernunterricht

Während des zeitlich begrenzten Lockdown erhielt die Schule gute Rückmeldungen zum Fernunterricht. Die Eltern zeigen sich gemäss Fragebogen dankbar über die Möglichkeit zum Unterricht und die verlässliche Information durch die Musikschule. «Die Schüler sind natürlich froh, dass sie sich wiedersehen und zusammenspielen konnten.»

Roger Stöckli ist sich jedoch bewusst, dass die Krise noch nicht überstanden ist: An der nächsten Sitzung behandelt die Schulleitung das Traktandum «Corona – wie weiter?». Der Lockdown hat der Musikschule aufgezeigt, dass man Motivation und Freude auch auf andere Art bieten kann. Flexible Lösungen und Alternativen seien weiterhin gefragt– auch was etwa Anmeldefristen betrifft. Roger Stöckli ist für das neue Schuljahr zuversichtlich: «Die Türen werden offen sein.»

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