Oberbuchsiten
Mittagstisch soll Dorf bei jungen Familien attraktiver machen

Nach der Gemeinde Kestenholz, die nach den Sommerferien einen Mittagstisch für Schulkinder einführte, lanciert auch die Berggäuer Gemeinde Oberbuchsiten ein solches Angebot für Eltern von schulpflichtigen Kindern.

Erwin von Arb
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Stehen für den Mittagstisch (v.l.): Sarah Koch (Gemeinderätin), Nicole Darioli (Präsidentin Verein Chutzenäscht) und Sheila Rätz (Koordinatorin Mittagstisch). Bruno Kissling

Stehen für den Mittagstisch (v.l.): Sarah Koch (Gemeinderätin), Nicole Darioli (Präsidentin Verein Chutzenäscht) und Sheila Rätz (Koordinatorin Mittagstisch). Bruno Kissling

BRUNO KISSLING

Initiiert wurde der Mittagstisch von Sarah Koch, welche im Gemeinderat für das Ressort Bildung verantwortlich zeichnet. «Ich bin der Auffassung, dass ein Mittagstisch auch in unserer Gemeinde seine Berechtigung hat. Die Attraktivität als Wohngemeinde wird damit bei jungen Familien gesteigert», meint Koch auf ihren Vorstoss im Gemeinderat angesprochen.

Umfrage zeigte Bedarf auf

Eine im Herbst 2014 bei rund 120 Eltern von schulpflichtigen Kindern der örtlichen Primarschule verschickte Umfrage zum Thema «Familienergänzende Strukturen» bestätigte Kochs Einschätzung. Die Auswertung der rund 100 ausgefüllt retournierten Fragebögen ergab, dass bei der Einführung eines Mittagstisches mit täglich etwa 19 Kindern gerechnet werden kann. «Wir gehen davon aus, dass die Anzahl Kinder im zweiten Jahr auf 29 ansteigen und im dritten Jahr weitere zehn Kinder dazukommen könnten», zeigt sich Koch optimistisch.

Mittagstisch Kestenholz: «Der Start verlief eher enttäuschend»

Gestützt auf die Ergebnisse einer bei Eltern durchgeführten Umfrage startete die Gemeinde Kestenholz nach den Sommerferien einen Mittagstisch für Kindergarten-, Primar- und Oberstufenschüler (wir berichteten). Bei der Bekanntgabe des Projekts Anfang April war die Rede von einem echten Bedürfnis und dass mit 10 bis 15 Kindern gerechnet werden könne, welche den Mittagstisch in der Startphase besuchten. Diese Prognosen dürften wohl etwas zu optimistisch ausgefallen sein, wie die Gemeinde in der zweiten Woche nach den Schulferien feststellen musste. Für den Mittagstisch, welcher jeweils Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag im Klubhaus des FC Kestenholz angeboten wird, wurden während der gesamten ersten Woche 14 Mahlzeiten von total 10 Kindern eingenommen.

Zwei Mahlzeiten wurden am Montag geliefert, drei am Dienstag, neun am Donnerstag und gar keine am Freitag. «Wir sind schon ein wenig enttäuscht, wie der Start des Mittagstischs verlaufen ist», erklärt Finanzverwalter Markus Wyss. Wenn die Nachfrage weiter so gering bleibe, müsse sich der Gemeinderat überlegen, ob eine Weiterführung gemessen am betriebenen Aufwand angezeigt sei. Die Gemeinde unterstützt den Mittagstisch, indem sie die Kosten für die Betreuung der Kinder übernimmt und das FC-Klubhaus kostenlos zur Verfügung stellt. Noch sei es aber zu früh, solche Entscheidungen zu treffen. «Vielleicht hat es sich bisher einfach zu wenig herumgesprochen, dass es im Dorf einen Mittagstisch gibt», so Wyss. (eva)

Vom offenbar bei vielen Eltern vorhandenen und nun auch formulierten Bedürfnis, ihre Kinder über Mittag betreuen und verpflegen zu lassen, zeigt sich der Gemeinderat beeindruckt. Deshalb holte er den Verein Chutzenäscht ins Boot und gab ihm den Auftrag, vom 19. Oktober bis 5. Februar 2016 einen Mittagstisch in Form eines Pilotprojektes zu lancieren. Angeboten werden soll dieser während der Schulzeit jeweils am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 11.45 bis 13.15 Uhr.

«Chutzenäscht» sucht Verstärkung

Nicole Darioli, Präsidentin des Vereins Chutzenäscht, freut sich nicht nur auf den Start des Projekts, sondern auch darüber, dass damit eines der in den Statuten formulierten Vereinsziele in greifbare Nähe rückt. «Neben der Spielgruppe, die aktuell von 35 Kindern im Alter zwischen 2 und 5 Jahren besucht wird, wollen wir im Dorf als weiteres Angebot einen Mittagstisch einführen. Darum mussten wir nach der Anfrage des Gemeinderats nicht lange überlegen, ob wir diese Herausforderung annehmen», erklärt die 42-jährige Mutter von drei Kindern.

Um einen reibungslosen Ablauf des Mittagstischs gewährleisten zu können, werden noch Helferinen gesucht. «Wir brauchen noch etwa zwei Frauen, welche die Kinder über den Mittag betreuen», so Darioli.

Durchgeführt wird der durch die Gemeinde in der Pilotphase mit maximal 4000 Franken subventionierte Mittagstisch im Gemeindesaal an der Dorfstrasse 75. Pro Mahlzeit inklusive Betreuung des Kindes werden 10 Franken verlangt. Für spontan angemeldete Kinder müssen 12 Franken bezahlt werden. Geliefert werden die Mahlzeiten von der Personalküche der Migros Verteilbetrieb Neuendorf AG.

Rat entscheidet Anfang 2016

Nach dem Ablauf der Testphase am 5. Februar 2016 will der Gemeinderat darüber beraten, ob der Mittagstisch weitergeführt wird. Gemeinderätin Sarah Koch und Nicole Darioli vom Verein Chutzenäscht sind überzeugt, dass der Mittagstisch im Dorf zu einer festen und gefragten Einrichtung wird. Ob die beiden Frauen recht behalten, wird die Zukunft weisen.

Der Verein Chutzenäscht stellt das Projekt «Mittagstisch» Anfang September an einer Infoveranstaltung im Detail vor.

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