Die Kunstschaffenden Pierre-Alain Münger und Simon Berger zeigen in der Alten Kirche in Härkingen eine Ausstellung, die man nicht einfach gleich einem Spaziergang durch die Kirche geniessen kann. Hier ist man gefordert und entdeckt Objekte von eigenwilliger Ausstrahlung, die man nicht auf Anhieb orten kann.

Im Chorraum wird man gefangen genommen von dem grossen Triptychon – einer Gemeinschaftsarbeit der beiden Künstler. Gleich einem Altar schwingt sich das dreiteilige Objekt wandgross hinauf, nimmt eine gotische Form an. Im dunklen Mittelpunkt erkennt man die Fragmente eines Automotors. Bänder hängen fein geordnet herab, schwingen sanft hin und her. Das ganze Gebilde erzeugt die Illusion eines Altars. Es wird zu einem stillen Erlebnis, das etwas Fliessendes in sich hat und erfassbar macht, wie vergänglich unser Leben ist. Wind und Luft werden fühlbar. Die hängenden Bänder nehmen gefangen und signalisieren ein christliches Gebilde, das den Betrachter in eine andere Welt, ausserhalb der gewohnten Realität versetzt. Ein Meisterwerk an Kreation, an Fantasie und an Aussagekraft.

Das Gesicht im Vogelkäfig

An den Seiten des Chorraums erkennt man Porträts von Simon Berger. Diese werden erst dann zu Gesichtern, wenn man sie aus dem richtigen Blickwinkel heraus beobachtet. Ansonsten bleiben sie verschlüsselt im Raum hängen. Der Künstler spielt mit den Gesichtern und bringt sie in gänzlich neue Zusammenhänge. Beispielsweise entdeckt man in einem Vogelkäfig einen bunten Vogel und dann ein Gesicht.

«Psalmera» heisst ein anderes Gesicht, das sich erst nach intensivem Betrachten zeigt, denn auf den ersten Blick ist ein Gewirr von dunklen, metallenen Elementen zu sehen, die ineinander verschlungen Rätsel aufgeben. So verfremdet Berger die Porträts, um sie dann doch fassbar zu machen. Plötzlich erkennt man deutlich Augen, einen Mund und stille Schönheit macht sich breit. Der Künstler arbeitet mit unterschiedlichen Materialien und sucht immer wieder Neues. Kleine Holzschindeln werden zu einer Fläche und markieren ein Gesicht, ebenso wie bunte Kleber aus der Welt des Konsums.

Form annehmen

Pierre-Alain Münger, genannt Pamcrash, arbeitet ebenfalls in diesem Bereich mit überraschenden Elementen. Eine Form annehmen und Zeichen setzen ist sein Credo. Die Erinnerung, meint er, sei das Wesentliche im Leben der Menschen. Die Dinge kommen und gehen, manchmal in einer explosiven Art. Ein Auto rast in eine Bildfläche, schattenhaft erkennt man die zertrümmerten Ränder.

Es ist aber nicht die Provokation, die diesen Künstler fasziniert, sondern der Gedanke an die Erinnerung. Was war, was bleibt, wenn die Dinge sich auflösen oder sie zerstört werden? Wenn man etwas Neues aus diesen Prozessen erkennt und macht. Der Mensch sei es nicht gewohnt, in diese Richtung zu denken. Er setze auf Beständiges, auf Zukünftiges. Das Vergängliche verdrängt er. Dabei ist alles fliessend, bewegt sich in irgendeiner Form, ist in sich der Zerstörung oder auf den Zerfall ausgerichtet, ob man will oder nicht.

Pamcrash faszinieren die Materialien: Autos in ihren Formen, Karosserien, Metalle. Das Blech an und für sich, das sich verändert und sich bearbeiten lässt. Viel Vergänglichkeit wohnt in diesen Vorgängen, aber auch eine besondere Art von stiller Schönheit, wenn man bereit ist, ihr nachzugehen.

In der Erinnerung liegt für beide Künstler eine grandiose Kraft, die weiterträgt und zur Inspiration für Neues wird. (ms)

Öffnungszeiten Alte Kirche Härkingen: Freitag, 16. November 19–21 Uhr, Samstag/Sonntag 17./18. November 14–18 Uhr