Eineinhalb Jahre sind ins Land gezogen, in denen die Fridau in Egerkingen leer steht. Der Kanton als Besitzer unterhält das Gebäude während der Wintermonate, indem er es heizt, und er schaut, dass es nicht hineinregnet. «Wir hüten es», sagt Bernhard Mäusli, Kantonsbaumeister, lachend.

Der Kanton übt sich in Geduld. Über die letzten Jahre gesehen sei die Fridau für den Kanton kein Verlustgeschäft gewesen, da er während der Zeit, als das Asylzentrum dort stationiert war, schwarze Zahlen schrieb. Die Anfragen von Interessenten plätschern derweil in die Postfächer des Kantons. «Dutzende sind es nicht», so Mäusli. Aber er habe «geng es bitzeli» Hoffnung, sagt er in seinem Berner Dialekt. Viele Anfragen scheiterten jedoch bisher, bevor das Hochbauamt überhaupt über einen Kaufpreis verhandeln konnte, wie Mäusli sagt.

Die Maxime, die der Kanton stellt, ist bekannt, seit er das Asylzentrum auflöste: Viele Interessenten würden oberhalb von Egerkingen Einrichtungen im Gesundheitswesen vorsehen, und genau dies will der Kanton nicht. Architekt Mäusli wiederholt, was er schon vor zwei Jahren gesagt hatte: «Es darf zu keiner Konkurrenzsituation zu den Solothurner Spitälern kommen.» Viele Projekte würden daher bei der Bewilligung scheitern, denn der Kanton erteilt diese nicht, wenn zusätzliche Pflegebetten, die der Kanton subventioniert, geschaffen würden. Immerhin klärt der Kanton momentan ab, ob sich die Idee eines Interessenten umsetzen liesse.

Fridau ist kein Sonderfall

In derselben Situation steckt der Kanton mit der ehemaligen Klinik Allerheiligenberg. Auch hier ist noch kein Käufer oder Mieter in Sicht. Wie Mäusli sagt, biete der Kanton jeweils beide im Jura liegenden Gebäude an, wenn sich ein Interessent meldet. Momentan ist zwar das ganze Personalhaus des Allerheiligenbergs vermietet, doch das Beispiel Allerheiligenberg zeigt, wie schwierig es ist, eine Lösung zu finden. Obwohl der Kantonsrat lukrative Bedingungen verspricht, suchte das Hochbauamt bislang vergebens nach Investoren.

Bei einem überzeugenden Projekt verspricht der Kanton, sich zu 50 Prozent und maximal mit einer halben Million an den Planungskosten zu beteiligen. Das Projekt selbst würde der Kanton mit einer Starthilfe von 4 Millionen Franken unterstützen. «Trotzdem haben wir es noch nicht geschafft, jemanden zu finden», sagt Mäusli. Die Prämisse des Kantons, das kantonale Gesundheitswesen dürfe nicht konkurriert werden, war auf dem Allerheiligenberg vielmals ebenso wie in der Fridau die entscheidende Hürde. Bei beiden Gebäuden wäre der Kanton ergebnisoffen, wenn es um einen Verkauf oder die Vermietung ginge.

Egerkingen liess Kosten schätzen

«Ich bin ratlos – die Wahrscheinlichkeit, dass die Fridau bald verkauft oder vermietet und genutzt wird, sehe ich als klein an», sagt die Egerkinger Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi. Aus Eigeninteresse liess die Gemeinde Egerkingen vor rund drei Jahren von einem Fachmann schätzen, wie hoch die Sanierungskosten wären, wenn ein Investor ein Hotel der 5-Sterne-Klasse auf der Fridau realisieren möchte. «Ein solcher Umbau würde rund 40 bis 50 Millionen Franken kosten», sagt Bartoldi. Somit würde der Gebäudeversicherungswert von 16 Millionen Franken für ein Projekt in diesem Umfang rund um ein Dreifaches überstiegen.

Auf Umbau-Schätzungen verzichtete der Kanton bisher bewusst, sagt Hochbauamt-Chef Mäusli. Die Kosten seien zu sehr vom Projekt abhängig. Immerhin klärt der Kanton momentan ab, ob sich die Idee eines Interessenten für Ferien in Übergangssituationen umsetzen liesse. Ein Hotel-Projekt wäre allerdings aus seiner Sicht auch nicht illusorisch. Erst neulich habe sich der Investor einer Hotel-Kette aus Katar für die Fridau interessiert, worauf der Kanton ihm die Unterlagen zustellte. Angebote wie diese suche der Kanton aktiv, indem er die Ausschreibungen für Fridau und Allerheiligenberg an Kontaktpersonen schicke, die weltweit über Investoren-Netzwerke verfügen, so Mäusli weiter.

Bartholdi sieht die schwierige Zufahrt als bremsenden Faktor. Die Gemeindepräsidentin wäre daher erfreut, wenn kreative Projekte wie etwa eine Jugendherberge in die Fridau kämen. Auch dachte sie sich schon, dass es ein idealer Standort für Musikgesellschaften wäre. «Dort oben würde sich niemand an der Musik stören.»

Der Hochbauamt-Chef bleibt geduldig und ist überzeugt, dass der Kanton sich irgendwann mit einem Investor auf einen Verkaufspreis für das teilweise geschützte Gebäude wird einigen können. Mäusli geht davon aus, dass Allerheiligen und Fridau im Kurs steigen würden. «Bauland ist endlich. Mit dem neuen Raumplanungsgesetz wird der Druck und somit das Interesse an bestehenden Bauten wie der Fridau steigen», sagt der Kantonsbaumeister.