Es geschah in der Nacht von Montag auf Dienstag. Sheila Rätz fand am Morgen danach den Kaninchen-Stall leer vor. «Die Kaninchen können unmöglich entfliehen, der Boden ist gesichert und wir haben über dem Stall ein Dach fixiert», sagt die Oberbuchsiterin. Auf Facebook machte sie auf den mutmasslichen Raub aufmerksam. Dass ein Fuchs oder sonst ein Wildtier die Zwergkaninchen geholt hätte, schloss Rätz aus.

Es gab am Stall keine Spuren, zudem war einer der Gummizüge, mit welchem die Familie das Dach sicherte, nicht mehr wie am Vorabend an der Stall-Tür, sondern am Dach fixiert. Nachdem die beiden Kaninchen Glenn und Julie vier Jahre im Garten der Familie Rätz gehaust hatten, sind sie nun verschwunden.

Gleiches erfuhr Ende April eine Kaninchen-Besitzerin in Egerkingen, die nicht mit Namen in der Zeitung genannt werden möchte. Als sie auf Facebook vom möglichen Diebstahl bei der Familie Rätz las, stutzte sie. Vier Wochen zuvor hatte die Familienmutter abends wie immer ihre Kaninchen gefüttert und sie im Stall zurückgelassen. Morgens waren die vier Zwergkaninchen nicht mehr da. Auch sie vermutete Diebstahl, da überhaupt keine Spuren zurückgeblieben waren.

Die Egerkingerin ist in den sozialen Medien über eine Gruppe mit anderen Kaninchen-Haltern vernetzt und erfuhr dort Anfang Mai von mutmasslichen Kaninchen-Diebstählen in der Region Zürich. Dass bei der Familie Rätz in Oberbuchsiten kurz danach ebenfalls Kaninchen verschwanden, nährte ihre Vermutung, im Gäu könnten Diebe unterwegs sein. Die Egerkingerin hatte den Vorfall aber nicht bei der Polizei gemeldet. «Ich kam mir blöd vor und dachte mir: Vielleicht war es einfach ein Streich», sagt die Egerkingerin. Auch auf die Vermisstenanzeige hin kamen die Kaninchen nicht zum Vorschein. Mittlerweile hat die Familie zwei neue Häsli angeschafft.

Sheila Rätz hingegen erstattete Anzeige. Auch weil sie vom Fall in Zürich erfuhr und auf Facebook dazu ermutigt wurde. Die Polizei bestätigt, dass eine Anzeige hängig ist, und schreibt auf Anfrage, die Ermittlungen seien im Gange. Weitere Anzeigen im Zusammenhang mit Kaninchen-Diebstahl sind der Kantonspolizei nicht bekannt.

Kleintierzüchter ist skeptisch

In der Region Zürich ermittelte die Polizei in drei Fällen, wie «20 Minuten» Anfang Mai berichtete. «Eine Bande hat es auf die schönen Felle abgesehen», titelte die Gratiszeitung. Dies mutmasste eine Kaninchen-Halterin. Denn unter den entwendeten Häsli sollen sich auffallend viele Tiere der Löwenköpfchen-Rasse befunden haben. Diese seien für ihre flauschigen Felle bekannt. Auch bei den in Oberbuchsiten verschwundenen Kaninchen der Familie Rätz handelte es sich um Löwenköpfchen. Nährboden genug, über einen Zusammenhang zu spekulieren.

Ein Kleintierzüchter aus der Region glaubt nicht, dass Kaninchen des Felles wegen gestohlen werden. «Das rentiert nicht, ein Fell kostet zwischen 15 und 20 Franken», sagt der Kleintier-Experte. Ausserdem sei das Fell nur im Winter qualitativ gut. Auch das lebendige Tier sei im Handel nicht wertvoll. «Im Tierhandel kostet ein Zwergkaninchen zwischen

50 und 70 Franken», schätzt er. Sollte es sich also tatsächlich um einen Diebstahl handeln, könne man nur über die Gründe spekulieren, so der Kleintierzüchter. Ihm sei bloss ein einziger Fall bekannt, bei dem vor 3 bis 4 Jahren in Niedergösgen Tiere des Fleisches wegen entwendet worden seien.

Für die Familie Rätz bleibt die Ungewissheit, was mit den Tieren passiert ist. Dass Sheila Rätz über Facebook mittlerweile umsonst Kaninchen angeboten wurden, vermochte den Schmerz über die verschwundenen Glenn und Julie nicht zu lindern.