In der hiesigen Gastronomieszene zeichnet sich eine gewichtige Veränderung ab. Der weit über die Region hinaus bekannte Gasthof Kreuz in Egerkingen soll in neue Hände übergehen. «Wir wollen etwas kürzertreten», sagt Patron Louis Bischofberger gegenüber dieser Zeitung. Mit wir meint er seine Frau Mimi und sich. Ihre Mehrheitsanteile an der Gasthof Kreuz Egerkingen AG wollen sie auf Ende 2016 verkaufen.

Eigentlich sind Besitzerwechsel in der Gastroszene Alltag. Aber in diesem Fall handelt es sich um etwas Spezielles. Dem engagierten Gastgeberpaar ist es nämlich gelungen, innert 25 Jahren in Egerkingen am Autobahnkreuz eine Institution aufzubauen. Die Ursprünge der markanten Liegenschaft reichen zurück ins 18. Jahrhundert, als der Gasthof am heutigen Standort eröffnet wurde.

«Wir haben das Haus 1989 umgebaut, authentisch renoviert und um das Nachbarhaus erweitert», blickt Bischofberger zurück. Im Herbst 1990 wurde das Gasthaus neu eröffnet, zwei Jahre später kaufte das damalige Pächterehepaar die Liegenschaft. Seit 1997 gehört sie der Gasthof Kreuz Egerkingen AG, an welcher das Ehepaar eben die Mehrheit hält.

Bis heute ist ein respektabler Betrieb entstanden mit rund 100 Plätzen im Parterre, 80 Plätzen im Chrütergärtli, 80 Plätzen im «Kreuz»-Saal, 60 Plätzen in der Galerie und zwölf Hotelzimmer. Hinzu kommt ein Gourmet-Catering. «Wir decken von St. Gallen bis Genf jährlich rund 150 Anlässe ab.»

Louis und Mimi Bischofberger sind nicht nur Gastgeber mit viel Herzblut, sondern auch fachlich top. Beide sind gelernte Köche, Louis mit Meisterdiplom als Küchenchef. Und die Qualitätsarbeit in der Küche hat das «Kreuz» weit über die Regionsgrenzen hinaus zu einer beliebten Destination für Feinschmecker gemacht.

«Seit 20 Jahren wird das Kreuz mit konstant 15 «Gault Millau»-Punkten bewertet», sagt der bald 60-jährige Gastronom stolz. Und das Fachwissen vermitteln Bischofbergers weiter. Derzeit beschäftigt das Paar 27 Angestellte, darunter neun Lernende, entweder als Koch, Restaurations- und Hotelfachfrau. Insgesamt durchliefen gegen 130 Jugendliche ihre Ausbildung im «Kreuz». Für ihr Engagement wurden Mimi und Louis Bischofberger in diesem Frühling mit dem Tourismuspreis Kanton Solothurn geehrt und ein Jahr zuvor vom Kanton als Ausbildungsbetrieb des Jahres ausgezeichnet.

Dieses Lebenswerk soll jetzt in neue Hände übergehen. Das Gastgewerbe sei ein anspruchsvolles Geschäft und sei anstrengend. «Wir haben in den vergangenen 33 Jahren Selbstständigkeit – davon 25 Jahre im ‹Kreuz› – hart gearbeitet und auf viel Freizeit und Erholung verzichtet.» Das Verpasste wollten sie nun vermehrt geniessen. Der schon seit längerem geplante Verkauf stehe nicht in Zusammenhang mit dem Geschäftsgang, versichert Bischofberger.

«Der Betrieb befindet sich in einem idealen Zustand und ist gut unterwegs.» Es könne auch eine genügende Rendite erwirtschaftet werden. Der Umsatz betrage rund 3 Millionen Franken. Fünf Prozent entfalle auf die Hotellerie, rund ein Drittel auf das Catering und der Rest steuere die Gastronomie bei.

Die Nachfolge will das Paar gezielt regeln. «Dabei steht ein Immobilieninvestor nicht im Vordergrund. Wir suchen jemanden, der den Gastro- und Hotelleriebetrieb als Mehrheitseigentümer weiterführt.» Dieser jemand soll gewillt sein, das Unternehmen in einer fordernden Branche auf dem bisherigen Niveau am Leben zu erhalten. «Es braucht einen neuen Betreiber mit «viel Mumm und Mut».

Die Suche nach einem Nachfolger hat das Gastro-Paar Profis übertragen. Das spezialisierte Tourismus-Beratungsunternehmen Kohl & Partner (Schweiz) hat nun eine detaillierte zwölfseitige Verkaufsdokumentation erarbeitet und ins Internet gestellt. Sogar mit Preisvorstellungen. So benötige ein Nachfolger für den Kauf des Bischofberger-Anteils von 59,9 Prozent an der Gasthof Kreuz Egerkingen AG zwischen 0,5 und 0,75 Millionen Franken. Der Rest des Aktienkapitals ist unter rund 210 Aktionären breit gestreut.

Ist der Preis nicht zu tief? Sicher nicht überteuert, sondern tatsächlich «eher günstig», sagt Bischofberger. Es gehe auch nicht darum, möglichst viel Bares herauszuholen. «Wir wollen, wie gesagt, einem engagierten Nachfolger die Chance ermöglichen, den Betrieb erfolgreich weiterzuführen.» Derzeit liefen bereits konkrete Gespräche mit potenziellen Käufern, mehr könne er aber noch nicht sagen. Falls kein Nachfolger gefunden werde, gebe es andere Optionen. «Denkbar ist, dass wir Miteigentümer bleiben und den Betrieb über die AG an einen Nachfolger vermieten.» Aber daran wollen Bischofbergers nicht denken. «Wir sind überzeugt, bis Ende 2016 mit einem Interessenten handelseinig werden zu können.»