An diesem frostigen Tag Ende Januar ist nur noch ein Funke Hoffnung übrig. Janick Kamber und andere Spieler des FC Biel sitzen im Stadionbauch der Tissot Arena und lauschen den Worten ihres Präsidenten Carlo Häfeli. Er habe jetzt einen Investor gefunden. Wirklich. Die Löhne würden am Montag bezahlt, verspricht Häfeli. Kamber glaubt ihm. So wie im Monat zuvor, als Kamber und seinen Kollegen aufgetischt wurde, dass sie bloss wegen eines administrativen Fehlers nur die Hälfte des Lohnes überwiesen bekommen hätten.

Doch auch am darauffolgenden Montag bleibt der zugesicherte Zahlungseingang aus. Die Hoffnung erlischt, der Konkurs des FC Biel scheint unabwendbar. Bald beschäftigten die Spieler Existenzfragen, das Sportliche ist längst Nebensache. Während Kambers Teamkollegen Autos verkaufen oder in billigere Wohnungen umziehen, geht die Saison für die Bieler vorzeitig zu Ende.

Dass der FC Wohlen früh sein Interesse an einer Verpflichtung signalisiert, schmälert Kambers Ungewissheit. Bald unterschreibt der Mümliswiler. Auch, weil er sich schon vor fünf Jahren mit Trainer Martin Rueda, der ihn damals in Lausanne trainierte, verstand.

Endlich wieder Sport im Fokus

Wenige Tage nach dem Wohler Trainingsstart sitzt Kamber im Stadionrestaurant und erklärt seinen Neustart. Die neu gewonnene Motivation ist unverkennbar. Klar geistere das Bieler Drama manchmal noch in seinem Kopf herum. Episoden wie jene, als er und seine Mannschaftskollegen zuweilen bis zu dreissig Minuten darüber debattierten, ob sie die anstehende Trainingseinheit nun bestreiken sollen oder nicht, vergisst Kamber nicht so schnell. «Doch das Thema ist nun einigermassen abgeschlossen.» Es erleichtere ihn, sich wieder vollumfänglich dem Sport widmen zu können.

Kamber aber wartet weiterhin auf den Lohn. Nicht auf dem Konto, sondern auf dem Rasen. Die Entschädigungen für den strapaziösen Trainingsalltag wurden rarer. Dabei lancierte ein historischer Erfolg die Laufbahn des Mümliswilers. Weltmeister, so darf er sich seit bald sieben Jahren nennen. Kamber war als Vize-Captain nämlich ein Pfeiler jener U17-Auswahl, die 2009 in Nigeria den Weltmeistertitel gewann. Ein Erfolg, der damals als Ausgangspunkt für eine grosse Karriere verstanden wurde. Der Nachwuchsspieler des FC Basel wurde sogleich zu den Profis befördert.

Die hohe Dichte an herausragenden Fussballern zwang Kamber aber bald zum Wechsel. Lausanne schien die perfekte Destination, um sich in der Super League zu etablieren. Nach zwei soliden Jahren stand eine Vertragsverlängerung an. Weil sich Kamber am Knie verletzte, sahen die Westschweizer von einem erneuten Engagement ab. Statt Taktikvorgaben beschäftigte Kamber plötzlich die Arbeitslosigkeit.

Eine Zeit, die ihn reifen liess. Es sind die kleinen Dinge, die ihn wieder aufbauten. Zum Beispiel, dass ihm Biel die Chance bot, am Mannschaftstraining teilzunehmen, um wieder jene Fitness zu erlangen, die es benötigt, um für einen Verein interessant zu sein. Bald bemerkten die Seeländer, dass der Mittelfeldspieler auch für sie interessant ist. Die Parteien sagten Ja zueinander. Zweieinhalb Jahre dauerte die Liaison. Sie mündete in der bestens bekannten, unschönen Trennung.

Die Super League als Ziel

24-jährig ist Janick Kamber erst, erlebt hat er aber schon so viel wie andere in ihrer ganzen Karriere nicht. In Wohlen reize es ihn, liefern zu müssen. Vom U17-Weltmeister wird viel erwartet. Dass es trotz Katapultstart nichts aus der ganz grossen Fussball-Karriere wurde, stört Kamber nicht: «Ich strebe schon nach Höherem, aber ich stehe nicht jeden Morgen auf und denke Mensch, Granit Xhaka spielt jetzt bei Arsenal und ich in der Challenge League.» Würde seine Karriere heute enden, so wäre er zufrieden, sagt er. Für ein Jahr hat Kamber nun im Aargau unterschrieben. Auch, weil er so nächsten Sommer ablösefrei in die Super League wechseln könnte. Sie ist sein formuliertes Ziel. Auf diesen Lohn würde Kamber auch problemlos noch ein Jahr warten.