Urs Leo Hammer 1927–2018, Oberbuchsiten

Am vergangenen 19. Mai 2018 ist Urs Leo Hammer in seinem 91. Lebensjahr verstorben. Als Co-Geschäftsleiter, Technischer Direktor und später als Verwaltungsrat wirkte er am erfolgreichen Ausbau der Firma Jura Elektroapparate AG wesentlich mit. Einen Namen machte er sich auch als Mäzen zum Erhalt des Schlosses Neu Bechburg Oensingen und des historischen Ensembles Schälismühle bei Oberbuchsiten.

Geboren wurde Urs Leo Hammer am 18. Juni 1927 im Thal am Fusse der Burgruine Neu-Falkenstein. Sein Vater Leo war Bauer in St. Wolfgang bei Balsthal und Oberamtmann, seine Mutter Rosalia Studer stammte aus Niederbuchsiten. Er besuchte die Kantonsschule in Solothurn, wo er in der Mittelschülerverbindung «Wengia Solodorensis» die Charge des Cantusmagister übernahm. Anschliessend studierte er Elektrotechnik an der ETH Zürich.

1953 trat Urs Hammer in die Firma Jura seines Onkels Leo Henzirohs ein und musste gleich kräftig mit anpacken, war doch das Fabrikgebäude kurz zuvor vollständig abgebrannt.

1958 übernahm Urs Hammer die Führung der Konstruktionsabteilung. Zusammen mit seinem Team und in enger Tuchfühlung mit dem von seinem Bruder Erich Hammer geleiteten Marketing entwickelte er immer wieder neue elektrische Geräte, so das erste Dampfbügeleisen Europas.

Vizeammann von Oberbuchsiten

1978 wurde er technischer Direktor und nahm als Aktionär auch Einsitz im Verwaltungsrat der Jura AG. Nach dem Tod des Firmengründers ruhte die Verantwortung für die Jura AG auf den Schultern von Oswald Müller sowie Urs und Erich Hammer. Daneben engagierte sich Urs Hammer in Schweizer und internationalen Fachverbänden sowie politisch als Vizeammann der Gemeinde Oberbuchsiten und als kantonaler Verfassungsrat.

1956 verheiratete er sich mit der musisch begabten Helene von Arx, die den zwei Töchtern Ursula und Christine sowie den zwei Söhnen Stefan und Thomas das Leben schenkte. Urs Hammer liebte die Geselligkeit, er verstärkte viele Jahre den Männerchor Oberbuchsiten und machte mit der Chutzeclique die Gäuer Fasnacht unsicher, er spielte Schach und jasste gerne.

1978 übernahm er das Präsidium der Stiftung Neu Bechburg. Mit Unterstützung von Bund, Kanton Solothurn, Gemeinden, Heimatschutz und Privaten gelang es ihm, das Schloss zu sanieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

1996 gründete Hammer, zusammen mit dem kantonalen Denkmalpfleger Samuel Rutishauser, dem Architekten Felix Jeanmaire und dem Treuhänder Dietmar Rohrmann den Verein pro Schälismühle, wobei Hammer auch als Präsident wirkte. Es gelang, das Adam Zeltner-Haus und die Jakobskapelle zu restaurieren, so dass das historische Ensemble der ehemaligen «Schälismühle» 2006 feierlich eingeweiht und als Gäuer Kulturzentrum etabliert werden konnte. Damit gelang es Urs Leo Hammer, im Dreieck Jurafabrik, Neu-Bechburg und Schälismühle Bleibendes zu schaffen. (uam)

Oswald Müller 1925-2018, Niederbuchsiten

An 23. Mai 2018 ist der ehemalige Patron und Firmenbesitzer der Jura AG Niederbuchsiten Oswald Müller 93-jährig gestorben. Oswald Müller trat als junger KV-Praktikant 1945 in der Firma des Gründers Leo Henzirohs (1902–1984) ein.

Er habe eigentlich die Absicht gehabt, so schnell wie möglich ins Ausland arbeiten zu gehen, am liebsten nach Hongkong, erzählte Müller in einem Interview von 2011. Doch Henzirohs’ Jura expandierte nach dem Krieg und er suchte Leute. So trat Müller eine Stelle als Mitarbeiter in der Buchhaltung an.

In den 50er-Jahren habe er zunehmend Kontakt zu Lieferanten und anderen Firmen bekommen und so wurde ihm im Januar 1953 eine Leitungsstelle bei einer Konkurrenzfirma in Teufenthal angeboten. Doch dann brannte im Februar 1953 die Jura vollständig nieder und Henzirohs sagte zu seinen drei wichtigsten Mitarbeitern, zu denen Müller gehörte: «Wenn ihr geht, liquidiere ich die Firma». Oswald Müller blieb im Gäu und konnte sich an der neu aufgebauten Firma beteiligen. 1954 verheiratete sich Oswald Müller mit Elsi Gerber aus Aarwangen. 1960 wurde Tochter Marianne geboren.

Zunächst Vizedirektor

Er wurde zunächst Vizedirektor, dann Direktor und ab 1982 Verwaltungsratspräsident. Bis in die 80er-Jahre entwickelte sich die Jura Elektro AG sehr gut. Man produzierte verschiedene Haushaltgeräte, speziell auch in kleinen Stückzahlen. Auch eine Kaffeemaschine war schon im Sortiment.

Doch anfangs der 90er-Jahre sanken die Verkaufszahlen der Haushaltgeräte, denn der Markt wurde von Billigprodukten aus Asien überschwemmt. Schwierigkeiten in der Jura bot auch die personelle Lage, denn die Gründergeneration kam ins Pensionsalter. Müller hatte Glück und konnte den Sohn seines ehemaligen technischen Direktors, Emanuel Probst als Geschäftsführer in die Firma holen.

«1991 hat er hier angefangen, später ist er mein Schwiegersohn geworden», erzählte Müller im erwähnten Interview. Noch bis 1998 blieb Oswald Müller Delegierter des Holding-Verwaltungsrates. Ab 2005 dokumentierte der ehemalige Patron mit viel Leidenschaft und Fachwissen die Firmengeschichte. Zu seinem Vermächtnis gehört das gut geführte Archiv sowie das Firmenmuseum (mgt/frb)