Der süssliche Geruch, der Besuchern der Alten Gärtnerei in Härkingen in die Nase dringt, stammt nicht länger von farbenprächtigen Gerbera, die früher hier angepflanzt wurden. Sondern von Hanfpflanzen, welche die Firma Agro Swiss seit Beginn dieses Jahres auf dem Areal der ehemaligen Gärtnerei anbaut. Legal, versteht sich.

Von blossem Auge ist nicht ersichtlich, dass jener Hanf weniger als ein Prozent des berauschenden Tetrahydrocannabinol (THC) enthält und somit in der Schweiz angepflanzt werden darf. Der Anteil an Cannabidiol (CBD) ist hingegen um ein Vielfaches höher. CBD wirkt, anders als THC, nicht psychoaktiv. Da dem Wirkstoff aber eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben wird, boomt das Geschäft mit dem legalen Cannabis.

Von Steckling zu Tabakersatz

In der Alten Gärtnerei pflanzen derzeit bereits mehrere kleine Unternehmen Hanf an. Eine von ihnen ist die Firma Agro Swiss. Deren Stecklinge stammen von Mutterpflanzen, die so gezüchtet wurden, dass der Gehalt an THC unter dem gesetzlich zugelassenen Wert von einem Prozent liegt. Da somit alle Stecklinge genetisch identisch sind, ist garantiert, dass die erlaubten Werte eingehalten werden.

Nach einigen Monaten sind die Pflanzen in der Anlage rund ein Meter gross. Peperoni- und Knoblauchgewächse sollen die Pflanzen vor Schädlingen schützen und gegossen werden die rund 500 Pflanzen von Agro Swiss von Hand. Was auf den ersten Blick improvisiert wirken mag, entpuppt sich im Gespräch mit Dragan Filovski, hauptberuflich Grafiker und Co-Gründer von Agro Swiss, als hochseriöse Angelegenheit.

Obschon alle Teile von Hanf verwertbar wären, verarbeitet Agro Swiss vorerst nur die Blüten. Ihr lanciertes Produkt nennt sich «Kush’s Dream», besteht aus getrockneten Hanfblüten und dient als Tabakersatz. Dieser lässt sich wie normaler Tabak zu einer Zigarette drehen. Der Preis von 50 Franken für vier Gramm Blüten begründet Filovski damit, dass ihr Hanf geschmacklich überzeuge.

«Für mich ist Cannabis nicht einfach ein Gewächs. Hanf ist eine Philosophie», sinniert Filovski. Seine Passion gilt der Pflanze, seine Faszination den unterschiedlichen Verarbeitungsmöglichkeiten und seine Überzeugung der heilenden Wirkung von CBD.

Er appelliert: «CBD soll man geniessen, nicht einfach konsumieren.» Denn im Unterschied zu THC mache CBD eben «body high», nicht «head high». Der in Zürich wohnhafte Unternehmer hebt damit die wohltuende Wirkung für den Körper hervor. Hanf habe Potenzial. Dessen ist sich Filovski sicher, selbst wenn er noch längst nicht von den Erträgen seiner Produktion leben kann.

Härkingen im Rausch

Agro Swiss ist eine von unzähligen Firmen, welche sich dem Anbau von legalem Hanf zugewendet hat. Im gleichen Dorf befindet sich das Verteilzentrum der Swiss Cannabis SA. Diese betreibt über 20 Hanftheken und bietet eine breite Palette an verschiedenen CBD-haltigen Produkten an. Im Gegensatz zur Swiss Cannabis SA steht Agro Swiss noch ganz am Anfang.

Der wachsenden Konkurrenz und der Sättigung des Marktes sieht Filovski jedoch gelassen entgegen. «Unser Angebot richtet sich nicht an die Massen, sondern an ein ausgewähltes Publikum», meint er.

Die Bevölkerung von Härkingen zeige sich grundsätzlich interessiert an ihrer Tätigkeit, berichtet Filovski. Leider habe der Duft aber auch schon Einbrecher angelockt, welche sich in den Gewächshäusern THC-Hanf erhofften. Die Polizei patrouilliert deshalb regelmässig im Gebiet der Alten Gärtnerei. Ausserdem planen die Unternehmer noch diesen Monat eine Informationsveranstaltung, bei der die Bevölkerung über den Anbau von CBD-Hanf informiert wird.

Bald werden die Blüten des Agro Swiss-Hanfes spriessen, einen intensiven Duft verströmen und somit die Ernte einläuten. Damit Agro Swiss auch während des Winters Hanf anpflanzen kann, denkt Filovski über eine Installation von Lampen, einer Heizung oder Zelten nach, um die empfindlichen Pflanzen warmzuhalten.

Neues Leben in Alter Gärtnerei

In den Gewächshäusern der ehemaligen Gärtnerei in Härkingen gibt es neben dem Bed and Breakfast, mehreren Hanfanlagen und einem Farnwerk neu auch ein Kreativatelier. Das Ehepaar Studer, Betreiber des Gästehauses und Vermieter der Treibhäuser, zeigt sich erfreut über deren vielseitige Nutzung: «Wir sind sehr zufrieden mit den Mietern, welche Leben auf das Gelände bringen, inklusive gärtnerischer Tätigkeiten.»