Balsthal

«Ich war nie jemand, der streng nach dem Buchstaben geht»: Pfarrer Toni Bucher nimmt Abschied vom Thal

Pfarrer Toni Bucher in «seiner» katholischen Kirche in Balsthal. Am 5. Januar 2020 wird er zum letzten Mal hier die Messe zelebrieren.

Pfarrer Toni Bucher in «seiner» katholischen Kirche in Balsthal. Am 5. Januar 2020 wird er zum letzten Mal hier die Messe zelebrieren.

Pfarrer Toni Bucher geht in Pension und verlässt das Thal. Der Reformstau in der Katholischen Kirche beschäftigt den gebürtigen Luzerner.

Für Toni Bucher beginnt jetzt das «cheibe Zügle» und das wehmütige Abschiednehmen von Balsthal. 17 Jahre lang war das römisch-katholische Pfarrhaus in Balsthal und auch die Pfarrei sein Daheim. Mit dem Erreichen des Pensionsalters wollte er nicht mehr eine Vollzeitstelle mit Leitungsaufgaben innehaben. Zudem ist ihm der vor zwei Jahren erlittene Herzinfarkt ein deutliches Zeichen, etwas kürzer zu treten.

Als der 65-jährige Bucher die Anfrage vom bischöflichen Personalamt erhielt, im neu zu errichtenden Pastoralraum Ruswil, Werthenstein und Wolhusen bei einem Teilzeitpensum noch priesterliche Dienste zu übernehmen, willigte er ein. Er möchte weiter in einem Seelsorgeteam arbeiten, jedoch mit einem reduzierten Pensum. Zudem ist ihm diese Region vertraut, auch wenn er in der Zwischenzeit schon mehrere Jahre von dort weg ist. Er ist dort aufgewachsen und verbrachte seine Kindheit in diesem ländlichen Gebiet.

Ein Bauernsohn mit sieben Geschwistern

Bucher wuchs mit sieben Geschwistern auf dem 800 Meter über Meer gelegenen Steinhuserberg ob Wolhusen auf. Hätte ihn damals nicht der Lehrer darauf aufmerksam gemacht, ein Studium zu absolvieren, wäre der Bauernsohn nie auf die Idee gekommen. Ans Gymnasium zu gelangen, war vom abgelegenen Steinhuserberg aus undenkbar. Also trat Bucher ins Studienheim Don Bosco, Beromünster ein und besuchte dort das Gymnasium. Im Internat trafen Städter und «Landeier» - wie er sich selbst bezeichnet - aufeinander. Die Beatles- und Jodler-Liebhaber im selben Haus, ein Austausch, den er als bereichernd wahrnahm. «Heute noch mag ich die Beatles ebenso wie Jodelgesang», erklärt er. Nach der Matura studierte Bucher in Freiburg, Tübingen und Luzern Theologie, was ihm nur durch Stipendien und Darlehen möglich wurde. Ein Privileg, das seinen Geschwistern vorenthalten blieb. 1981 trat er in der grossen Pfarrei Dreifaltigkeit in Bern die erste Stelle an und liess sich dort auch zum Priester weihen. Während seiner sechsjährigen Vikariatszeit in einer der grössten Pfarrei, machte er erste wertvolle Erfahrungen. Danach wechselte er nach Zofingen und wurde dort zum Pfarrer gewählt, wo er 16 Jahre lang wirkte.

«Ich war nie jemand, der streng nach dem Buchstaben geht», sagt Bucher. Der Trend, getreu nach dem Büchlein den Glauben zu leben, sei heute wieder stärker ausgeprägt, ist Bucher besorgt. «Wir hatten ja eine Reformation, aber eigentlich haben wir in der Katholischen Kirche nach wie vor einen Reformstau.» Bucher nimmt eine klare kirchenpolitische Haltung ein. Er würde sich wünschen, dass auch bewährte verheiratete Männer wie auch Frauen geweiht werden könnten, die mit ihren Fähigkeiten und Charismen Kirche mitprägen. «Ich wäre weiter dafür, dass man den Kontinentalkirchen mehr Kompetenzen erteilen und dadurch eine Dezentralisierung stattfinden könnte», sagt er. Aber innerhalb einer Weltkirche seien einem Bischof nun mal ein Stück weit die Hände gebunden. Die nötigen Reformen, die Bucher anregt, haben unter anderem auch mit dem Priestermangel zu tun, der während seiner Laufbahn allgegenwärtig wurde - auch im Thal.

Mit Einbezug und Unterstützung einer Projektgruppe erstellte er ein Pastoralkonzept für den Pastoralraum, der 2014 errichtet wurde, bestehend aus den Gemeinden Mümliswil-Ramiswil, Holderbank, Langenbruck und Balsthal. Für den Balsthaler Pfarrer war es eine neue herausfordernde Aufgabe. Auf einmal erfüllte er die Pfarrerspflichten in einem grösseren Raum. Die gute Zusammenarbeit mit seinen Teamkollegen war für ihn eine grosse Stütze. «Obwohl dadurch das Arbeitsfeld sich vergrösserte, hatte ich mein Nest hier in Balsthal.»

Auf der Website des Pastoralraumes St. Wolfgang im Thal, lässt sich Bucher wie folgt zitieren: «Es ist mir ein grosses Anliegen, die Botschaft Jesu vom Reich Gottes ins alltägliche Leben zu übersetzen.»

Die Menschen nicht nur im Gottesdienst spüren

Getreu seiner Maxime beschränkte sich Bucher in seinem Wirken nicht nur auf die pfarreiliche Arbeit, sondern integrierte sich darüber hinaus im Dorf. «Ich wollte die Menschen spüren, nicht nur in den Gottesdiensten», sagt er. So organisierte Bucher etwa die Kinderfasnacht im Balsthaler Pfarreiheim und trat zur Freude vieler Kinder an dieser jeweils als Clown auf. Die gelungene Innen- und Aussenrenovation der Pfarrkirche Balsthal während seiner Amtszeit bereiteten ihm grosse Freude; insbesondere auch das in Steinen ausgelegte Labyrinth vor der Kirche, das viele zum Abschreiten einlädt.

Kirchenaustritte nicht persönlich nehmen

Die Thaler Bevölkerung wie auch die Pfarreiangehörigen habe er tolerant und offen erlebt, erzählt er. Doch beschäftigten ihn die einen oder andern Kirchenaustritte. «Wenn ich Kirchenaustritte unterschreiben und bestätigen musste, musste ich mich hüten, diese nicht persönlich zu nehmen.»
Die Kirchgemeinden im Pastoralraum hatten sich bereits darauf eingestellt, dass nach Buchers Abgang die Pfarrerposition eine Weile vakant bleiben würde. Nun ergibt sich jedoch eine fast lückenlose Übergabe: Als Buchers Nachfolger kommt mit Pater Thomas Manoj Odalil ein indischer Priester ins Thal.

Für Toni Bucher gilt es nun nach 17 Jahren loszulassen und sich im neuen Jahr dem «cheibe Zügle» zu widmen. Mit seiner Rückkehr ins Luzernische schliesst sich für ihn der Kreis. Wanderungen im Napfgebiet oder durchs Entlebuch werden künftig Buchers Ausflüge auf die Jurahöhen ersetzen.

Hinweis: Am 5. Januar 2020 wird Toni Bucher bei einem Gottesdienst um 10.30 Uhr in der katholischen Kirche Balsthal verabschiedet.

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