Welche Massnahmen können umgesetzt werden, wenn es darum geht, im Pflegebereich innovativ zu sein? Ein Modell aus den Niederlanden veranschaulicht dies. Es findet im Ansatz auch im Gäu Anwendung. Im Rahmen der Vortragsreihe «Engagiert» führte die Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu (GAG) zum ersten Mal einen Impulsnachmittag durch. Gina Kunst, stellvertretende GAG-Geschäftsleiterin und Leiterin Bereich Betreuungs- und Pflegeentwicklung, «entführte» rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in eine Welt ohne Manager.

Jos de Blok, Geschäftsleiter Buurtzorg, Maja Storch, Psychoanalytikerin und Buchautorin sowie Christina Brunnschweiler, CEO Spitex Zürich Limmat, zeigten auf, wie eine solche Welt aussehen könnte. Gina Kunst legte zum Auftakt dar, was die GAG zur innovativen Arbeitgeberin macht, gemäss dem Motto: Wir denken anders, also sind wir anders.» Sie zeigte dies am Beispiel des neuen Betreuungskonzepts der Wohngruppen Stapfenmatt Niederbuchsiten für Menschen mit Demenz.

«Heute sind wir gut aufgestellt»

Die Wohngruppen funktionieren heute mit selbststeuerenden Teams. Auf dem Weg dorthin gab es einige Stolpersteine. Sich auf Neues einlassen, Vertrauen schenken und loslassen, um ein paar der einstigen Hindernisse zu nennen. Das Ziel, den Bewohner der GAG ein zu Hause zu bieten in welchem sie sich wohlfühlen, stand dabei immer im Vordergrund. Gina Kunst stellt fest: «Heute sind wir gut aufgestellt. In diesem Bereich haben wir viel weniger Krankmeldungen zu verzeichnen, um nur eine positive Auswirkung zu nennen.» Hauptreferent dieses Anlasses war Jos de Blok, Initiant des sogenannten «Buurtzorg»-Modells aus den Niederlanden. Buurtzorg bedeutet Nachbarschaftshilfe. Er stellte das von ihm mitgegründete Modell vor. Man setzt dabei vor allem auf Menschlichkeit statt Bürokratie. De Blok plädiert dafür, mehr diejenigen Dinge zu tun, die wir gerne machen.

Das Buurtzorg-Modell findet mittlerweile auch in der Privatwirtschaft und der öffentlichen Verwaltung grossen Anklang, weshalb die GAG für einmal nicht nur Gäste aus dem Gesundheitswesen, sondern auch Führungskräfte und Verantwortliche aus der Politik und Wirtschaft eingeladen hatte. «Wenn Dich etwas stört, dann ändere es», gab Maja Storch, Psychoanalytikerin und Buchautorin aus Zürich den Zuhörerinnen und Zuhörern Tipps, wie sie herausfinden, was sie wirklich wollen und wie sie diese Pläne zielstrebig umsetzen. Dabei zeigte sie auf humorvolle Art, dass zuviel Selbstkontrolle krank macht und es wichtig ist, Dinge zu tun die Spass und Sinn machen. Nur so könne man auf Dauer ein erfülltes Leben führen.

Geht es ohne Führungskräfte?

Zuletzt referierte Christina Brunnschweiler, CEO Spitex Zürich Limmat AG, über ihre Erfolge und Schwierigkeiten mit dem Buurtzorg-Modell bei ihrer Spitex-Organisation. Unter anderem stellte sie fest, dass die Stabilisierung der neuen Arbeitsweisen noch mehr gefördert, und das Bewusstsein geschärft werden muss. Dass mehr Freiheit eben auch mehr Verantwortung heisst. Gina Kunst fasste die verschiedenen Voten zusammen und zog für die Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu ein Fazit: «Ganzheitlichkeit der Aufgabe, Stärkung der Teams, sinnstiftende Tätigkeiten, Vertrauen, Normalität und Werte sind der Schlüssel für eine neue Organisationsform. Diese sind für die emotionale Bindung zu einer Unternehmung entscheidend. Ohne Führungskräfte wird es aus unserer Sicht nicht gehen. Die Führungsperson werden einfach neue Aufgaben innehaben.» (mgt)