Egerkingen

Gemeindepräsidentin zum Schulhaus-Nein: «Jetzt sind wir auf der grünen Wiese»

Johanna Bartholdi: «Ich schaue es als Lektion an, nehme es aber nicht persönlich.»

Johanna Bartholdi: «Ich schaue es als Lektion an, nehme es aber nicht persönlich.»

Das Nein zum Schulhaus Mühlematt durch den Souverän ist für Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi ein Rückschlag. Sie nimmt ihn hin und macht weiter.

«Jetzt werden die Stimmenzähler gefordert sein», hatte Johanna Bartholdi am Montagabend im schummrigen Licht der Mühlematt-Turnhalle gesagt. Die Egerkinger Gemeindepräsidentin ahnte wohl, dass der projektierte Schulhaus-Neubau in der vorliegenden Form nicht den notwendigen Rückhalt erhalten würde. Und so kam die Absage der Bevölkerung nach eineinhalbstündiger Debatte wenig überraschend. Den Behörden hatten schlicht die Worte gefehlt, um den skeptischen Voten der anwesenden Egerkinger etwas entgegenzusetzen. Am Tag nach der Gemeindeversammlung aber, hat Johanna Bartholdi wieder Antworten bereit.

Was hat das Resultat bei Ihnen ausgelöst?

Johanna Bartholdi: Es wäre falsch, wenn ich sagen würde, dass ich nicht enttäuscht war. Wir sind jetzt auf Feld eins zurückversetzt und beginnen von neuem. Oder anders gesagt: Jetzt sind wir auf der grünen Wiese.

Sie sprechen das Spielfeld an. Auf der grünen Wiese wäre das neue Schulhaus geplant gewesen. Was nun?

Ende September wird der Gemeinderat die neue Arbeitsgruppe bilden, die wir meiner Meinung nach neu zusammensetzen müssen. Nach den Herbstferien könnte diese loslegen. Wir wollen diesmal Vereine und womöglich auch Anwohner aufnehmen. Wenn es gut läuft, können wir vielleicht zu Beginn des zweiten Quartals an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung über das neue Projekt abstimmen.

Die Kritik betraf den Standort, nicht aber das entworfene Schulhaus.

Das finde ich eine spezielle Situation. In einem gewissen Sinn habe ich Verständnis dafür. Aber ich frage mich einfach, wo wir das Schulhaus hinstellen sollen. Jene, die gegen den Standort sprachen, sind der Meinung: Wir reissen das alte Schulhaus ab und erstellen an gleicher Stelle das neue. Die Arbeitsgruppe wird sich damit beschäftigen müssen, ob sie vom bestehenden Projekt ausgeht. Ich gehe aber davon aus, dass man dieses nicht einfach nehmen und «zack» rüberstellen kann, wo heute das Schulhaus steht. Die vorgelegte Variante war vom Grundriss her durchdacht.

Ihre Mahnung, Schulraum-Provisorien würden über 800'000 Franken kosten, kam nicht an. Warum?

Weil jemand den Vergleich mit Niederbuchsiten herstellte, wo die Gemeinde für vier Schulzimmer «nur» 100'000 Franken Miete bezahlt. Wir müssten aber mindestens elf Schulzimmer haben, nachdem wir dieses Jahr einen zusätzlichen Raum in der ehemaligen Aula eingebaut haben. Die Offerten hatten wir im Verlauf der Planung eingeholt.

Sie sprachen von 70 bis 80 Containern, die notwendig wären. Werden Provisorien nun unumgänglich sein?

Sobald wir das alte Schulhaus abreissen, kommen wir nicht darum herum. Dies wird Sache der Arbeitsgruppe sein. Wahrscheinlich müssten wir die Container auf der Spielwiese installieren.

Von der Spielwiese abgesehen: Die vorgestellte Strategie, mit der sie am Platz des heutigen Schulhauses eine Multifunktionshalle und auf dem Grund der alten Turnhalle ein Spielfeld in Aussicht stellten, wirkte wie ein falscher Zaubertrank. Aus der Bevölkerung kam der Vorwurf, sie hätten zwei Wochen vor der Abstimmung noch eine Strategie gebastelt.

Das ist nicht richtig: Die Multifunktionshalle ist im räumlichen Leitbild und in unseren Zielen der Legislaturperiode festgehalten. Unglücklich ist, dass wir die künftige Entwicklung an der Infoveranstaltung nicht vertieft hatten. Also wollten wir aufzeigen, wie die nächsten Etappen aussehen könnten. Die Mühlematt soll aber ein Schul- und Sportareal bleiben. Ich habe mich klar gegen eine Veranstaltungshalle geäussert. Wir wollen keinen Bienken-Saal, der nur kostet. Zudem haben wir genügend Hotels mit Kongressräumen.

«Stehen wir wirklich dermassen unter Zeitdruck?», fragte eine Wortführerin mehrfach. Ihre Antwort überzeugte offensichtlich nicht.

Die Schülerzahlen sprechen eine klare Sprache. Wir benötigen ab 2023 zusätzlichen Schulraum. Zudem wird es weitere Zuzüger geben. Neben dem Motel ist eine grössere Überbauung bezogen worden. Am Hang wird gebaut wie wild. Gemäss Modellen können wir davon ausgehen, dass acht Prozent der Bevölkerung schulpflichtige Kinder sind. Durch den Umzug der 1. Klasse und 2. Klasse ins Kleinfeld konnten wir ein wenig Zeit gewinnen. Aber jetzt ist Dringlichkeit gegeben.

Die Planung begann bereits 2014. Weshalb kamen die Arbeiten so träge voran?

Als wir uns für ein neues Schulraum entschieden, merkten wir: Alles auf einmal zu realisieren, ist unmöglich. Das können wir nicht stemmen. Also trennten wir die Planung von Schulhaus und Multifunktionshalle zeitlich. Der Überlegungsfehler war, dass wir uns rein um den Schulbedarf kümmerten und niemanden vom Turnverein, vom FC oder der Musikgesellschaft einbezogen. Vielleicht war der Gemeinderat zu fest auf die Finanzen fokussiert und zu wenig auf die Auswirkungen für die Vereine.

Die Folge ist eine klipp und klare Absage der Bevölkerung. Werten Sie dies als Misstrauensvotum?

Ich schaue es als Lektion an, nehme es aber nicht persönlich. Wir müssen vermehrt darüber nachdenken, wer von einem Projekt betroffen sein könnte.

Sie liessen offen, ob Sie im Frühling nochmals als Gemeindepräsidentin kandidieren. Wie sieht es nun aus?

Ich habe mich entschieden und trete noch einmal an. In Egerkingen ist so vieles im Umbruch. In einem solchen Fall ist es besser, die Geschäfte weiterzuführen, als wenn jemand neu übernehmen muss. Bleibt zu hoffen, dass wir uns nach der kommenden Amtsperiode in ruhigeren Gewässern bewegen.

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