Finanzen
Für den Neubau der Rothornhütte fehlen noch 1.7 Millionen Franken — Gemeinden im Thal und Gäu helfen

Der SAC Oberaargau will die Rothornhütte für 3.6 Mio. Franken neu bauen. Beim Finanzieren helfen auch Thaler und Gäuer Gemeinden.

Gülpinar Günes
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So soll die neue Hütte aussehen: Sie kostet rund 3.6 Millionen Franken.

So soll die neue Hütte aussehen: Sie kostet rund 3.6 Millionen Franken.

zvg

Die Rothornhütte bei Zermatt steht auf instabilem Boden und muss in den nächsten Jahren neu gebaut werden. Das kostet den Inhaber, den SAC Oberaargau, rund 3.6 Millionen Franken. Die hat der Verein allerdings nicht.

Mit Mitgliederbeiträgen und der grosszügigen Unterstützung des Zentralverbandes des Schweizer Alpenclubs von über einer Million Franken fehlen dem Verein noch mehr als die Hälfte des Betrags: 1.7 Millionen Franken. In einem Schreiben hat sie sich nun unter anderem auch an die Gemeinden im Thal und im Gäu gewandt, um einen Teil des Restbetrages als Spenden zu sammeln.

Der SAC Oberaargau ist eine von 132 Ortssektionen des Schweizer Alpenclubs. Sie betreibt insgesamt zwei Hütten in der Schweiz: die Dossenhütte im Berner Oberland und die bereits erwähnte Rothornhütte im Wallis. Sie liegt auf 3198 Metern über Meer im alpinen Gebirge und ist teilweise der einzige Ausgangspunkt für diverse Hochtouren in der Region Zermatt.

Der auftauende Permafrost verstärkt das Problem

Erbaut wurde die Hütte 1949, allerdings auf schlechtem Untergrund. «Man hatte von Anfang an Probleme damit», sagt Erich Altermatt, Präsident der SAC Sektion Oberaargau. Der Untergrund ist nämlich in Bewegung und rutscht gegen das Tal.

Die alte Rothornhütte von 1949 rutscht immer weiter ab.

Die alte Rothornhütte von 1949 rutscht immer weiter ab.

Bilder: zvg

Seit den 60er Jahren ist die Hütte mit Stahlspannseilen fixiert. Aber mit dem auftauenden Permafrost werde das Problem nur noch grösser. Die Unterhaltskosten belaufen sich laut Altermatt auf rund 15'000 Franken jährlich.

Als der Verein entschieden hatte, die Hütte neu zu bauen, habe sie diese Ausgaben bewusst zurückgefahren, um für den Neubau zu sparen. Das Baugesuch wurde 2016 im Wallis eingereicht.

Die neue Hütte soll rund 30 Höhenmeter unterhalb der bestehenden Hütte entstehen. Optisch wird sie etwas grösser werden, aber drinnen wird es weniger Schlafplätze geben: Geplant sind 52 statt den jetzigen 68. Der Grund dafür seien die Kosten: Jeder Schlafplatz mehr würde den Verein mehrere 10'000 Franken kosten, so Altermatt.

Die Hütte ist zwar grösser als die alte, aber sie bietet weniger Schlafplätze.

Die Hütte ist zwar grösser als die alte, aber sie bietet weniger Schlafplätze.

zvg

Bisher sei sie höchstens einmal im Jahr voll ausgelastet mit jährlich etwa 1500 Gästen. Indem der Verein das Angebot reduziert, soll die Auslastung gleichmässiger auf die zweieinhalb Monate verteilt werden, in denen die Hütte geöffnet ist. Die alte Hütte muss zurückgebaut werden. Die Steine ihrer Mauern werden in Zukunft die neue Terrasse bilden. Es ist geplant, dass die alte Hütte während des ganzen Baus geöffnet bleibt.

Vereinsbeiträge bereits erhöht

Aber das Geld in der Vereinskasse ist knapp: Erst kürzlich sei die Dossenhütte im Berner Oberland saniert worden. Damals hat der Verein die Jahresbeiträge der Mitglieder um 20 Franken erhöht, um Geld für die Sanierung zu sparen. Diese Beiträge in der Höhe von knapp 200'000 Franken sollen nun auch den Neubau der Rothornhütte mitfinanzieren. Auch der Zentralverband unterstützt das Vorhaben mit 1.1 Millionen Franken.

Um das Ziel von 3.6 Millionen Franken zu erreichen, hat sich der Verein zusätzlich zu den Gemeinden im Oberaargau an die Gemeinden im Thal und im Gäu gewandt. Sie verlangte dabei einen Beitrag von rund einen Franken pro Einwohner der Gemeinde.

Tatsächlich haben bereits Balsthal, Aedermannsdorf und Mümliswil-Ramiswil sowie die Bürgergemeinden Niederbipp und Härkingen einen Beitrag gesprochen. Auch der Oensinger Gemeinderat hat an seiner letzten Sitzung 5'000 Franken für das Projekt gutgeheissen, trotz der schlechten Finanzlage der Gemeinde. Gemeindefinanzen seien mitunter ein wesentlicher Grund, warum ebenso viele Absagen wie Zusagen gekommen sind, sagt Altermatt.

Der Vereinspräsident rechtfertigt die Gemeindebeiträge mit dem Mehrwert, den der SAC Oberaargau in der Region biete. «Wir sind ein Sportverein, wie andere auch», sagt er. Mit einer Ortsgruppe ist er sogar in Balsthal verankert. Dort ist ebenfalls die Rettungsgruppe Jura stationiert, die das Gebiet vom Jura bis ins Fricktal abdeckt und jährlich fünf bis zehn Einsätze hat. «Ausserdem ist es auch aus Sicherheitsgründen wichtig, dass die Hütte weiterhin bestehen bleibt», sagt Altermatt.

Noch aber fehlen dem Verein 1.7 Millionen Franken. Einen Teil davon habe man sich als Firmenspenden erhofft, aber wegen der Coronakrise ist das auf der Strecke geblieben. Eigentlich wollte der Verein das Geld bis Ende 2021 beisammenhaben, um 2022 mit dem Bau zu beginnen. Altermatt vermutet, dass sich das Ganze um ein Jahr nach hinten verschieben wird. Bis dahin werde der Verein weiterhin mit «Pflästerlipolitik» die Rothornhütte sichern.