Thal
Für 610'000 Franken mehr: Das neue Buskonzept des Kantons verspricht bessere Verbindungen in alle Richtungen

Mit der Sanierung des Weissensteintunnels soll auch das Thal ab Ende 2023 bessere Busverbindungen erhalten. Besonders die Linie 129 wird dabei erweitert und den neuen Zugverbindungen in Gänsbrunnen angepasst.

Gülpinar Günes
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Balsthal soll mehr Verbindungen sowohl nach Oensingen als auch ins Thal erhalten.

Balsthal soll mehr Verbindungen sowohl nach Oensingen als auch ins Thal erhalten.

Bruno Kissling

Mit der Sanierung des Weissensteintunnels kommen einige Veränderungen auf den öffentlichen Verkehr im Thal zu: Zeitgleich mit der Erweiterung des Zugangebots zwischen Gänsbrunnen und Solothurn nach den Bauarbeiten soll auch das gesamte Busnetz im Thal erstmals seit 2003 überarbeitet und an die Zugverbindungen in Gänsbrunnen angebunden werden. Das Konzept dazu erarbeitete das Büro «Arbeitsgruppe für Siedlungsplanung und Architektur AG» gemeinsam mit Vertretern der Gemeinden und des Kantons und wurde Anfang Woche vom Amt für Verkehr und Tiefbau zur Mitwirkung an die betroffenen Gemeinden und Transportunternehmen ausgehändigt.

Eine Analyse des bestehenden Angebots der Linien 94, 115 und 129 habe gezeigt: Das Thal ist im Zusammenhang mit der bestehenden Nachfrage von Pendlern und Schülern grundsätzlich gut mit dem ÖV erschlossen. Verbesserungspotential sieht das Konzept dennoch an einigen Stellen des Busnetzes. Unter anderem wird vorgeschlagen, diverse Taktlücken bei den einzelnen Linien zu schliessen, die Fahrpläne gleichmässiger zu gestalten und bessere Anbindungen zu Regionalzügen in Oensingen und Gänsbrunnen zu schaffen teilweise auch mit neuen Frühkursen.

Der Stammkurs nach Gänsbrunnen bleibt

Die grössten Änderungen betreffen dabei die Linie 129 von Balsthal nach Gänsbrunnen. Es wurden verschiedene Konzepte betrachtet, wie die unterschiedlichen Ansprüche auf dieser Strecke befriedigt und gleichzeitig Anbindungen an die neuen Abfahrtszeiten in Gänsbrunnen hergestellt werden können. Schliesslich hat man sich dazu entschieden, während der Hauptverkehrszeiten den stündlichen Stammkurs von Balsthal nach Gänsbrunnen wie heute zu behalten. Jeweils 30 Minuten versetzt soll ein weiterer Kurs von Balsthal nach Welschenrohr fahren, mit Halt in allen Gemeinden. Zusätzliche Kurse sollen die Gemeinden Oensingen, Balsthal, Herbetswil, Welschenrohr und Gänsbrunnen ansteuern und bessere Verbindungen zwischen Oensingen und Balsthal schaffen, mit Anschluss ins Gäu.

Laut dem Konzept verbessert diese Lösung die aktuelle Situation, ohne sie an einem anderen Ort zu verschlechtern. Es verspricht während der Hauptverkehrszeit alle 15 Minuten Verbindungen von Balsthal nach Oensingen, statt wie heute nur alle 30 Minuten. Auch Olten und das Gäu würden so innert 30 Minuten von Balsthal aus erreichbar werden. Weiter hinten im Thal hingegen sind die Änderungen geringer. Die Verbindungen nach Olten und ins Gäu bleiben weitgehend unverändert – die Gemeinde Welschenrohr profitiert allerdings von einer zusätzlichen Verbindung ins Gäu. Während Hauptverkehrszeiten erhalten die Gemeinden Welschenrohr, Herbetswil, Aedermannsdorf und Matzendorf einen Anschluss an die Halbstundentaktzüge von Gänsbrunnen nach Solothurn. Die Haltestelle Matzendorf Mühle wird neu immer in beide Richtungen bedient. Zur Nebenverkehrszeit und am Abend werden vor allem die Verbindungen zwischen Balsthal und Oensingen verdichtet.

Gleichzeitig wurde auch an den Betriebszeiten geschraubt. So soll der erste Bus von Welschenrohr nach Balsthal an Werktagen bereits am 5.05 Uhr statt um 5.23 Uhr fahren. Das ermögliche den Anschluss an den ersten IC nach Zürich. Von und ab Gänsbrunnen soll es abends einen zusätzlichen Kurs geben. Die Verbindungen zwischen Oensingen und Balsthal sollen ebenfalls früher beginnen und später enden. Man erhoffe sich so, die Auslastung der einzelnen Busse auf eine längere Zeitspanne zu verteilen.

Das neue Konzept kostet 610'000 Franken mehr

Das Konzept funktioniert allerdings nur, wenn fünf statt nur vier Busse der Postauto AG verkehren. Sie muss auf Bestellung des Kantons das gewünschte Konzept umsetzen. Ein zusätzliches Fahrzeug bedeutet aber auch Mehrkosten. Der Kanton rechnet für das neue Konzept mit rund 610 000 Franken mehr als bisher. Also insgesamt 4.3 Millionen statt den bisherigen knapp 3.6 Millionen Franken. Die Gemeinden im Kanton Solothurn beteiligen sich insgesamt mit 37 Prozent an den Kosten des Kantons. Das bedeutet für Balsthal und Matzendorf, die am meisten von den Änderungen profitieren, einen Beitrag von 14 000 Franken. Wegen der Fusion kommen auf Welschenrohr-Gänsbrunnen sogar Mehrkosten von 21 000 Franken zu. Bis anhin profitierte die Gemeinde Gänsbrunnen davon, dass der Kanton wegen der hohen Pro-Kopf-Belastung einen Teil der ÖV-Kosten übernommen hat.

Ob das Konzept so genehmigt wird, sei allerdings noch offen, heisst es im Konzept. Die Finanzierbarkeit sei ein wichtiges Kriterium dafür. Für politische Diskussionen werde allenfalls auch das notwendige fünfte Fahrzeug während der Hauptverkehrszeit sorgen. Sollte das Konzept genehmigt werden, wird es voraussichtlich Ende 2023 gleichzeitig mit der Wiedereröffnung des Weissensteintunnels eingeführt. Einzelne Optimierungen, wie die Einführung der Frühkurse, könnten bereits Ende 2021 realisiert werden.