An der einen Wand stehen verschiedene Flaschen auf Regalen. In einigen hat es kleine Modelltraktore, in anderen Zahlen, Buchstaben oder kleine Tierchen. «Die sind mundgeblasen», sagt Silvia Ackermann stolz. «Und diejenigen mit den Traktoren findet man nur bei uns.»

Den Flaschen gegenüber hat es ein Regal voller verschiedener Öle und Essig zum Abfüllen. Auch Spirituosen wie «Alter Bodensee-Apfel» oder gar Whisky können im Geschenkladen «Gwundernase» in Neuendorf abgefüllt werden. «Das macht uns eben aus», ist sich Geschäftsführerin Silvia Ackermann sicher. «Jeder kriegt hier individuell genau das, was er will.»

Den Laden betreut Ackermann schon seit 13 Jahren. «Als meine Kinder in den Kindergarten gingen, wurde es mir zu Hause einfach zu ruhig», erzählt sie lachend. «Und ein eigenes Geschäft zu besitzen war schon lange ein Traum von mir.» Am Anfang führte die «Gwundernase» nur Deko-Artikel, Wein und so natürlich-Produkte. «Als dann die Migros plötzlich auch Deko-Artikel anbot, musste ich eine Änderung des Konzepts vornehmen», erzählt Ackermann. Das war vor acht Jahren.

Heute richtet sich das Angebot des Lädelis an Gourmets. Die verschiedenen Feinschmeckerprodukte sind möglichst saisonal und regional gehalten. «Uns ist es wichtig, unsere Ware hauptsächlich von Schweizer Lieferanten zu beziehen.» Mit dem Lebensmittelangebot kommt aber auch ein grösserer Aufwand einher, da diese mehr Auflagen haben und sich ein Laden, der Nahrungsmittel anbietet, an das Lebensmittelrecht zu halten hat. Aus diesem Grund holte Ackermann das Gastropatent nach.

An Weihnachten hilft die Familie

Den Anbau, welcher als Laden dient, bauten Ackermann und ihr Mann selbst. Die Ladenräumlichkeiten sind nur durch eine Holztüre vom Wohnzimmer getrennt. Es ist ein kurzer Arbeitsweg, den Ackermann von Dienstag bis Samstag bestreitet. «Um Weihnachten arbeite ich aber sieben Tage die Woche», meint die Ladenbesitzerin. «Dann ist der Laden ‹brätschvoll›. Zum Glück hilft in dieser Zeit die ganze Familie mit.»

Von Oktober bis Dezember herrsche nämlich Hochbetrieb. Viel Arbeit geschehe auch im Hintergrund, da sich die Bestellungen von Firmen zu dieser Zeit häufen. «Wir haben auch schon am Oltner Weihnachtsmarkt mitgemacht. Das hat uns viele Stammkunden eingebracht», so Ackermann.

Auch an der Regiomäss Gäu in Neuendorf diesen April war die «Gwundernase» mit einem Stand vertreten. «Wenn man als kleiner Laden bestehen will, braucht es eben einfach ein wenig mehr», weiss Ackermann.

So sind die Produkte auch im Onlineshop erhältlich, den Ackermann seit fünf Jahren betreibt. «Das ist unsere virtuelle Türe nach Aussen.» Der Laden in Neuendorf ist abgelegen, Laufkundschaft gebe es hier nicht. «Es ist aber spannend zu beobachten, dass viele Kunden, die online etwas gekauft haben, dann doch im Laden vorbeischauen», erzählt Ackermann.

«Aber mir geht das schliesslich auch so. Wenn ich etwas kaufe, will ich es auch anfassen können.» Die Neuendörferin trotzt dem Lädelisterben, indem sie ihren Kunden ein Erlebnis bietet. «Was man in meinem Laden kriegt, kriegt man eben nicht überall», ist sie überzeugt. «Die Alltagseinkäufe möchte man immer möglichst schnell und effizient ausführen. Wenn man ein Geschenk kauft, nimmt man sich eher Zeit.» Darauf setzt Ackermann.

Seit fünf Jahren auf der Suche

Auf Kundentreue kann Ackermann vor allem bei Firmen vertrauen. Vor allem die Gourmetkörbe sind als Kundengeschenke sehr beliebt. Die Geschenke aus dem Lädeli lassen sich nämlich auch individuell bedrucken, beschriften oder mit dem eigenen Firmenlogo versehen und werden direkt an die Kunden geliefert.

Auf ihre Stammkundschaft kann sich Ackermann verlassen. Denn wer einen Fuss in das Lädeli gesetzt hat, soll wiederkommen: «Dazu gehören nicht nur auserwählte Produkte, sondern auch eine umfassende Beratung», weiss Ackermann. Sie schätzt die Nähe zu ihrer Kundschaft und die Balance zwischen Professionalität und Vertrautheit.

Weil ihr die Räumlichkeiten langsam zu eng werden, ist sie seit fünf Jahren auf der Suche nach etwas Neuem. Das sei jedoch nicht so einfach. «Es muss passen, die Lage, die Grösse, der Preis.» Noch ist Ackermann nicht fündig geworden. Doch an Ideen mangelt es der Neuendörferin nicht: «Ich würde gerne noch mehr im Offenausschank anbieten. Nicht nur Flüssigkeiten, sondern auch Teigwaren oder Gewürze.» Dafür bräuchte es aber gekühlte Räume. Der Kunde könnte dann mit seinen eigenen Behältern kommen und die gewünschte Menge abfüllen. So wäre es auch möglich, den Abfall zu reduzieren.