Welschenrohr/Gänsbrunnen
«Es ist ein letzter, logischer Schritt»: An Fusion-Infoveranstaltung herrscht Einigkeit

Einstimmigkeit bei der Infoveranstaltung zur Gemeindefusion im hinteren Thal zwischen Welschenrohr und Gänsbrunnen.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Sportlich unterwegs: Sind alle Hürden ausgeräumt, sollen Welschenrohr und Gänsbrunnen (am Horizont) am 1. Januar 2021 als Fusionsgemeinde funktionieren.

Sportlich unterwegs: Sind alle Hürden ausgeräumt, sollen Welschenrohr und Gänsbrunnen (am Horizont) am 1. Januar 2021 als Fusionsgemeinde funktionieren.

Bruno Kissling

Trotz Corona-Virus-Angst wurde die Infoveranstaltung zur Gemeindefusion Welschenrohr-Gänsbrunnen in der Mehrzweckhalle Welschenrohr am vergangenen Montag durchgeführt. Etwa 80 Personen, davon etwa 25 aus Gänsbrunnen, waren gekommen, um mehr über die Fusion zu erfahren. Bei der Bestuhlung in der Halle wurde ca. 1 Meter Abstand gehalten, die Nüssli und Chips des am Ende spendierten Apéros standen schon portiönchenweise in Plastikbechern bereit.

Doch zum eigentlichen Geschäft: Der Leiter der seit Monaten tätigen Arbeitsgruppe, Stefan Schneider hielt erst mal den Ist-Zustand fest. Er zählte die heute schon funktionierende Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden bei Schulen, Feuerwehr und Vereinen auf und gab ein paar Zahlen durch: «Kommt die Fusion zu Stande, leben in der Gemeinde 1201 Einwohner auf 2426 Quadratmetern. Die Fusion erscheint uns ein letzter logischer Schritt», so Schneider und führte aus.

«Glücklicherweise verfügen Welschenrohr und Gänsbrunnen über die fast identischen Gemeindeordnungen und Dienst- und Gehaltsordnungen, sodass sich nicht viel ändern wird». Er zählte die Vorteile der Fusion auf: «Wir haben eine einfachere Verwaltung, können persönliche Ressourcen einsparen, die Gemeindeautonomie sichern und Kosten sparen. Darüber hinaus gibt es auch raumplanerische Gründe, die für die Fusion sprechen.»

Welschenrohr-Gänsbrunnen oder Welschbrunnen?

Ein Thema, welches die Arbeitsgruppe intensiv diskutierte, war die Namensgebung der künftigen Gemeinde. «Wir schlagen der Gemeindeversammlung den Kombi-Namen ‹Welschenrohr-Gänsbrunnen› vor», so Schneider. Dieser mache am meisten Sinn. Als Logo auf Briefpapier würden beide Gemeindewappen geführt, allerdings werde allein das Welschenrohrer Wappen offizielles Gemeindewappen sein. «Der Kanton schreibt uns vor, ein Wappen zu benennen.»

Es werde vom Kanton zugesichert, dass Finanzausgleich in den kommenden sechs Jahren garantiert sei. Es gelte Besitzstandswahrung, so Schneider. Zudem zahlt der Kanton einen einmaligen Fusionsbeitrag von 400000 Franken.

Wie steht’s mit den Gemeindefinanzen?

Beat Allemann stellte dann den Finanzplan ab 2021 der Fusionsgemeinde vor. Man möchte den Steuerfuss auf 121 Prozent für natürliche Personen und auf 115 Prozent für juristische Personen – wie beide heute für Welschenrohr gelten – belassen. Die «Gänsbrünneler» zahlen heute 130 Prozent für natürliche Personen. Als grössere Investitionen kommen auf die Gemeinde diverse Hochbauprojekte, der Unterhalt der Gemeindestrassen, die Ortsplanrevision, ein neues Tanklöschfahrzeug, der ARA-Anschluss Gänsbrunnen und die Neukonzeption der Abfallentsorgung zu.

Der Selbstfinanzierungsgrad der Gemeinde wird 2021 mit 158 Prozent sehr gut sein (Grund dafür auch der kantonale Fusionsbeitrag), im Jahr darauf aber auf 25 Prozent absinken, danach aber wieder auf 109 Prozent steigen. 100 Prozent seien mittel- und langfristig anzustreben, erklärte Allemann. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt im Jahr 2021 bei 954 Franken, 2022 aber bei 1931 Franken; danach nimmt sie wieder stetig ab. Hier erachtet der Kanton eine Nettoschuld pro Einwohner zwischen 1000 und 2500 Franken als mittlere Verschuldung. Alles in allem, sei die Fusion finanztechnisch gut machbar, resümierte Allemann.

«Die 400000 Franken sind ja ein schönes Zückerchen. Da bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als zu fusionieren», sagte ein Versammlungsteilnehmer. Alle Fragen schienen beantwortet und ablehnende Voten gab es keine. Stefan Schneider erklärte noch, dass alle Grundstücke neue Grundbuchnummern erhalten, dies aber «automatisch» geschehe und kostenlos sei. Auch sei es nicht nötig, sich um neue Ausweispapiere zu kümmern. Und: «Für die Welschenrohrer Bürgergemeinde ändert sich gar nichts.»
Der Fahrplan sieht vor, dass am 23. März eine ausserordentliche Gemeindeversammlung stattfindet, wo auf das Geschäft eingetreten werden muss. Es kommt danach in beiden Gemeinden am 17. Mai zur Urnenabstimmung. Haben dann Kantonsrat und Regierungsrat ihre Zustimmung gegeben, kann die neue Gemeinde ab 1.1.2021 funktionieren.

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