Härkingen
Er haucht Blech mit Volumen Leben ein

Der Eisenplastiker Rudolf Tschudin aus Sissach eröffnet die Ausstellungssaison 2017/18 in Alten Kirche in Härkingen.

Erwin von Arb
Drucken
Teilen

Bruno Kissling

«Ich habe meinen Traumberuf gefunden», sagt Rudolf Tschudin am Mittwoch bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in der Alten Kirche in Härkingen. Der seit 1986 freischaffende Künstler aus Sissach BL meint damit sein Wirken als Eisenplastiker.

Den Grund, weshalb er diesen Weg eingeschlagen habe, sei ihm erst kürzlich klar geworden. «Während meiner Lehre als Metallbauschlosser fragte mich mein als etwas verrückt geltender Onkel an, ob ich für ihn ein Geländer anfertigen könnte, das es so nirgends gibt. Weil ich als damals 16-Jähriger Geld für mein Töffli brauchte, sagte ich zu und habe danach ein Geländer mit Figuren gemacht, die sich die Hand reichen», erinnert sich Tschudin.

Aber eigentlich habe er schon als kleiner Bub in der Schlosserei seines Vaters an Metallstücken herumgeschweisst und dabei oft Teile «verbraten» die für einen Auftrag bestimmt waren. «Dann gab es natürlich Ärger.»

Gesteuerte Zufälle

Die Lehre als Metallbauschlosser hat der heute 57-jährige Künstler damals allerdings nur gemacht, weil seine Mutter wollte, dass er endlich etwas Vernünftiges macht. «Sie hatte mir ins Gewissen geredet, ich solle endlich aufhören ‹Seich› zu machen.» Nach dem Lehrabschluss und anschliessenden Berufsjahren besuchte Tschudin die Schule für Gestaltung in Basel.

Danach sei für ihn klar gewesen, dass die Kunst seine Leidenschaft und damit seine Zukunft sei. Als er sich 1986 bei einer Ausstellung in einer Fabrikhalle in Sissach mit einer Steinskulptur beteiligte und diese danach sogar dem Kanton verkaufen konnte, fühlte sich Tschudin in seiner Zielsetzung bestärkt.

 Der Torso des Künstlers Rudolf Tschudin.

Der Torso des Künstlers Rudolf Tschudin.

Bruno Kissling

Seinen eigentlichen Durchbruch als Künstler hatte Tschudin mit seinen 1987 erstmals geschaffenen Kissen aus Blech, mit Falten, wie sie bei Stoffkissen zu finden sind. Diese Optik erreichte Tschudin, indem er die zwei an den Kanten verschweissten Blechteile mittels Druckluft von innen heraus formte. Diese Technik trug ihm im Kanton Basel-Landschaft den Übernahmen «Chüssi-Blooser» ein.

Ein Ausdruck, den der Künstler gar nicht mag, schliesslich gehe es nicht nur darum, einen Hohlkörper aufzublasen. «Plastisches Formen wäre schon eher passend», sagt Tschudin mit dem Verweis, dass er gelegentlich auch mit einem Bunsenbrenner nachhelfe. Meist lasse er den Dingen aber ihren Lauf. Tschudin nennt diese Art zu arbeiten, das «Ergebnis eines gesteuerten Zufalls».

Ein besonderer Ort

Inzwischen umfasst das Spektrum der auf diese Weise hergestellten Werke unzählige andere Skulpturen in verschiedensten Formen und Grössen. Neben gewalztem Blech verwendet der Künstler auch Profilstahl, Nieten, Schrauben, Draht sowie andere Halbfabrikate für seine zum Teil auch filigranen Werke aus Stahl, Cortenstahl oder Inox.

Viele seiner Werke schafften es auch in den öffentlichen Raum insbesondere in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft, Bern, Schwyz sowie im deutschen Raum. Ein Höhepunkt im Schaffen von Tschudin bildet der Kulturpreis seines Heimatkantons im Jahr 2013.

 Die Kissen aus gewalztem Blech wurden, wie auch der Torso, mit Luftdruck von innen heraus geformt.  

Die Kissen aus gewalztem Blech wurden, wie auch der Torso, mit Luftdruck von innen heraus geformt.  

Bruno Kissling

Seinen Abstecher in die Alte Kirche Härkingen begründet Tschudin mit einem Besuch einer dort vor zwei Jahren durchgeführten Ausstellung. Der Ort habe ihm so gut gefallen, dass er angefragt habe, ob er hier ausstellen dürfe.

Beim Verein alte Kirche Härkingen rannte er offene Türen ein, wie Judith Nussbaumer am Mittwoch beim zur Eröffnungsanlass der Ausstellungssaison 2017/18 erwähnt. Tschudin werde den Garten der Alten Kirche bis Ende Mai 2018 bespielen und vom 3. bis 19. November 2017 im Kirchenraum auch mit einer Einzelausstellung aufwarten.

Die rund um die Kirche ausgestellten Werke des Künstlers sollen darauf aufmerksam machen. Bis zur Einzelausstellung will Tschudin weitere Werke im Aussenbereich ausstellen. Die Ausgestaltung des sakralen Kirchenraums will er mit Bedacht angehen. Martin Heim, Präsident des Vereins Alte Kirche Härkingen freut sich jetzt schon auf Tschudins Gastspiel. «Das wird mit Sicherheit spannend», so Heim.

Aktuelle Nachrichten