Egerkingen

Einsprachen gegen Neuerschliessung des Steinbruchs am Vorberg

Die neue Streckenführung zum Steinbruch Vorberg in Egerkingen sieht eine Industriestrasse durch den Siedlungstrenngürtel vor.

Seit 1955 wird im Steinbruch am Vorberg in Egerkingen hochwertiger Kalkstein abgebaut. Bisher führte der Erschliessungsweg die Schwerlaster über die Domherrenstrasse mitten durch Egerkinger Siedlungsquartiere. Obwohl der Transport des Gesteins auf insgesamt 52 Fahrten täglich begrenzt ist, regt sich im Dorf seit einiger Zeit Widerstand dagegen.

Reklamationen wegen Schwerverkehr

«Es ist eher aussergewöhnlich, dass ein Industriegebiet quer durch ein Wohnquartier erschlossen ist», sagt Egerkingens Bauverwalter Markus Thommen. Immer wieder habe es Reklamationen gegeben, weil die Erschliessungsstrasse gleichzeitig als Fussgängerverbindung und Schulweg dient. 2016 diskutierten Kanton, Gemeinde und Betreiber des Steinbruchs über dessen Zukunft. In Anbetracht der Lage und der Tatsache, dass noch rund 40 weitere Jahre wertvoller Kalkstein abgebaut werden kann, verlängerte das kantonale Amt für Umwelt die Abbaubewilligung bis Ende 2021, jedoch mit der Forderung, eine alternative Erschliessung im Westen in Betracht zu ziehen. Im Jahr 2017 verlängerte auch die Grundbesitzerin, die Bürgergemeinde Egerkingen, den Pachtvertrag mit der Betreiberin STAG Steinbruch AG provisorisch bis Ende 2021. Dies geschah jedoch unter der Bedingung, dass bis Ende Juni 2019 ein neuer Erschliessungsplan aufgelegt werden muss. Ansonsten müsse man den Betrieb einstellen.

Im kantonalen Richtplan, welcher der Bund im Oktober 2018 genehmigt hatte, ist der Steinbruch Vorberg Egerkingen als Erweiterungs- und Ersatzgebiet für die kurzfristige Versorgung mit Kalkstein festgesetzt. Damit sei die Voraussetzung gegeben, dass der Abbau und die Aufbereitung von Kalkstein langfristig weiterbetrieben werden kann, so Thommen. Dazu werde im Richtplan bemerkt, dass die bestehende Erschliessungssituation für einen dauerhaften Betrieb unbefriedigend und gefährlich sei. Eine neue Erschliessung von Westen her sei daher nicht ausgeschlossen. In der Nutzungsplanung sei aber insbesondere das überwiegende Interesse an der neuen Erschliessung nachzuweisen.

Vom 20. Juni bis 22. Juli lag das vollständige Dossier der Erschliessungsplanung auf der Gemeindeverwaltung auf. Sie sieht eine Streckenführung über die Müslen- und Sandackerstrasse vor. Über eine Kreuzung an der Sonnhaldenstrasse sollen die Schwertransporter schliesslich auf die Steinbruchstrasse gelangen. Die Nutzung der Strasse ist ausschliesslich für den Steinbruchverkehr gedacht. Laut Beschrieb soll die Strasse nämlich «keine schleichende Siedlungsentwicklung» in den Westen und damit keine neue Erschliessung für das Dorf sein. Thommen bestätigt: «Die Strasse darf keine Abbiegemöglichkeit in die Sonnhaldenstrasse und damit ins Dorf bieten.»

Sie befinde sich nämlich im sogenannten Siedlungstrenngürtel und damit ausserhalb der Bauzone. Er ergänzt, dass die Strasse zusätzlich durch ein kantonales Vorranggebiet für Natur und Landschaft sowie durch die kommunale Landschaftsschutzzone führt. Auch im Projektbeschrieb festgehalten ist die Integration der Strasse ins Landschaftsbild: Die Rede ist teilweise von Neuanpflanzungen von Hochstammbäumen, welche die geplante Strasse tangieren und von Ausnahmebewilligungen bezüglich der Unterschreitung des gesetzlich erforderlichen Abstandes zwischen Wald und Strasse. Das sorgt allerdings für Kritik.

19 Einsprachen stehen dem Projekt im Weg

«Der Bau der Strasse wird grundsätzlich abgelehnt», sagt Thommen. 19 Einsprachen habe es gegeben. Vorwiegend von Einwohnern, die nahe des Steinbruches wohnen. Kritisiert wird vor allem der Eingriff in die Schutzgebiete und die landwirtschaftlichen Nutzflächen. Einsprachen haben laut Bauverwalter auch Umweltverbände und Landwirte erhoben. Wie es mit dem Projekt und somit auch mit der STAG Steinbruch AG weitergeht, entscheidet der Gemeinderat an einer Sitzung am kommenden Mittwoch.

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