Schloss Neu-Bechburg

Eine Lilie, die erhalten blieb ... und bleibt?

Das Portal zu Neu-Bechburg mit der Lilie.

Das Portal zu Neu-Bechburg mit der Lilie.

Es ist wohl das geschichtsträchtigste Portal Oensingens: der Haupteingang zum Schloss Neu-Bechburg. Beim genauen Hinsehen erinnert der Eingang auch etwas an den Glanz der Könige und Fürsten vergangener Zeiten.

Über dem Schlossportal thront eine Lilie, darunter die Jahrzahl 1632. Dabei muss man wissen, dass die französische Königsdynastie die Lilie nicht umsonst als ihr leuchtendes Machtsymbol wählte. Sie zeigte es bei jeder Gelegenheit dem ihm untergebenen Volke:

auf Wappen, Fahnen und Teppichen, an Wänden und in Stein gehauen – überall, wo nur möglich.
Das Königshaus bediente sich des vorzüglichen Rufs dieser edlen Blume: Diese sei die Königin unter ihnen. Eleganz, Sinnlichkeit und Würde seien nur einige der Assoziationen, die die Lilie hervorrufe. Wer eine Lilie verschenkt, signalisiere dem Beschenkten Hochachtung und Zuneigung.

Was eine Lilie in Stein gehauen in Oensingen auf dem Schloss zu suchen habe, müsste die logische Frage sein. Die Antwort könnte lauten, dass «die da oben» auf der Bechburg einst Sympathien zum König von Frankreich hegten. Die Herrschaften auf der Bechburg dürfte es dabei wenig interessiert haben, ob die Oensinger damit einverstanden sind, dass das königliche Symbol über dem Dorf zur Schau gestellt wird. Das gemeine Volk anno 1632 kannte ohnehin nichts anderes als die Herrschaft von Einzelnen. Erst die Französische Revolution 1789 öffnete die Augen und ebnete den Weg zu einem demokratischen Denken. Die weitere Frage, warum die Oensinger nicht wenigstens diese Lilie nach dem Franzoseneinfall runtergeholt haben, brennt auf der Zunge. Die Balsthaler zündeten bekanntlich ihre Burg Neu-Falkenstein aus Wut über die damals Herrschenden an.

Dass der Oensinger Johann Sässeli 1792 beim Sturm der Pariser Bevölkerung auf die Tuilerien seinen Einsatz und seine Sympathie für den französischen König mit dem Leben bezahlte, konnte ja nicht der Grund der passiven Haltung der Dorfbewohner sein.

Der Kritik, die Oensinger hätten den Hang, sich alles bieten zu lassen, würde ich mich nicht vorbehaltlos anschliessen. Selbst heute zu Coronazeiten nicht, in welchen der Gemeinderat kürzlich verzichtete, die Zügel selber fest in die Hand zu nehmen und ausserordentliche Massnahmen weiterhin dem Krisenstab überlässt, der gefühlt einem Einmannbetrieb gleichkommt. Dies, obwohl glücklicherweise die Epidemie im Dorf nie ausbrach und zusätzlich schweizweit im Abklingen ist. Die Frage, ob das nicht ein Demokratieverständnis ist, das falsche Zeichen setzt, sei dennoch erlaubt. 

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