Ende Januar durfte der Egerkinger Gemeinderat noch hoffen, dass die Mitwirkungsteilnehmer den geplanten Neubau der von Rohr Holzbau AG nicht unnötig verzögern und damit die Zukunft der Holzbaufirma aufs Spiel setzen. Jetzt, nach Ablauf der Einsprachefrist, scheint diese Hoffnung gestorben.

Auch wenn es nur eine einzige Einsprache ist, die auf der Gemeindeverwaltung eingegangen ist. «Die Einsprache hat aber mehrere Unterzeichnende, erzählt Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi. «Es sind die unmittelbaren Anwohner.» Dadurch verzögert sich nun der geplante Neubau. Dies sehr zum Ärger der Bauherrschaft, vertreten durch Bruno von Rohr.

Für die von Rohr Holzbau AG ist der Neubau von oberster Priorität. Denn ohne diesen droht der Abbau von rund 40 Arbeitsplätzen. Das Gebäude am bisherigen Standort an der Bahnhofstrasse und der Bleumattstrasse ist nämlich in Bezug auf die Weiterentwicklung an seine Kapazitätsgrenze gestossen.

Zudem hat das Verwaltungsgericht entschieden, dass die Nutzung der seit 1986 in der Wohnzone liegenden Lagerhalle an der Bleumattstrasse nicht mehr zonenkonform sei und diese deshalb nur noch bis März 2019 genutzt werden darf. Auf die Unterstützung der Gemeinde darf die traditionsreiche Holzbaufirma zählen: «Wir sind der Meinung, dass das ein sehr gutes Projekt ist», sagt Bartholdi.

Entgegenkommen der Bauherrin

Zwei insgesamt 11'077 Quadratmeter grosse Parzellen dienen dem Projekt als Grundlage. Das geplante multifunktionale Betriebsgebäude mit 48 Meter Breite und 73 Meter Länge beinhaltet im Untergeschoss eine Einstell- und Lagerhalle. Ausserdem sind 47 Aussenparkplätze geplant sowie Unterstände für Mofas und Velos.

Entscheidend ist zudem, dass die Bauherrschaft am Projekt bereits vor der Auflage des Gestaltungsplans Anpassungen vornahm, um den von Mitwirkungsteilnehmern formulierten Bedenken Rechnung zu tragen. So wurde beispielsweise der Grenzabstand vergrössert und ein Lärmgutachten erstellt, welches klar ausweist, dass die massgebenden Grenzwerte eingehalten werden können.

Trotz diesen Massnahmen ging eine Einsprache gegen das Projekt ein, welche die schnelle Ausführung nun behindert. «Die Anwohner sorgen sich um die Lärmbelästigung, die durch die von Rohr Holzbau AG erfolgen könnte», erklärt die Gemeindepräsidentin. «Uns ist klar, dass der Gewerbebau an der Grenze zum Wohngebiet immer kritisch ist», so Bartholdi weiter.

«Aber deshalb gab es ja das Mitwirkungsverfahren und die von Rohr AG ist den Anwohnern bereits einiges entgegengekommen.» Für Bartholdi ist das Projekt in dieser Form eindeutig bewilligungswürdig.

Jetzt ist die Gemeinde am Zug

Bis die Einsprache behandelt ist, geht das Projekt nicht vorwärts. «Die Verzögerung ist für uns nicht optimal», sagt Bruno von Rohr. «Ohne Lagerhalle können wir nicht leben.» Doch ihm seien momentan die Hände gebunden. «Jetzt ist die Gemeinde am Zug.» Es sei auch in deren Interesse, die Einspracheverhandlungen möglichst schnell abzuhandeln.

Dies mit dem Ziel, dass die Einsprache zurückgezogen werde. «Die Befürchtungen der Anwohner sind zwar nachvollziehbar, aber unbegründet», meint die Gemeindepräsidentin. Dank dem neuen Gebäude würden die Anwohner sogar besser gegen dem Lärm der Industriestrasse geschützt.

«Unsere Aufgabe ist es, die zwei Meinungen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen», sagt Bartholdi. «Wir wollen schliesslich auch vermeiden, dass die von Rohr AG wieder in die gleiche Situation kommt, wie sie jetzt mit der Lagerhalle ist.» Deshalb tritt die Gemeinde als Mediator auf zwischen der Firma und den betroffenen Anwohnern, damit das Projekt baldmöglichst weiter vorangehen kann.