Ein spannendes Unterfangen ist die Werkschau von Edy A. Wyss, denn der Besucher wird mitgenommen in ganz unterschiedliche Welten. Mitten im Kirchenraum steht die Schaukel «Schräg», ein witziges Ding, geprägt vom Dadaismus, kreiert 2014.

Das Reale wird zu einem surrealen Ereignis, die Schaukel hat stachelige Sitze, oben auf dem turmartigen Mittelkonstrukt hockt eine schwarze Krähe, inspiriert durch Edy Wyss’ morgendliche Spaziergänge mit seinem Hund, bei denen die Krähen wichtige begleitende Rollen übernehmen. Bunte Verzierungen geben dieser Schaukel etwas Spielerisches.

Klare Farbgebung

Linkerhand hängen die Bilder «Narben» in klarer Farbgebung. Faszinierend «Die Versteinerung». Dinge, Gedanken, die sich im Bildraum eingenistet haben, träumen ihrer Versteinerung entgegen. Die Reihe setzt sich fort mit den Arbeiten «Raum im Raum», 1968 entstanden, klare sachlich aufgebaute Aussagen.

Zum Blickfang wird die grosse Landschaft aus dem Jahre 2009 in leuchtenden Farben, die einen Kontrast zu den streng geordneten Bildern setzt. Dann betritt der Besucher den Chorraum und wird gefangen genommen vom «Glasfassadenspiel NY», einer Konstruktion aus unzähligen Glasteilen, die ineinander verwoben sind, zu einer Fläche werden, gegensätzliche Spiegeleffekte auslösen.

Hochhäuser kommen einem in den Sinn. Diese Arbeit spannt auch einen Bogen zu Wyss’ Glasinstallationen an den Aussenwänden der Kirche.

Links und rechts hängen Wyss’ Tagebuchblätter, kleinere Bilder, die in spontanen täglichen Rhythmen entstanden sind und erzählerischen Charakter haben. Weitere Bilder spannen den Bogen zu den «Narbenbildern», und Rechterhand entdeckt man im eigentlichen Ausstellungsraum die wandgrossen Arbeiten «Farbe durchdringt Weiss», «Weiss umschlingt Rot und Blau» und «Vernetzung von Farben», 2016 gemalt. Es sind Bilder voller innerer Kraft und Intensität. Unzählige Schichten von Farben liegen übereinander, bis die endgültige Aussage entstanden ist.

Edy Wyss liebt die aufwendigen Prozesse, intensive Denkarbeit, bei denen dem Zufall wenig überlassen wird. Er besitzt heute eine wundersame Gelassenheit, wie er selber von sich sagt, kann Dinge loslassen und in gänzlich neue eintauchen. Dies macht ihn für viele neue Erfahrungen auf eine besondere Art frei. Und er liebt sie, diese innere Freiheit, welche die Antriebsfeder zu jedem kreativen Schaffen ist.

Politische, gesellschaftliche, philosophische Hintergründe faszinieren ihn, eigentlich der Mensch in seiner Vielschichtigkeit. Seine künstlerische Arbeit ist sein Atem über die Zeit hinaus, und das Älterwerden setzt nur dem Grenzen, der seine Neugierde auf das Leben verloren hat.

Öffnungszeiten der Alten Kirche Härkingen: Freitag 19 bis 21 Uhr, Samstag und Sonntag jeweils von 14 bis 18 Uhr. Der Künstler ist am 6.11 und 20.11 selber in der Ausstellung anzutreffen.