Egerkingen
Gibt es bald Solarstrom aus dem Steinbruch? Im «Vorberg» ist eine Fotovoltaikanlage geplant

Im Steinbruch Vorberg in Egerkingen wird Kalkstein abgebaut. Bald läuft die Bewilligung dafür jedoch ab und es soll eine Nachfolgenutzung geben. Einerseits soll eine Fotovoltaikanlage und andererseits ein öffentlicher Platz mit Häuschen und Grillstelle entstehen.

Rahel Bühler
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Im Steinbruch Vorberg in Egerkingen soll ab 2030 eine Fotovoltaikanlage Strom produzieren.

Im Steinbruch Vorberg in Egerkingen soll ab 2030 eine Fotovoltaikanlage Strom produzieren.

Patrick Lüthy

Die Gemeinde Egerkingen möchte Solarstrom produzieren. Nicht mit Fotovoltaikanlage auf einem Schulhaus, wie es Oensingen plant, sondern mit einer Solaranlage im Steinbruch Vorberg. Derzeit liegen die Pläne für die öffentliche Mitwirkung auf.

Steinbruch Vorberg, Egerkingen

Der Steinbruch Vorberg erhebt sich oberhalb des Dorfes Egerkingen, an der Jurasüdfussflanke. Wie lange man dort schon Kalkstein abbaut, ist nicht belegt. Das älteste Dokument, das während der Erstellung des Konzepts für das aktuelle Vorhaben gefunden wurde, stammt von 1884. Es zeige bereits eine grössere Ausdehnung des Abbaugebiets. Von daher vermute man, dass bereits damals schon seit längerer Zeit Gestein abgebaut wurde.

Klar ist jedoch, wie lange man den Stein noch abbauen kann: Bis zum 31. Dezember 2021. Denn dann läuft die rechtsgültige Abbau- und Betriebsbewilligung ab. «Bis dann muss die Gemeinde einen vollständigen, neuen Erschliessungs- und Gestaltungsplan inklusive Plan für die Rekultivierung ausarbeiten und beim Kanton zur Vorprüfung einreichen», heisst es im Konzept. Das hat sie nun – gemeinsam mit dem Ingenieurbüro BSB Partner aus Oensingen und dem Geologieunternehmen SolGeo – getan.

Derzeit ist der «Vorberg» im kantonalen Richtplan als Abbaustandort für die kurzfristige Versorgung mit Kalkstein eingetragen. Das bedeutet: Die Betreiberfirma darf weiterhin abbauen. Allerdings nur in der Tiefe des Steinbruchs. Das Abbaugebiet erweitern, darf sie hingegen nicht.

Aktuelle Abbaubewilligung kann als Übergangslösung verlängert werden

Im Frühling und Sommer fand eine gemeinsame Begehung des Steinbruchs der zuständigen Kommissionen statt. Im Anschluss habe die Bürgergemeinde Egerkingen – als Grundeigentümerin – mit der Firma STAG – als Betreiberin – einen Zielhorizont definiert: Der Gesteinsabbau soll 2027 abgeschlossen sein, die Rekultivierung 2030. Bis zum Abschluss des Planungsverfahrens kann die aktuelle Abbaubewilligung als Übergangslösung verlängert werden.

Im Anschluss wurde ein Konzept entwickelt, mit Zielen, die die Wiederauffüllung des Steinbruchs verfolgen sollen:

  • Langfristige Sicherheit vor Steinschlägen im Steinbruchareal
  • Bereitstellung des Areals für eine Nachnutzung
  • Ein Teil soll als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung zugänglich sein
  • Ein Teil soll für ökologische Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen zur Verfügung stehen.

Die Solarpanels werden kaum sichtbar sein

Nach mehreren geologischen Untersuchungen standen laut Konzept zwei Möglichkeiten zur Auswahl: Entweder lässt die Gemeinde den gesamten Steinbruch wieder auffüllen. Dazu bräuchte sie 700000 Kubikmeter unverschmutztes Aushubmaterial. Die Wiederauffüllung würde bis zu 30 Jahren dauern. Das sei für die Gemeinde nicht in Frage gekommen, heisst es weiter in den Unterlagen. Sie wollte eine schneller realisierbare Variante umsetzen. Also kommt nun die zweite Möglichkeit zum Tragen: Ein Teil des Steinbruchs wird wiederaufgefüllt. Das würde nur wenige Jahre dauern und nur 50000 Kubikmeter Aushubmaterial benötigen.

5000 Quadratmeter sollen für die Solarpanels zur Verfügung stehen. 2500 für eine Steinbruchhütte, eine Grillstelle sowie Trockenstandorte oder Feuchtbiotope für Tiere und Pflanzen.

5000 Quadratmeter sollen für die Solarpanels zur Verfügung stehen. 2500 für eine Steinbruchhütte, eine Grillstelle sowie Trockenstandorte oder Feuchtbiotope für Tiere und Pflanzen.

Visualisierung: Helion/zvg

Durch diese Variante entsteht ein Schutzdamm, der den Teil des Steinbruchs, bei dem Steinschläge möglich sind, vom ungefährlichen Teil abtrennt. Und damit eine Nutzfläche von 7500 Quadratmeter. Die Einwohner- und Bürgergemeinde erachtet die Zweiteilung der Nutzfläche als sinnvollste Lösung. 5000 Quadratmeter sollen für die Fotovoltaikanlagen zur Verfügung stehen. Die Panels sollen in der Tiefe des Steinbruchs, nicht an seinen Wänden angebracht werden.

«Dies führt dazu, dass die Panels von Standorten ausserhalb des Steinbruchs nur beschränkt einsehbar sind»,

so der Bericht.

Von weitem sollen die Solarpanels kaum sichtbar sein, da sie in der Tiefe des Steinbruchs angebracht werden sollen.

Von weitem sollen die Solarpanels kaum sichtbar sein, da sie in der Tiefe des Steinbruchs angebracht werden sollen.

Patrick Lüthy

Der Rest soll für die Freizeitnutzung beziehungsweise Naherholung, primär für die Egerkingerinnen und Egerkinger zur Verfügung stehen: «Angedacht sind eine Steinbruchhütte (analog einer Waldhütte) mit Grill- und Spielplatz, eingebettet in eine möglichst ansprechende Umgebungsgestaltung», heisst es im Konzept. Mindestens zehn Prozent der heutigen Abbaufläche sollen als Trockenstandorte oder Feuchtbiotope für Tiere und Pflanzen gestaltet werden. Man denkt dabei zum Beispiel an die Geburtshelferkröte, die Zauneidechse oder diverse Tagfalter.

Im Frühling wurde abgeklärt, ob der Bau und Betrieb einer solchen Anlage überhaupt machbar wäre. Und das ist es. Die Gebiete rund um den Jurasüdfuss sind – vor allem jetzt im Herbst – für viel Nebel bekannt. Trotzdem rechnet das Konzept mit einer Stromproduktion von 2,09 Gigawattstunden im Jahr.

«Das entspricht circa 15 bis 20 Prozent des Strombedarfs der Einwohnergemeinde Egerkingen»,

erklärte Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi bereits Ende September an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung. Je nach Verwendung des Stroms könne zwischen dem fünften und zehnten Betriebsjahr mit einem positiven Finanzertrag gerechnet werden, heisst es weiter im Konzept.

Noch bis zum 22. Oktober liegen die Pläne öffentlich auf der Gemeindeverwaltung auf.

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