Oberbuchsiten

Dieser Chor schlüpft für eine Theateraufführung in Lumpen

Der «Chor der Geschundenen» probt den Auftritt am Ort des Geschehens.

Der «Chor der Geschundenen» probt den Auftritt am Ort des Geschehens.

In wenigen Tagen findet die Uraufführung von «Adam Zeltner – ein Leben zwischen Mühlen» bei der Schälismühle statt. Aufgeführt wird das Stück von den Gäuer Spielleuten. Als «fremdes Pack» wird ein «geschundener» Chor die Stimmung verstärken.

Ein Sack Kartoffeln wird zum Objekt der Begierde. Eine Möglichkeit, endlich mal wieder etwas in den Magen zu kriegen. Doch freiwillig gibt ihnen niemand etwas – den Geschundenen, den Auswärtigen, Fremden. Mit ihren zerlumpten Kleidern und dreckigen Gesichtern sind sie nicht schön anzusehen. Umso überraschender und schöner ist ihr Gesang. Er lenkt ab, wirkt geradezu betörend und so erhaschen die Geschundenen auch den Sack Kartoffeln. Der «Chor der Geschundenen» schafft mit seinem Gesang und seinem Auftritt als «Fremdes Pack» eine schaurig schöne Stimmung im Stück um Adam Zeltner. Der siebenköpfige Chor wird geleitet von Sarah Studer aus Olten. Die Chorleiterin der Raindrops Kestenholz war bereits bei «Denk mal», dem Festspiel über Joseph Joachim in Kestenholz, dabei. Dieses Erlebnis war stark und nachhaltig und damit auch ausschlaggebend, weshalb sie sich noch einmal für dieses sehr zeitintensive Engagement entschied. Aber nicht nur sie schwärmt von der Zeit beim Joseph-Joachim-Festspiel, sondern auch der ganze Chor, der ebenfalls mitmachte.

Eine ganz andere Wirkung

Die erste Probe mit Chor und Schauspiel sei etwas ganz Besonderes gewesen, erzählt Sarah Studer. Im Chor hatten sie einfach Lieder einstudiert. Im Schauspiel hingegen erzählen sie nun ganze Geschichten, vertiefen die Wirkung des Schauspiels, sind verantwortlich für Emotionen. Starke Emotionen, zum Teil fast überwältigend, auch für den Chor. Abstand halten, in der Rolle bleiben sei da nicht immer einfach, aber wichtig. Die Melodien hat Sarah Studer ausgewählt, mit Regisseur Christoph Schwager abgesprochen und dann neue Texte dazu geschrieben.

Die vier Frauen und drei Männer des Chores freuen sich auf ihren Auftritt. Ihre Rolle als Ausgestossene, Fremde, Mittellose regt sie auch zum Nachdenken an. Beat Rudolf von Rohr, einer der Geschundenen, meint: «Sehe ich heute einen Eritreer auf der Strasse, mache ich mir andere Gedanken.» Man habe plötzlich einen anderen Einblick, stehe auf der anderen Seite des Geschehens. Ein Bezug zur heutigen Zeit sei unübersehbar.

Nicht nur Tragisches

Im Zentrum des Stückes steht der Bauernführer Adam Zeltner, der im 17. Jahrhundert in der Schälismühle gewohnt und gearbeitet hat. Im Dreissigjährigen Krieg wurde er zum Bauernführer, immer bemüht, zwischen Volk und Regierung zu vermitteln. Am Schluss half alles nichts und er wurde geköpft.

Autor und Regisseur Christoph Schwager stellt jedoch nicht diese tragische Hinrichtung in den Vordergrund, sondern die Menschen und die Schwierigkeiten, mit denen sie damals zu kämpfen hatten. So geht es im Stück nicht nur tragisch zu und her – es darf durchaus gelacht werden bei den Gäuer Spielleuten. Man darf sich freuen auf den Besuch der Huttenlochers aus Deutschland oder auf rührende Szenen, wenn Dursli mit seinen Holzstücken spricht.

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