Mümliswil

Die Plastikfabrik war lange Jahre ein guter Brotgeber

Im Museum Haarundkamm in Mümliswil illustriert eine Ausstellung den Aufstieg und Fall der OWO Plastikwarenfabrik, der Folgefirma der Kammfabrik.

1932 wars, da wurden aufgrund der Liquidation der Kammfabrik O. Walter-Obrecht die Produktionszweige Kammproduktion und Kunststoffverarbeitung in zwei getrennte Unternehmen überführt. Die Kroko AG widmete sich der Zelluloidkammherstellung und die Bakelitpresserei – der Kunststoff von damals – wurde an die Firma Merker AG in Baden verkauft und unter dem Namen OWO-Presswerk AG weitergeführt. Die OWO stellte zunächst Haushaltsartikel und Komponenten im Pressverfahren aus Duroplast und später Produkte aus thermoplastischen Kunststoffen für Haushalt, Hygiene und Elektro her.

Fast keine Familie zwischen den Dreissiger- und den späten Achtzigerjahren in Mümliswil, die keine Berührungspunkte zum «Presswerk» hatte, wie die Einheimischen die Firma nannten. In allen Haushaltungen gab es genügend Wäschekörbe, Milchkesseli, Jass-Etuis oder Trinkflaschen mit Becher aus Plastik. Das Unternehmen war lange Jahre ein gut gehender Brotgeber. Stets verfolgte man die Haushalts-Trends, sei es in Farben und Formen. So war beispielsweise auch der Oeko-Boy, das erste Abfalltrennsystem für den Haushalt, eine Erfindung, die in Mümliswil hergestellt wurde. 1990 schloss zunächst die Kroko ihre Tore, 1999 stellte auch das «Presswerk» seine Produktion nach einigen arbeitsrechtlichen Turbulenzen ein. Die beiden Firmen waren die ersten Opfer der Globalisierung.

Der Aufstieg und Fall dieses Unternehmens wird in einer Sonderausstellung im Museum Haarundkamm minutiös nachgezeichnet. Es gibt Hörstationen mit ehemaligen Fabrikdirektoren, Schubladen und Pläne und Plastikprototypen oder Filme, in denen der Produktionsvorgang gezeigt wird. Plastik und unser heute ambivalentes Verhältnis dazu, seine Abfallproblematik und die Recyclingverfahren sowie 3-D-Druck sind ebenfalls Themen der Ausstellung. Dazu ist Literatur zu finden.

Die Ausstellung ist noch bis zum 24. November 2019 zu sehen. Am Sonntag, 24. Februar, findet eine öffentliche Führung statt. www.haarundkamm.ch

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