Welschenrohr

«Die Letzten von ehemals sieben»: Trotz Krise bleiben die Gastrobetriebe optimistisch

Die letzten Welschenrohrer Gastrounternehmer: (v.l.) Colette Rieder, Mirjam und Peter Läuffer.

Die letzten Welschenrohrer Gastrounternehmer: (v.l.) Colette Rieder, Mirjam und Peter Läuffer.

Trotz Coronakrise blicken die zwei noch vorhandenen Gastrobetriebe in Welschenrohr zuversichtlich in die Zukunft. Ihr Weiterbestehen ist unter anderem auf ein gutes Einvernehmen zurückzuführen.

Seit fünf Jahren betreibt Colette Rieder ihr Café Colette im Herzen von Welschenrohr. «Ich bin sehr zufrieden, wie es läuft», sagt die Tearoom-Wirtin. «Es kommen wieder Gäste nach der Coronazeit ins Café, auch wenn einige noch etwas vorsichtig sind.» Sie habe coronabedingt ein paar Plätze weniger zur Verfügung, da die Abstände eingehalten werden müssen. Doch dem lebhaften Betrieb an diesem frühen Dienstagnachmittag tut das keinen Abbruch.

Vor allem ältere Leute, aber auch Mamis mit kleineren Kindern besuchen das Café gerne. «Ich kann auf ein treues Stammpublikum zählen», sagt Rieder. «Doch besuchen mich auch Passanten auf der Durchfahrt durchs Thal oder Wanderer im Naturpark.» Rieder bietet das übliche Tearoom-Angebot mit Snacks, Desserts, Patisserie und auch alkoholischen Getränken an. Und wer nach einem kleinen Geschenk sucht, findet auch dies, ebenso wie Blumengestecke, im Café Colette. «Floristin Daniela Thomann aus Mümliswil bietet im Tearoom sozusagen als Shop in Shop ihr Sortiment an.»

Zwei Gastrounternehmen im Einklang

Dass eine solche Gastwirtschaft in einem eher kleinen Dorf noch betrieben werden kann, ist eher die Ausnahme. «Ich habe eine Existenz mit dem Tearoom auch deshalb, weil ich mit dem anderen Gastrobetrieb im Dorf, mit dem ‹Kreuz›, ein gutes Einvernehmen habe», betont Rieder.

Das Wirtepaar Mirjam und Peter Läuffer ist ebenfalls zum Gespräch ins Tearoom gekommen. Sie stimmen der Aussage von Rieder zu. Nach der Schliessung des Gasthofes Hirschen vor einigen Wochen ist das «Kreuz» die letzte Wirtschaft im Dorf. «In Welschenrohr fanden früher mal sieben Restaurants ihr Auskommen», sagt ‹Kreuz›-Wirt Peter Läuffer. Dank steter Investitionen in den Betrieb, bereits durch seine Eltern, hat sich das «Kreuz» halten können, mittlerweile in der vierten Generation. «Wir bieten 13 Gästezimmer an, haben ein Restaurant mit Wintergarten und überdeckbarer Terrasse sowie ausreichend Parkplätze», beschreiben die Wirtsleute ihren Betrieb. «Und wahrscheinlich ist bei uns der grösste Saal im Thal zu haben.»

Entsprechend werden – in normalen Zeiten – dort auch etliche grössere Veranstaltungen durchgeführt. «Für uns auch wichtig sind die Carunternehmer, die bei uns einen Kaffeehalt machen auf der Durchfahrt in den Jura, berichtet Peter Läuffer. Doch auch Einheimische, Familienfeiern oder Besucher der Seifenfabrik, des Uhrenmuseums oder der Naturpark-Wanderrouten finden im «Kreuz» eine Mahlzeit oder eine passende Übernachtungsmöglichkeit.

«Es wäre ein Superjahr geworden»

Sie werden fast etwas wehmütig, wenn sie an die vielen Absagen wegen Corona in den vergangenen Wochen denken. «Es wäre ansonsten ein Superjahr geworden», sagt Mirjam Läuffer. «Mit Gästen von Carunternehmen können wir bis in den August nun nicht mehr rechnen.»

Es ist den beiden Gastrounternehmern wichtig, dass für die Welschenrohrer rund um die Woche immer ein Betrieb geöffnet hat, dass also jeden Tag auswärts gegessen werden kann. «Wir reden stets miteinander und geben uns auch Tipps», sagen die drei. «Es kann auch vorkommen, dass ich Gäste ins ‹Kreuz› schicke, weil ich keinen Platz mehr habe oder weil sie eine Übernachtungsmöglichkeit suchen», sagt Colette Rieder. Doch die Unternehmer unterstreichen: «Unser Metier ist ein Knochenjob, und nur wer Leidenschaft dafür mitbringt, ist auch erfolgreich.»

Im Grossen und Ganzen sind die drei mit den Möglichkeiten, die das Dorfleben bietet, zufrieden. «Glücklicherweise haben wir noch einen Dorfladen und auch ein paar Industrie- und Gewerbebetriebe in Welschenrohr. Alle drei ärgern sich aber immer noch über den Weggang der Raiffeisenfiliale seit Anfang Jahr. «Wenigstens bekamen wir einen neuen Bancomaten», sagt Peter Läuffer ironisch. Zum Geld-Einzahlen muss er sich nach Matzendorf begeben. Mit dem Angebot, welches durch den Naturpark Thal geschaffen worden ist, sind sie mehrheitlich zufrieden. «Obwohl es noch einiges an Potenzial hat, welches noch nicht ausgeschöpft ist», meint der «Kreuz»-Wirt.

Öffnungszeiten Café Colette: Mo 16–23 Uhr; Di–Fr 8–11 Uhr, 14–19 Uhr; Fr bis 18 Uhr; Sa 8–12 Uhr. Gasthof Kreuz: Mo 8–14 Uhr; Di–Fr 11–14 Uhr/17–23 Uhr; Sa 8–23.30 Uhr; So 9–17 Uhr.

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