Drei Jahre ist es her, seit der damalige Direktor der Kreisschule Gäu, Christoph Kohler, nach zweijähriger Amtszeit seine Arbeit niederlegte. Er hinterliess eine Schule mit ungelösten Spannungen zwischen Schuldirektion und Lehrerschaft. Besonders an der Oberstufe in Wolfwil war die Unzufriedenheit im Kollegium damals gross. Der Vorstand des Zweckverbandes nahm daher den Abgang Kohlers als Gelegenheit für eine Neuorientierung der Organisations- und Führungsstrukturen der Schule wahr.

Seit dem Herbstsemester 2016 führt ein neues Schulleitungsgremium die Kreisschule: Dominik Studer wurde Vorstandspräsident, und Silvan Jäggi übernahm die Schuldirektion. Auch in der Schulleitung fanden Wechsel statt. Dass diese Massnahmen durchaus Früchte getragen haben, beweist ein externer Evaluationsbericht über die Schule. Diesen hat die Oltner Fachhochschule Nordwestschweiz im April dieses Jahres durchgeführt: Nach Onlinebefragungen und Interviews mit Schülern, Lehrern und Eltern vor Ort erhielt die Kreisschule Gäu durchs Band gute Bewertungen. Untersucht wurden unter anderem Schul-, Unterrichts- und Arbeitsklima, Elternkontakt, Schulführung und Qualitätsmanagement. Die guten Resultate sind gemäss der Schuldirektion auf die neu ausgerichtete Führungsphilosophie zurückzuführen.

Neue Feedback- und Fehlerkultur

«Das neue Schulleitungsgremium konnte alles neu aufgleisen, neues Vertrauen aufbauen und den Fokus auf gesetzliche Grundlagen setzen», sagt Dominik Studer, Präsident des Zweckverbandes. Besonderer Wert sei auf eine transparente Führung und Kommunikation sowie auf eine neue Feedback- und Fehlerkultur gelegt worden. «Unser Motto lautet: Löse das Problem und nicht die Schuldfrage», ergänzt Schuldirektor Silvan Jäggi. «Ich habe damals festgestellt, dass in der Lehrerschaft eine grosse Angst vor Fehlern bestand.» Dass Fehler passieren, sei vollkommen normal. Wichtig sei es jedoch, offen und transparent mit ihnen umzugehen, so Jäggi. Auch als Schuldirektor. «In diesem Bereich konnten wir das Eis brechen und den Weg zu einer Arbeitskultur ebnen, bei der alle an einem Strang ziehen.» Zur Verbesserung der schulinternen Kommunikation wurde ein Wochenmail eingeführt, das jeweils freitags über die wichtigsten Ereignisse informiert: Meldungen vom Volksschulamt, neu eintretende Lehrpersonen, Rückmeldungen der Schulsozialarbeit sowie beispielsweise auch Hinweise zur Unterrichtsgestaltung. Bei Unklarheiten oder Fragen zum Inhalt der Wochenmails stehe die Schulleitung für Auskünfte und Diskussionen zur Verfügung.

Um den Informationsfluss und den Austausch zwischen den drei Schulhäusern der Kreisschule in Neuendorf und Wolfwil weiter zu fördern, gründete die Schulleitung Fachgruppen, in welchen sich Fachlehrkräfte untereinander beraten und Projekte planen können. «Am Anfang des Schuljahres erhalten die Fachgruppen jeweils einen Auftrag der Schulleitung, den sie ausarbeiten, durchführen und Ende Jahr präsentieren müssen», erklärt Jäggi. Im vergangenen Schuljahr haben die Fachteams eine Unterrichtssequenz gemäss Lehrplan 21 planen und durchführen müssen. «Die Resultate werden am Ende des Schuljahres im Gremium diskutiert und reflektiert.» Klare Kommunikation sei auch betreffend gesetzlicher Grundlagen notwendig gewesen, erklären Schuldirektor und Verbandspräsident. Sie setzten dabei komplett auf das Öffentlichkeitsprinzip: Im Verlauf der vergangenen Jahre wurde ein Organisationshandbuch zusammengestellt und für die gesamte Kreisschule digital zugänglich gemacht. Darin sind diverse Abläufe wie Lohnauszahlungen, Stellvertretungseinsätze oder auch das Vorgehen bei schwierigen Schulsituationen verständlich und einfach visualisiert, um Missverständnisse zu vermeiden. «Wir wollen damit Klarheit und Transparenz schaffen. Uns ist wichtig, dass all unsere Mitarbeiter nachvollziehen können, wie unsere Entscheidungen gefällt werden», sagt Jäggi. Das fördere das Vertrauen in die Schule. Dokumente, die für Eltern relevant sind, können zudem auch online bezogen werden, genauso wie der Externe Evaluationsbericht der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Noch viel zu tun bis zur nächsten Evaluation

Negative Auffälligkeiten weist die externe Evaluation lediglich in Bezug zum Schulleben auf: Aus den Onlinebefragungen geht hervor, dass die Schülerinnen und Schüler vorwiegend unzufrieden sind mit den Möglichkeiten an der Schule, beispielsweise mit dem Pausenplatz, den ausserschulischen Aktivitäten oder den Schulanlässen. Diese Resultate seien mit Vorsicht zu geniessen, erklärt Schuldirektor Silvan Jäggi. Dies seien nur die Rohdaten aus den Onlinebefragungen, und sie könnten ohne Kontext falsch interpretiert werden. Das sei auch der Grund, weshalb dieser Teil der Evaluation nicht im Dokument vorhanden ist, welcher online zum Herunterladen zu Verfügung steht. Bei den Interviews hätten sich die Resultate nämlich relativiert: «Es hat sich herausgestellt, dass die Kinder sich einfach mehr Anlässe wünschen, beispielsweise an Weihnachten.»

Verbesserungspotenzial habe die Schule dennoch. Allerdings in Bereichen, welche nicht während der Evaluation abgehandelt wurden: Die Einführung des Lehrplans 21 und der digitale Wandel seien zurzeit ein grosses Thema. Laut dem Verbandspräsidenten Dominik Studer beschäftigt die Schule insbesondere auch die Frage, wie sich die Berufsorientierung und der Übertritt in die Sek II verbessern lässt. «Wir müssen uns überlegen, ob unser Unterrichtsinhalt sinnvoll ist», sagt er. Der Übertritt in die berufliche Grundbildung oder schulische Weiterbildung sei nach wie vor schwierig für die Schüler. «Das ist für mich ein grosses Anliegen, das nicht vertieft evaluiert wurde», fährt er fort. «Das beweist, dass die Evaluationen wichtig, aber nicht alles sind.» In drei Jahren wird eine interne Schulevaluation stattfinden, um den Zwischenstand zu besprechen, bevor in sechs Jahren wieder eine externe Evaluation durchgeführt wird.