Denkt man an die Gemeinde Ramiswil, fallen einem vor allem folgende Dinge ein: Kein Restaurant mehr im Dorf, keine Einkaufsmöglichkeiten und zuletzt wurde auch noch die Primarschule geschlossen. Ramiswil – die kleine Schwester von Mümliswil, die immer etwas zu kurz kommt: So ist zumindest das Empfinden der Ramiswiler Bevölkerung seit je.

Dass sie sich hintergangen fühlt, zeigte sich vor rund einem Jahr deutlich als die Gemeinde im Restaurant Alpenblick über die bevorstehende Schulschliessung informierte. Es stellt sich die Frage, wie mit solchen Situationen umzugehen ist, ob man es geschehen lässt oder aktiv wird?

«Wir waren nicht organisiert»

So ergriffen einige Ramiswiler die Initiative und gründeten am 31. März 2017 den Dorfverein – anwesend seien etwa 40 Interessierte gewesen und so viele Mitglieder zähle der Verein nun auch. «Wir erkannten, dass wir nicht organisiert sind», gesteht Rainer Roth, Präsident des Dorfvereins. Der Verein will eine Anlaufstelle sein für die Gemeinde, wenn ein Anliegen vorliegt. Andererseits wolle man unterstützen und auch selber aktiv werden, wenn nötig.

Ein erstes Projekt wurde mit dem Spielplatz Ramiswil bereits erfolgreich umgesetzt. Der Spielplatz sei in die Jahre gekommen und eine Sanierung dringend nötig gewesen. So stellte man bei der Gemeindeverwaltung den Antrag – und diese willigte ein. «Wir boten bewusst an, dass wir die Arbeiten selber ausführen», betont der Vereinspräsident. Die Gemeinde finanzierte die Sanierung, Forst Thal organisierte und acht Männer arbeiteten während fünf Samstagmorgen daran.

Erstes erfolgreiches Projekt

«Wir leisteten rund 120 Stunden unentgeltliche Arbeit», bemerkt Roth: «Es war lustig, es stärkte den Zusammenhalt und wir haben etwas Sinnvolles getan.» Das Zusammenspiel habe sehr gut funktioniert und die Leute halfen bereitwillig mit. Es seien auch Stimmen laut geworden, dass die eigenen Leute daran arbeiteten, man fühlte sich wieder benachteiligt. «Doch auch bei der Spielplatz-Sanierung beim Schulhaus Rank in Mümliswil arbeiteten die Eltern mit», weiss Roth.

Mit dem Verein wolle man genau diesem Gefühl der Benachteiligung entgegenwirken und gleichzeitig dem Vorwurf, dass im Ramiswil nichts unternommen werde begegnen. Am 19. Oktober 2017 stellt sich der Dorfverein im Gemeinderat vor. Weiter befinde man sich in der Vorbereitung eines Informationsanlasses für die Bevölkerung, um die Bedürfnisse abzuholen. Denkbar sei auch eine Zusammenarbeit mit dem Naturpark Thal, um Synergien nutzen zu können.

«Negatives wird stets betont»

Solche Dorfvereine seien in Randregionen ein beliebtes Instrument. Denn vor allem diese Gebiete seien durch den Strukturwandel gefordert. «Es bringt nichts, die Gesellschaft nach eigenem Willen formen zu wollen. Wichtiger hingegen ist, dass man die Bedürfnisse aufnimmt und für gute Lösungen sorgt», erklärt der dreifache Familienvater. Mit dem Verein soll für die Bevölkerung ein Instrument geschaffen werden, um diese Herausforderungen möglichst nachhaltig und bedürfnisorientiert zu lösen.

«Mümliswil macht das nicht absichtlich, sondern hat einfach genug andere Dinge zu erledigen», ist Roth überzeugt. Und solange niemand komme und seine Forderungen stelle, gehe man davon aus, dass alles in Ordnung sei. «Es ist schon verrückt, wie man stets das Negative betont», reklamiert der Vereinspräsident. Man dürfe zwei Dinge nicht ausser Acht lassen: Das Dorf wächst und das Dorf lebt. Wir haben einen sehr guten Zusammenhalt.