Sommerserie

Die Dünnern als Mutter der Balsthaler Badi

Schon Mitte des 19. Jahrhunderts bändigte Balsthal die Dünnern, welche später die geschlechtergetrennten Bassins im Moos speiste.

In Balsthal wurde die Dünnern bereits 1864 bis 1866 korrigiert, was eine fast durchgängige Verlegung des Bachbettes innerhalb der Gemeindegrenzen mit sich brachte. Mit ein Grund waren damals die immer wiederkehrenden Überschwemmungen im Dorf, welche auch durch den Augstbach verursacht wurden. Dieser war Schuld an Rückstaus, die im Bereich der Dünnerneinmündung in der Klus entstanden. Wie überliefert ist, gab es im Jahr 1830 in Balsthal eine grosse Überschwemmung. Auch nach der ersten Korrektion sorgte 1926 ein Hochwasser für Schäden.

Das Flussbett der Dünnern, welches sich auf Balsthaler Boden ursprünglich entlang des Bergfusses der Schmiedenmatt schlängelte, wurde komplett begradigt und im Bereich Klus in einen Kanal gezwängt. «Dieses Vorgehen veränderte die damaligen Grundstücksverhältnisse grundlegend», schreibt Hans Sigrist in seinem Buch «3000 Jahre Balsthaler Dorfgeschichte». Die eigentliche Thalbrücke wurde 1870 durch eine stärkere und breitere Brücke ersetzt. 1941 wurde die Korrektion noch verbessert. Das Bachbett der Dünnern wurde «tiefer gelegt». Dieser Eingriff beeinflusste den Grundwasserspiegel, der sich dadurch absenkte. Im Gegenzug konnten über 800 Hektaren neues Kulturland gewonnen werden.

Polemik um eine ­«Geschlechter-Trennwand»

An einer Gemeindeversammlung im Jahr 1925 beschlossen die Balsthaler Männer, bei der Brücke über die Dünnern im Moos eine Badeanstalt zu bauen. 24000 Franken sollte dieses Vorhaben kosten. Die Gemeinde liess ein Männerbassin, ein Frauenbassin sowie Kabinen und Sonnenliegeplätze bauen. Um die Bassins zu füllen, leitete die Badi bis 1945 Dünnernwasser ein. Damals existierten noch keine technischen Anlagen, um das Wasser zu filtern. Wenn das Wasser nach vier, fünf Tagen endlich eine Temperatur von 17 oder 18 Grad erreicht hatte, musste die Badeanstalt dieses aufgrund des hohen Verschmutzungsgrades wieder ablassen und mit neuem, 8 bis 10 Grad kaltem Wasser füllen. Zu diskutieren gab auch immer eine durchgehende Trennwand zwischen Männer- und Frauenbassin, welche gemäss Forderung des Gemeinderates sowie des katholischen und reformierten Pfarrers, hätte gebaut werden sollen. Die Badekommission wehrte sich dagegen und monierte, das Geld würde besser für eine Kläranlage gebraucht. So schrieb sie: «Wir sind gerne bereit, einer gesitteteren Kommission Platz zu machen, falls man unsere Meinung nicht unterstützen kann.»

Das letzte Kapitel «Dünnern in der Klus» ist noch nicht geschrieben. Die geplante Verkehrsentlastung Thal sieht nämlich vor, dass die Stelle – wo Augstbach und Dünnern zusammenfliessen – so belassen wird, wie sie jetzt ist. Jedoch soll der Verkehr ein paar Meter weiter Richtung Süden die Dünnern dann über eine Umfahrungsbrücke queren, bevor die Strasse dann in den neugeschaffenen Tunnel beim Guntenflühli führt.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1