Balsthal
Der Ausstieg aus Atomenergie soll verbindlich geregelt werden

«‹Laufenlassen solange sicher› ist zu gefährlich», meinte Referent Kaspar Schuler bei der Regionalgruppe Solothurn des Vereins Nie wieder Atomkraftwerke (NWA) in Balsthal.

Clemens Ackermann
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Die Jahresversammlung der NWA-Regionalgruppe begann mit einer Führung durch die Produktionsanlage der AEK Pellet AG in Klus.

Die Jahresversammlung der NWA-Regionalgruppe begann mit einer Führung durch die Produktionsanlage der AEK Pellet AG in Klus.

Clemens Ackermann

Die Atomkraftwerke müssen abgestellt werden. Für einen Verein mit dem Namen «Nie wieder Atomkraftwerke» (NWA) ist diese Forderung eine Selbstverständlichkeit. An der Generalversammlung der Regionalgruppe Solothurn in der Klus bei Balsthal legte Kaspar Schuler am Freitagabend die Gründe der NWA dar für einen sofortigen Ausstieg aus der Atomwirtschaft und für die Energiewende. Er forderte eine verbindliche Regelung der Ausserbetriebnahme von Atomanlagen. Kaspar Schuler ist Geschäftsleiter der Allianz Atomausstieg.

Auch Atomanlagen altern

Einer der wichtigsten Gründe für das baldmöglichste Abstellen der Atomkraftwerke liegt für Schuler in deren Alter. Schuler stützt sich auf Beobachtungen von komplexen Industrieanlagen. Diese wiesen fast immer am Anfang ihrer Lebensdauer eine relativ hohe Schadensauffälligkeit auf – man bezeichne dies gerne als Kinderkrankheiten.

Die Schadensauffälligkeit gehe dann mit zunehmender Betriebsdauer anfänglich ziemlich rasch zurück, um dann ab einem bestimmten Punkt langsam aber stetig wieder anzusteigen.

Es entsteht eine Kurve in Form eines U oder einer Badewanne. In dieser dritten und letzten Phase der Lebensdauer befänden sich die Atomanlagen in der Schweiz heute. Diese Phase sei insbesondere auch deshalb so gefährlich, weil angesichts des Endes der Lebensdauer der Atomanlagen niemand mehr bereit sei zu investieren. Das Risiko nehme aber stark zu.

Kaspar Schuler kritisierte auch die von der Atomwirtschaft gepriesenen Nachrüstungen der Anlagen als völlig ungenügend. Er stellte zwar nicht in Abrede, dass diese Nachrüstungen die Sicherheit etwas erhöhten, aber keinesfalls in genügendem Masse. Es sei praktisch nicht möglich, mit Nachrüstungen von in die Jahre gekommenen Werken einen Sicherheitsstandard zu erreichen, der dem Stand der Technik entspreche.

Was ein Störfall in einem Atomkraftwerk bedeuten kann, muss spätestens seit Fukushima nicht mehr erklärt werden. Kaspar Schuler wies nur kurz auf die Probleme der Menschen in Japan hin, die zwar ihre Wohnungen in der Sperrzone nicht mehr bewohnen können, deren Hypothekarkredite auf diesen Wohnungen aber selbstverständlich weiter zur Zahlung fällig sind.

«Atomstrom rentiert nicht»

Für Schuler ist im Übrigen der Strom aus Atomanlagen schlicht zu teuer. Berechnungen hätten ergeben, dass eine Kilowattstunde Strom aus dem AKW Leibstadt Gestehungskosten von 5,25 Rappen habe. Im Jahre 2014 sei der durchschnittliche Stromverkaufspreis bei 4,4 Rappen pro Kilowattstunde gelegen.

Schuler zeigte sich überzeugt, dass die Energiewende gelingen wird. Allerdings werde nicht nur eine einzige Massnahme die wegfallende Stromproduktion ersetzen können. Es sei vielmehr eine Vielzahl von Massnahmen, die nötig seien: Photovoltaik, Wasserkraft, Biomasse, Windkraft, Geothermie und so weiter.

Laufzeit beschränken

Im Hinblick auf die nahe Zukunft forderte Kaspar Schuler konkret verbindliche Laufzeitbeschränkungen für die bestehenden Atomanlagen in der Schweiz: «Wir brauchen eine Planungspflicht für die Ausserbetriebnahme der alten Kernkraftwerke.» Ein geordneter, etappierter Ausstieg gebe drei wichtige Sicherheiten: persönliche Sicherheit für die Bevölkerung, Planungssicherheit für Staat und Politik und Investitionssicherheit für die Wirtschaft.

Humoristischer Gegenpol

Einen gewissen Gegenpol zu den Ausführungen von Kaspar Schuler setzte Dr. Walter B. Grünspan. Grünspan ist eine Kabarettfigur. Diese persiflierte die offiziellen Stellungnahmen aus Bundesbern auf höchst amüsante Weise. Indem sie etwa nachvollzog, wie einerseits die Gefahren der Atomkraft verharmlost («Ganz so schlimm ist es mit dem Atomzeug dann doch nicht»), andererseits andere Gefahren ins Groteske vergrössert werden («Was glauben Sie, wie viele Menschen schon beim Montieren von Photovoltaikanlagen vom Dach gefallen sind?»). Ganz nach dem Motto: «Fukushima kann überall passieren, aber nicht hier.»

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