Denkmalserie
Pestkreuz im Lobisei: Zur Erinnerung an die Pesttoten im Guldental

In einer Serie spüren wir den Denkmälern im Thal und Gäu nach. Teil 10: Das Pestkreuz im Lobisei zwischen Balsthal und Mümliswil.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Pestkreuz auf der Strasse zwischen Balsthal und Mümliswil.

Pestkreuz auf der Strasse zwischen Balsthal und Mümliswil.

Patrick Lüthy

Zwischen 1611 und 1638 wütete die Pest im Kanton Solothurn in besonderem Mass, so auch in Mümliswil. Das Mümliswiler Sterberegister von 1611 zählt auf, dass von Januar bis November insgesamt 43 Personen «aus diesen zittlichen Jammertal» verschieden sind.

Doch einige Jahre später kam es noch schlimmer. 1629 verzeichneten die Sterberegister von Mümliswil und Ramiswil 54 Todesfälle durch die Pest. Bedenkt man, dass in einem normalen Jahr etwa fünf Personen gestorben sind, kann die Schwere dieser Seuche beurteilt werden.

Es wird bis heute erzählt, dass das Dorf in jenen Jahren fast ausgestorben war. Häuser, in denen es Pesttote gab, wurden zugemauert. Auf Leiterwagen wurden die Toten aus dem Dorf geführt. Weil so viele starben, konnte das Land nicht mehr bewirtschaftet werden, das Vieh lief herrenlos herum.

Wegen Pest wurde Passübergang gesperrt

Die nächsten Pestepidemien der Jahre 1634 und 1636 scheinen dann das Guldental grösstenteils verschont zu haben. Zwar wurden 1636 zwölf Tote verzeichnet, was auf eine leicht erhöhte Sterblichkeit hinwies.

Schlimmer wütete die Pest in diesen Jahren nördlich der Wasserfallen, im Baselbiet, so dass der Falkensteiner Vogt den Passübergang schliessen liess. Er berichtete nach Solothurn, dass er diese Massnahme wegen der «nid guoter Lufft» in Reigoldswil ergriffen habe.

Im Lobisei, zwischen Balsthal und Mümliswil steht an der Hauptstrasse ein steinernes Kreuz zum Gedenken an die Pesttoten. Es wurde im Jahr 1901 erbaut. Der Sage nach soll auf der Wiese, welche gegenüber dem Kreuz zu sehen ist, ein Pestfriedhof angelegt worden sein.

Das Kreuz, welches heute an der Strasse rechterhand in Richtung Mümliswil steht, habe früher auf der gegenüberliegenden Seite gestanden und habe so das Ende dieses Friedhofes markiert. Heute noch werden an diesem Kreuz während des Jahres immer wieder frische Blumen abgelegt.

Quelle: «Das Guldental Bd. I».