Neun Jahre lang befand sich das Atelier des Zentrums Lilith in der Schälismühle in Oberbuchsiten. Nach beinahe einem Jahrzehnt zieht dieses nun um und eröffnet am Donnerstag, 17. Mai, von 16 bis 18 Uhr mit einem Apéro die neuen Räumlichkeiten an der Hauptstrasse 137, wo sich einst die Drogerie befand.

Hauptgrund für den Umzug sei die Finanzlage, wie Geschäftsleiterin Stephanie Hartung erklärt. Die neuen Räume seien zwar kleiner, aber auch um einiges günstiger. Zudem seien diese sehr gut gelegen.

Die Lilith ist das einzige Zentrum seiner Art in der ganzen Schweiz. Frauen mit oder ohne Kinder in schwierigen Lebenssituationen werden aktiv in einen Behandlungsplan eingebunden. Es gibt sowohl Angebote im stationären als auch im ambulanten Bereich. Zusätzlich erfahren Mütter in steter Begleitung den richtigen Umgang mit ihren Kindern. Ziel des Aufenthaltes im Zentrum ist ein möglichst eigenständiges Leben.

Als die Lilith im Jahr 1996 gegründet wurde, konnte die Institution acht Betreuungsplätze anbieten. Mittlerweile wurde das Angebot auf 21 Plätze für Frauen, 12 Plätze für Kinder und weitere 12 ambulante Mandate erweitert. Diese sind auf drei Häuser im Unteren Bifang in Oberbuchsiten aufgeteilt. 35 Mitarbeiter betreuen die Frauen in einem 24-Stunden-Betrieb.

Strenger Tagesablauf im Zentrum

Etwa 1 bis 1,5 Jahre dauert ein Aufenthalt in der Lilith im Durchschnitt, gibt Hartung Auskunft. Während der Behandlung sind die meist suchtkranken Frauen oder Frauen mit psychischer Beeinträchtigung stets betreut und absolvieren ein strenges Tagesprogramm. So besteht der Tagesablauf unter anderem aus Gruppentherapien und aus mehreren Ämtli rund um das ganze Haus.

Zudem besuchen die Frauen gewisse Module, in welchen sie etwa mehr über die Themen Ernährung, Sauberkeit in einer eigenen Wohnung oder den Umgang mit Schulden lernen. Mütter erlernen zudem den Umgang mit ihren Kindern in einem geführten Rahmen, in welchem die Betreuer der Lilith beispielsweise beim Bindungsaufbau mit dem Kind helfen.

Auch Suchtprävention ist ein wichtiger Aspekt. «Die Abstinenz ist nicht die oberste Priorität», erklärt Hartung. «Bei uns lernen Frauen den richtigen Umgang mit ihrer Sucht und wie sie diese kontrollieren können.» Trotzdem gelten im Zentrum strenge Regeln.

Weil sich die Frauen aktiv für einen Aufenthalt in der Lilith entscheiden, seien Abbrüche oder Ausstiege sehr selten. «Über der Hälfte gelingt es, nach dem Aufenthalt ein eigenständiges Leben zu führen», erzählt die Geschäftsleiterin. «Ein ungrades Mal kommt es aber schon zu Rückfällen.» Die Zeit kurz nach dem Aufenthalt im Zentrum sei die schwierigste. Denn ab diesem Zeitpunkt sind die Frauen auf sich alleine gestellt. Deshalb bietet die Lilith aber auch Nachbetreuung an.

Atelier gehört zu Therapie

Ein wichtiger Teil der Behandlung und ein grosser Schritt zur Selbstständigkeit ist deshalb auch das Atelier. «Uns geht es nicht primär um den Verkauf», sagt Hartung. «Es geht darum, dass die Frauen lernen, wie es ist, einen geregelten Tagesablauf zu haben und Verpflichtungen wahrzunehmen.» In der Tagesstätte haben die Frauen zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort zu sein, wo sie Aufgaben nach Anleitung durchführen müssen.

Pünktlichkeit, Selbstständigkeit und soziale Kontakte werden in einem geschützten Rahmen aktiv gefördert. Zudem können die Lilith-Frauen ihren Fähigkeiten entsprechenden Beschäftigungen nachgehen wie zum Beispiel häkeln, stricken, nähen oder zeichnen und malen. Das Atelier gehört folglich zum festen Behandlungsangebot des Zentrums.

«Unsere Frauen lieben das Atelier», erzählt Hartung. «Sie können sich selbst besser kennenlernen und ein Gefühl für ihren eigenen Körper und dafür, was sie damit schaffen können, entwickeln.» Die fertigen Produkte werden dann im Laden zum Verkauf angeboten.

Der Wegzug aus der Schälismühle sei schon länger gewünscht gewesen, obwohl nicht intensiv gesucht wurde. «Uns ging es rein um den finanziellen Aspekt», erklärt Hartung. «Schliesslich müssen wir mit den Geldern, die wir erhalten, verantwortungsvoll umgehen», fügt die Geschäftsleiterin lachend an.

Denn pro Tag kostet der Aufenthalt einer Frau etwa 360 Franken. Da sei das Atelier mit der Betreuung und allen Materialien miteinberechnet. Der Umzug ermögliche es der Lilith nun, einen grossen Batzen Geld einzusparen und diesen für andere Angebote zu nutzen.