Welschenrohr

Das Haus mit dem grossen Schweizer Kreuz sorgt für Aufsehen

Auf dem Dach eines Neubaus in Welschenrohr prangt die Nationalflagge. Bereits gibt es eine Einsprache dagegen. Der Besitzer will mit dem auffälligen Dach Wanderer, Gleitschirmflieger und Flugpassagiere zum Schmunzeln anregen.

Wer von der «Röti» ob dem Weissenstein ins Thal blickt, bleibt mit seinen Augen höchstwahrscheinlich an diesem Haus hängen. Es fällt schlicht auf, dieses riesige rot-weisse Schweizer Kreuz, das sich oben auf dem Dach eines Welschenrohrer Gebäudes befindet. Aufmalen lassen hat es ein Privatmann. Der Musikproduzent und Kunstmaler Stephan Sembinelli hat in der Thaler Gemeinde ein Wohnhaus mit Atelier und Musikstudio gebaut.

Dass die Flachdächer in der Regel grau in grau sind, störte ihn, der selbst Helikopter fliegt und die Schweiz aus der Vogelperspektive kennt. Und so kam er auf die Idee mit dem Schweizer Kreuz, das nun die 311 m2 Dachfläche des Neubaus ziert. Sembinelli verweist auf die Flagge, die am Born bei Kappel hängt. Man sieht sie – bei nur 64 m2 Fläche – schon von Weitem. «Ich habe dies immer toll gefunden.»

"Eine perfekte Orientierungshilfe für Piloten"

Flugzeugpassagiere, Gleitschirmflieger, Wanderer auf dem Berg: Sembinelli wollte ihnen eine Freude machen und sie zum Schmunzeln anregen. Als Hobbypilot weiss er auch: «Von oben sieht fast alles gleich aus. Das Kreuz ist eine perfekte Orientierungshilfe für Piloten, beispielsweise für Rettungseinsätze der Rega.»

Inzwischen aber hat er auch erfahren müssen, dass ein solches Kreuz polarisiert. Ein Nachbar nämlich hat Einsprache gemacht; die Beschwerde läuft derzeit. Sembinelli kann dies nicht verstehen. «Ich verstehe nicht, wie man als Schweizer ein Problem mit einem Schweizerkreuz haben kann. Ich selber habe ja nichts davon. Ich sehe es nicht einmal», so der Künstler, der mit seiner Idee nicht zuletzt Bezug nehmen wollte zu einem anderen bekannten Orientierungspunkt der Thaler Gemeinde – auch er ist gemalt: An der Glatten Fluh ob Welschenrohr prangt das Gemeindewappen.

Einsprache wird behandelt

Es waren die Stellbuben 1974, die einst ihren Jahrgang 55 an die Wand pinselten. Weil die eckig geschriebenen Buchstaben jedoch an das nationalsozialistische «SS»-Signet erinnerten, stiegen einige der Jahrgänger später nochmals in die Wand. Sie übermalten dort kurzerhand die umstrittene Zahl mit dem Wappen.

Rainer Germann, Baukommissionspräsident von Welschenrohr, bestätigt, dass es mindestens eine Einsprache gegeben hat. «Das Geschäft wird nun behandelt», sagt Germann, der auch Bauleiter beim Projekt war. Warum gibt es erst jetzt Widerstand? Offenbar war das Schweizer Kreuz beim ursprünglichen Baugesuch nicht direkt ersichtlich.

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