«Das ist nun das Höchste in Sachen Flugzeugen. Von jetzt an wird es nicht mehr schneller gehen beim Fliegen.» Das die Aussage eines alten Fliegers, der nach dem Zweiten Weltkrieg an einem Flugtag in Grenchen eine Demonstration des ersten Düsenflugzeugs der Schweizer Luftwaffe miterlebt hatte. Der DH-100 Vampire war damals der Inbegriff der Moderne und das bisher noch nie gehörte Geheul und Donnern seines Triebwerks nichts anderes als pure Zukunftsmusik.

Der heute betagte Grenchner Flieger weiss natürlich, dass seine Jugenderinnerung, sein damaliger erster Eindruck von einem Jetflugzeug, nicht stimmt. Die Entwicklung in der Luftfahrzeug-Technik ging weiter und macht auch heute noch jedes Jahr Fortschritte. Aber der Sprung von den kolbengetriebenen Flugzeugen zu den ersten Düsenaggregaten war doch ein gewaltiger, der unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg die Luftfahrt rasant und nachhaltig veränderte.

Bei Startunfall zerstört

Der DH-100 Vampire ist ein Produkt der traditionsreichen englischen Flugzeugbaufirma de Havilland, die später mit der Comet auch das erste Verkehrsflugzeug mit einem Jettriebwerk in die Luft brachte. Der junge Vampire fand im Kriegsjahr 1943 statt, am Steuerknüppel sass mit Geoffrey de Havilland der Sohn des Firmengründers. Im Frühling 1947 weilte eine Delegation von Schweizer Militärpiloten in England, um potenzielle Flugzeuge für die Schweizer Luftwaffe zu testen. Der Fokus fiel bald einmal auf den «Blutsauger» aus dem Hause de Havilland.

Die Stunde null für die Beschaffung von Düsenflugzeugen schlug in der Schweiz am 27. Juli 1946, als der De-Havilland-Chefpilot John Cunningham den ersten Vampire von England nach Dübendorf überführte. Doch bereits am 2. August 1946 wurde dieses Flugzeug, als es von Luftwaffen-Piloten ausprobiert wurde, bei einem Startunfall zerstört.

Nachdem aber die Erfahrungen mit den ersten drei Maschinen positiv verliefen und auch die Tauglichkeit für Milizpiloten gegeben war, wurden ab Mai 1949 75 Maschinen beschafft. Mit einer zweiten Serie kamen ab 1951 nochmals 100 Flugzeuge dazu. Der Vampire blieb lange im Dienst und wurde nach der Zeit als Kampfflugzeug noch im Zielfliegerkorps und in den Pilotenschulen verwendet. Ende 1990 kam die Stilllegung aller Vampire, die sich noch im Flugdienst befanden.

Der Vampire und das Nachfolgeflugzeug DH-112 Venom, das ab 1955 beschafft wurde, bildeten flottenmässig lange das Schwergewicht und sorgten zusammen mit Hunter und Mirage für eine gut gerüstete Schweizer Luftwaffe während des Kalten Krieges in den 1960er-Jahren, zumindest was die Zahl der Flugzeuge betrifft. Vampire und Venom waren mit ihrem Doppelleitwerk vom Boden aus auch für Laien gut erkennbar, zumal im Erdkampf oft tief über das Gelände geflogen wurde. Das Geheul ihrer Jettriebwerke gehörte während Jahrzehnten zum schweizerischen Alltag und sorgten allein durch die grosse Stückzahl für Fluglärm-Emissionen, die man sich heute kaum mehr vorstellen kann. 25 Vampire gingen durch Unfälle verloren, 16 Piloten starben dabei.

 In Laupersdorf ausgestellt

Der in Laupersdorf ausgestellte Vampire mit der Registrierung J-1195 kam als sechstletztes Flugzeug seiner Art (die Nummern liefen bis J-1200) am 14. November 1952 in Dienst und flog fast 40 Jahre, war aber nur 1146 Stunden in der Luft. Den letzten Flug machte der militärische Werkpilot Frédéric Frutschi von Sion nach Bern-Belp am 5. April 1991. Robert Seckler erwarb dieses Flugzeug ab Versteigerung im gleichen Jahr und stellte ihn in Pieterlen bei seiner Firma aus, bis er per Helikopter nach Laupersdorf transportiert wurde.