Neuendorf

Das Gäuer Trinkwasser und die Ungewissheit rund um Chlorothalonil – Grenzwert um 10-faches überschritten

Das Grundwasserpumpwerk Neufeld in Neuendorf

Seit vergangenem Jahr gelten die Abbauprodukte von Chlorothalonil als möglicherweise krebserregend.

Das Grundwasserpumpwerk Neufeld in Neuendorf

Ein «Rundschau»-Beitrag wirft die Trinkwasser-Problematik mit Pestizidrückständen neu auf, kann die Widersprüche aber nicht auflösen.

Bis zu elf Mal zu hoch ist der Wert eines Abbauprodukts des Pestizids Chlorothalonil im Neuendörfer Trinkwasser. Zu diesem Ergebnis kam die «Rundschau» bei der Recherche für einen Beitrag, den das Schweizer Fernsehen am Mittwochabend ausstrahlte.

Seit vergangenem Jahr gelten die Abbauprodukte von Chlorothalonil als möglicherweise krebserregend. Bereits eine Woche vor dem Rundschau-Beitrag publizierte die regionale Wasserversorgung Gäu die Zahlen des jährlichen Trinkwasser-Qualitätstests und sie kam dabei auf dieselben Belastungswerte. «Wir wissen dies seit Juni letzten Jahres – und seither schlafen wir nicht mehr gut», sagte Robert Gurtner, Präsident der regionalen Wasserversorgung Gäu gegenüber dem Schweizer Fernsehen. Kurz- oder mittelfristig gebe es keine Möglichkeit in der Region unbelastetes Wasser zu finden.

Wasser aus dem Thal für das Gäu?

Auf Anfrage sagt Robert Gurtner Ende Mai nun: «Die Beurteilung der Gefährlichkeit ist ziemlich stark zu relativieren.» Nach dem Interviewtermin mit dem Schweizer Fernsehen, der bereits im Februar war, erschien nämlich eine Analyse des Bundesamtes für Landwirtschaft. In dieser werden die Abbauprodukte als nicht relevant eingestuft. Die Wasserversorgung Gäu kommt daher in ihrem Bericht von Ende Mai zum Schluss: «Das Trinkwasser ist trotzdem bedenkenlos zu konsumieren.» Dieser deckt sich mit den Aussagen des Schaffhauser Kantonsphysikers und Experten Kurt Seiler im Schweizer Fernsehen. Robert Gurtner vergleicht den Umgang mit dem Chlorothalonil zu jenem mit dem Coronavirus: «Wenn man über etwas nichts weiss, ist es immer gerechtfertigt zu reagieren. Sobald das Wissen vorhanden ist, muss der gesunde Menschenverstand einkehren.» Und so zieht der Bericht der regionalen Wasserversorgung Gäu folgendes Fazit: «Bei der Erforschung und Bewertung, ob und wie gefährlich diese Stoffe sind, stehen wir erst am Anfang. Da ist es gut, vorsichtig zu sein.»

Vorsicht will die Wasserversorgung Gäu in Zukunft trotz den teilweise widersprüchlichen und gleichzeitig entwarnenden Erkenntnissen weiterhin walten lassen. Klar ist: Zurzeit besteht im Gäu keine systematische Möglichkeit, das Grundwasser aus dem Neufeld zu verdünnen. Das regionenübergreifende Problem gelte es auch als solches zu lösen, sagt Gurtner. Mit der Wasserkommission Thal-Gäu würden derweil mögliche Lösungen diskutiert und errechnet. «Das Wasser aus dem Thal zu exportieren wäre beispielsweise eine Möglichkeit, aber dabei gäbe es das Problem der Nachhaltigkeit zu lösen.»

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