Thal-Gäu

Damit Geschäfte überleben: Crowdfunding als Brücke in der Coronazeit

Der Gutscheinverkauf half Benedikt Ritler, über die Runden zu kommen.

Der Gutscheinverkauf half Benedikt Ritler, über die Runden zu kommen.

Über die vor vier Jahren geschaffene Plattform Lokalhelden.ch erhielten Gewerbebetriebe in der Coronakrise Unterstützung. In der Amtei Thal-Gäu waren es zwei Betriebe, die eine Crowdfunding-Aktion lancierten.

Das Coronavirus hat bereits unzähligen Unternehmen und Betrieben das Leben schwer gemacht. Mit der Lockerung ist nun zwar Besserung in Sicht. Eine Hilfe war für das gebeutelte Gewerbe in der Krise die Crowdfunding-Plattform Lokalhelden.ch. Vor gut vier Jahren startete die Raiffeisenbank die schweizweite Kampagne. Geldgeber können über die Plattform Spenden an Unternehmen leisten, um damit deren Projekte zu unterstützen. In der Coronakrise erhielt das Crowdfunding eine neue Bedeutung: Für Gewerbebetriebe ging es ums Überleben.

In der Amtei Thal-Gäu haben während des Lockdowns zwei Betriebe ein Projekt auf Lokalhelden lanciert. Zum einen das Modegeschäft «Molto Bene!» in Balsthal und zum anderen der Gasthof Kreuz in Egerkingen. Sie sind aber die einzigen in der Region, die über diese Plattform eine Crowdfunding-Aktion lancierten.

Die Erwartungen bei weitem übertroffen

Seit Anfang April wirbt der Kleiderladen Molto Bene! an der Herrengasse 17 mit seinem Projekt auf Lokalhelden. Bisher konnte der Laden unter Geschäftsführer Benedikt Ritler über 10'000 Franken einheimsen. Die Aktion läuft bis Ende Monat und hat bereits jetzt das Finanzierungsziel um das Doppelte übertroffen. Den Tipp, ein Projekt zu verfolgen, erhielt er aus seinem Umfeld. «Meine Kollegin arbeitet in der Raiffeisenbank in Mümliswil und sie hat mir einen Link geschickt», sagt Benedikt Ritler auf Anfrage. Der Detailhändler studierte das Projekt und begann damit, das Crowdfunding in die Wege zu leiten.

«Statt einfach nur die hohle Hand zu zeigen, wollte ich den Leuten eine Gegenleistung mit Gutscheinen anbieten. Wenn es nur um Spenden gegangen wäre, hätte ich es nicht gemacht», meint der Ladenbesitzer. Für ihn selber sei es eine Win-win-Situation, damit auch in diesen schwierigen Zeiten Waren über die Theke gehen. Mit dem Projekt erhofft sich der Balsthaler, das Überleben seines Geschäfts zu sichern und den Liquiditätsengpass zu überbrücken. «Die Dienstleistung hat mir sehr zugesagt», sagt Ritler. Der Grund für die Crowdfunding-Aktion des Modegeschäfts war die allgemeine Situation rund um das Coronavirus. Für den Ladenbesitzer kam der Lockdown in einem äusserst ungünstigen Moment. «Wir hatten Mitte März die neue Kollektion erhalten, was viele Rechnungen bedeutet. Das Projekt von Lokalhelden war für uns deshalb ein Wink», erinnert sich Ritler.

Damit sollen teilweise angefallene Rechnungen und Fixkosten beglichen werden. Das Projekt ist bisher für den Thaler ein grosser Erfolg, wie ein Dankschreiben auf der Website seines Ladens bezeugt. Der Balsthaler zeigt sich nach wie vor sehr überrascht von den Spendengeldern, welche bereits eingegangen sind. «Es ist sehr schnell gegangen, und wir haben bloss über Whatsapp und Facebook geworben», so der Inhaber. Das Crowdfunding-Projekt konnte bisher 73 Unterstützer anwerben und läuft noch bis Ende Mai. Letzte Woche konnte der Laden an der Herrengasse wieder öffnen und der Verkauf scheint gemäss Ritler nicht allzu schlecht angelaufen zu sein.

«Wir müssen im Gespräch bleiben»

Auch im Bezirk Gäu läuft eine ähnliche Aktion, wie auf der Lokalhelden-Website zu sehen ist. Die Rede ist vom Gasthof Kreuz in Egerkingen. Seit Mitte de letzten Monats verfolgt er ebenfalls ein Crowdfunding-Projekt. Bisher konnte der Gasthof über 7000 Franken verzeichnen und die Aktion läuft bis Ende des nächsten Monats. «Wir sind durch Zufall auf diese Seite aufmerksam geworden. Mit dem Lockdown hat eine schwere Zeit für uns begonnen, die immer noch anhält und uns noch länger beschäftigen wird», schreibt Christian Wyler, Geschäftsführer, auf Anfrage.

Besonders die finanzielle Lage war ein Grund, ein solches Projekt zu machen. Nachdem der Geschäftsführer auf die Plattform aufmerksam geworden war, entschied er sich noch am gleichen Tag mitzumachen. Mit dem Projekt erhofft sich Wyler vor allem eines: Unterstützung aus der Region. Diese erhielt der Gasthof von Familie, Freunden, Nachbarn sowie Unbekannten. «Wir brauchen die Unterstützung, und vor allem müssen wir im Gespräch bleiben, also versuchen wir über diverse Kanäle, dies umzusetzen», so Wyler.

Neben der Unterstützung erhofft sich der Wirt demnächst die Gäste im Winter im «Chrüz Chäller» und im Sommer im «Chrüz Gärtli» in Empfang nehmen zu können. Dabei wurde schon mit kleineren Umbauarbeiten begonnen, wobei es noch viel Potenzial auszuschöpfen gilt, so der Restaurantbesitzer. «Mit dem Covid mussten wir nach der Eröffnung unsere Sitzplätze radikal minimieren, und haben hier einen Weg gefunden, dass sich die Gäste sich trotz Abständen und Desinfektionsmittel wohlfühlen können», erzählt Wyler. Bisher konnte das Projekt des Gasthofes 28 Unterstützer anlocken, wie auf der Projektseite von Lokalhelden herauszulesen ist.

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