Personal- und Finanzgebaren

Bei der Sozialregion Untergäu geht es drunter und drüber — Schaden von 220'000 Franken ist entstanden

Die propere Fassade der Sozialregion Untergäu täuscht – hinter den Kulissen ist einiges aus dem Lot geraten.

Die propere Fassade der Sozialregion Untergäu täuscht – hinter den Kulissen ist einiges aus dem Lot geraten.

Bei der Sozialregion Untergäu liegt mehr im Argen als vermutet – Präsident und Interimsgeschäftsleiter Andreas Heller widerspricht.

Noch am 13. März dieses Jahres sagte der Präsident der Sozialbehörde Untergäu, der Hägendörfer Gemeindepräsident Andreas Heller, angesprochen auf die Personalmutationen in der von sieben Gemeinden getragenen Organisation: «Keine derselben davon deutet darauf hin, dass die Sozialregion Untergäu nicht gut aufgestellt wäre. Das hat sich gerade darin gezeigt, dass die Sozialregion auch bei Personalwechseln sehr gut funktioniert hat.»

Das mag in Bezug auf die Aufgabenerfüllung zutreffen – darüber hinaus aber kaum: In der Jahresrechnung 2019 beziehungsweise im Behörden-Expertenbericht, welcher der Sozialbehörde am 1. April vorgestellt wurde, ist nachzulesen, dass der SRU (und damit den Gemeinden) ein Schaden von rund 220'000 Franken entstanden ist, der durch Freistellungen, Entlassungen, Mobbinguntersuchungen etc. verursacht wurde.

Probleme mit dem Personal und den Finanzen

Zudem ist von «nicht nachvollziehbaren» Budgetüberschreitungen, mangelhafter Kostenkontrolle, unsachgemässem Cash-Management und fehlenden Kompetenzregelungen die Rede. Gleichwohl konnte das 21-Millionen-Franken-Budget eingehalten werden. Was ein Grund dafür sein mag, dass die Jahresrechnung keine hohen Wellen warf. Und bisher von allen Gemeindeversammlung abgesegnet wurde.

Von sich aus öffentlich gemacht hat die SRU den von den Gemeindepräsidenten Thomas Blum (Fulenbach) und Rainer Schmidlin (Kappel) verfassten Bericht nicht. Vielmehr ist es der Gemeinde Boningen zu verdanken, dass die unter dem Deckel gehaltenen Missstände in der SRU öffentlich wurden. Dies, indem die Gemeinde die Jahresrechnung 2019 aus Transparenzgründen ins Internet gestellt hat.

Der Befund der eigenen Experten wirft kein besonders gutes Licht auf die interne Führung der SRU. Auffällig dabei: Auch der frühere Geschäftsleiter, der seinen Posten wie seine Stellvertreterin in der Zwischenzeit verlassen hat, stellte im Frühling Probleme in der SRU dieser Zeitung gegenüber rundweg in Abrede – die Organisation sei in den vergangenen Jahren professionalisiert worden.

Das war auch dringend nötig, nachdem die SRU 2016 schweizweit Schlagzeilen gemacht hatte, weil die Frage im Raum stand, ob ein Mitarbeiter seine Funktion gegenüber einer Sozialhilfeempfängerin ausgenutzt hatte. Drei Jahre später blieb von Vorwürfen zwar nichts übrig. Aber es war eine Personalie, die letztlich im Streit und vor Gericht endete. Und nur eine von vielen, wie sich in der Folge zeigte, die nicht in Minne gelöst werden konnte. Trotzdem sagte Heller vor einem guten halben Jahr in diesem Kontext: «Die Kolleginnen und Kollegen der SRU haben einiges auf sich genommen und einen tollen Job gemacht.»

So oder anders: Das Personalkarussell dreht sich weiter. Nach den Abgängen der früheren Führungscrew werden die Leitungsfunktionen in den nächsten Tagen und Wochen neu besetzt. Damit wird auch das Interregnum von Heller beendet, der seit vergangenem November nicht nur das Präsidium des mit fünf Gemeindepräsidenten aufgerüsteten Aufsichtsgremiums versieht, sondern bis Ende Monat in Personalunion auch Geschäftsleiter der Sozialregion Untergäu ist. So steht es im Organigramm der SRU.

Wobei sich Heller «bestenfalls partiell» als deren operativer Leiter sieht, wie er auf Anfrage sagt. Auf der Website des Kantons wird denn auch Melanie Siegenthaler bis Ende Oktober als interimistische Leiterin geführt. Anfang November wird die neue Leiterin ihren Job antreten.

Für den Präsidenten Kosten im normalen Rahmen

Angesprochen auf die im Expertenbericht geäusserte Kritik, sagt Präsident Heller: «Die Sozialregion Untergäu hatte einige Personalwechsel zu verdauen. Gerade die letzten Monate durfte ich sehr intensiv verfolgen.» Das Personal vor Ort habe in seinen Augen «qualitativ und quantitativ sehr gute Arbeit geleistet». Um anzufügen: «Die fachlichen und sozialen Anforderungen an das Personal eines Sozialdienstes sind enorm. Die Arbeit, die geleistet wird, ist beeindruckend.»

Und was ist mit den personellen Verwerfungen? «Personalwechsel bringen Kosten mit sich, die man ohne solche nicht hätte», sagt Heller, «ich gehe davon aus, dass sich diese Kosten im normalen Rahmen bewegen.» Und: «Nicht nur der Kosten wegen sähe ich es sehr gerne, wenn dieses tolle operative Team längerfristig zusammenbleiben würde.»

Im Übrigen, so Heller, stehe er ebenso wie die SRU für Transparenz. Die Behördenmitglieder seien über den Geschäftsverlauf denn auch stets im Bild gewesen. Dies vor dem Hintergrund, dass die Sozialregion mit Steuergeldern arbeite. Entsprechend sorgfältig sei damit umzugehen. Dass dies im vorliegenden Fall, wie der Expertenbericht vermuten lässt, nicht in allen Teilen geschehen ist, stellt Heller in Abrede: «Dass zuweilen Mittel, die nicht budgetiert sind, benötigt werden, ist nicht aussergewöhnlich. Wir sprechen dann von Nachtragskrediten – das ist ein normaler Prozess.»

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Balz Bruder

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