Oberbuchsiten/Niederbuchsiten

Bankleiter zur Schliessung: «80 Prozent benötigen den Schalter selten oder gar nicht mehr»

Nur noch der Bancomat bleibt in Niederbuchsiten und in Oberbuchsiten übrig.

Nur noch der Bancomat bleibt in Niederbuchsiten und in Oberbuchsiten übrig.

Die Raiffeisenbank Gäu-Bipperamt schliesst auf Ende Jahr ihre beiden Geschäftsstellen in Oberbuchsiten und Niederbuchsiten. Bankleiter Andreas Furrer spricht über die Entwicklungen der Branche.

Am Wochenende informierte die Raiffeisenbank Gäu-Bipperamt per Briefpost ihre Kunden: Auf Ende Jahr schliessen die Schalter in Oberbuchsiten und Niederbuchsiten. Nachdem per Ende 2015 bereits die Banken in Härkingen und Neuendorf schlossen, bleiben die Geschäftsstellen in Egerkingen, Oensingen und Wiedlisbach übrig. Auf diese will sich die Bank künftig konzentrieren, wie Bankleiter Andreas Furrer im Gespräch sagt. Somit könne sich die Bank den Entwicklungen stellen, die in den letzten Jahren die Finanzwelt prägten.

Was hat den Verwaltungsrat zum Entscheid bewogen, in Oberbuchsiten und Niederbuchsiten die Geschäftsstellen zu schliessen?

Andreas Furrer: Wir haben die Entwicklungen der Geschäftsstellen in den letzten Jahren laufend betrachtet und den Entscheid nun dieses Jahr gefällt. Die Bedeutung des klassischen Schaltergeschäfts, das an beiden betroffenen Standorten das Hauptgeschäft war, nimmt massiv ab. 80 Prozent unserer Kunden benötigen den Schalter selten oder gar nicht mehr – Tendenz steigend. Nur noch 20 Prozent nutzen die Dienste vor Ort regelmässig - Tendenz sinkend. Über die Bankomaten und das E-Banking lassen sich mittlerweile fast alle Dienste abwickeln. Zudem spüren auch wir die Zunahme der bargeldlosen Bezahlsysteme – gerade auch durch das Coronavirus. Die Pandemie hatte keinen direkten Einfluss auf den Entscheid, hat diesen aber bestätigt.

Welche Reaktionen löste die Schliessung auf politischer Ebene aus?

Wir haben die Behörden über unsere Beweggründe informiert, wobei dies ein betriebswirtschaftlicher Entscheid ist. Sie haben nicht Beifall geklatscht, aber der Schritt kam nicht völlig überraschend. Beiden Gemeinden war sehr wichtig, dass wir die Bargeldversorgung sicherstellen. Die Bankomaten standen aber nie zur Diskussion. Da auch ältere Generationen diese vermehrt nutzen. Wir bieten ausserdem viele Dienstleistungen für ältere, nicht mobile Kunden.

Wie Sie in Ihrer Mitteilung schreiben, sind massgeschneiderte Lösungen in Finanzfragen immer mehr gefragt. Was ist darunter zu verstehen?

Heute stellen sich komplexere Fragestellungen, weil die Finanzdienstleistungen sehr komplex und es nicht mehr einfach das Sparheft und die Hypotheken gibt. Seit Jahren befinden wir uns in einer Phase, in der wir tiefe Zinsen haben. Etwa auf die Frage, was man mit dem Vermögen machen kann gibt es keine simple Lösung. Unsere Kunden haben höhere Erwartungen an unsere Beratungen, weshalb wir viele Spezialisten benötigen.

Gewinnen also die weiter bestehenden Geschäftsstellen an Bedeutung?

Ja, dies ist eine Entwicklung im Zeichen der Zeit, an die wir uns anpassen müssen. Unsere Kunden sind mobil geworden und kommen vermehrt nach Egerkingen oder Oensingen. An diesen Standorten haben wir in den letzten Jahren ausgebaut, da wir zu wenig Räumlichkeiten für die Besprechungen hatten.

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