Balsthal
«Unsere Bewohnenden sind betagt, nicht bekloppt»: Die GAG lud zum Infoabend über das neue Demenzzentrum

Seit anderthalb Jahren entsteht mitten in Balsthal das neue Demenzzentrum Lindenpark der Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu. Am Donnerstagabend informierte Gina Kunst, Vorsitzende der GAG-Geschäftsleitung, in der Haulismatthalle über Projekt und Baufortschritt und erzählte die eine oder andere Anekdote aus der Praxis.

Rahel Bühler
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Der «Lindenpark», der derzeit auf der ehemaligen Hunzikerwiese in Balsthal gebaut wird, nimmt langsam Form an.

Der «Lindenpark», der derzeit auf der ehemaligen Hunzikerwiese in Balsthal gebaut wird, nimmt langsam Form an.

Bruno Kissling

Donnerstagabend, 19 Uhr: Praktisch jeder Stuhl in der Haulismatthalle in Balsthal ist besetzt. Etwa 90 Personen sind anwesend. Das zeigt: Das neuste Projekt der Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu, kurz GAG, das Demenzzentrum Lindenpark, interessiert. Es entsteht derzeit auf der ehemaligen Hunzikerwiese mitten in Balsthals Ortskern.

Die GAG lud zur Informationsveranstaltung nach Balsthal ein. Ziel des Abends war es, über den Baustand und das Projekt im Allgemeinen zu informieren.

Vorsitzende der Geschäftsleitung, Gina Kunst.

Vorsitzende der Geschäftsleitung, Gina Kunst.

OLT

Diese Aufgabe übernahm Gina Kunst, Vorsitzende der Geschäftsleitung der GAG. «Der Mensch soll im Mittelpunkt stehen, nicht seine Krankheit», betonte sie immer wieder. Getreu diesem Grundsatz habe man vor mehreren Jahren gemerkt: Die Betreuung der Demenzpatienten, die bis anhin in der Stapfematt in Niederbuchsiten stattfand, war nicht mehr zeitgemäss.

«Es ist zwar ein heimeliges Haus. Aber wir haben dort zu wenig Platz.»

Festgestellt habe man das auch am Verhalten der Bewohnerinnen und Bewohner. Manche hätten um sich geschlagen, andere weggescheucht. Mit dem teilweisen Umzug 2014 in eine Aussenwohnung des neuen Roggenparks in Oensingen kam mehr Platz dazu. Einen «Wäutsuntersched» nannte Kunst das Verhalten der Bewohnenden. «Sie schliefen besser, assen besser, brauchten weniger Medikamente.» Das erhärtete die Vermutung bezüglich Platzbedarf.

Anekdoten aus der Praxis prägten den Vortrag

Während des etwas mehr als einstündigen Vortrags erzählte Kunst immer wieder Anekdoten aus dem Alltag mit Menschen mit Demenz. «In der Stapfematt haben wir Zweierzimmer. Wenn die eine Bewohnerin aufs WC geht, geht die andere auch.» Oder:

«Einmal erhielt ein Bewohner den Auftrag, seine Schuhe zu versorgen. Das tat er auch. Er deponierte sie im Kühlschrank.»
In den beiden Wohnhäusern entstehen je sechs Wohnungen.

In den beiden Wohnhäusern entstehen je sechs Wohnungen.

Bruno Kissling

Im «Lindenpark» entstehen seit Frühling 2020 ein Mehrzweckgebäude und zwei Wohnhäuser. Im Mehrzweckgebäude gibt es ein öffentliches Bistro, einen Aufenthaltsraum, einen Tagungsraum. In den beiden Wohnhäusern entstehen zwölf Wohnungen mit ebenso vielen Wohngruppen. Acht sind für Menschen mit Demenz vorgesehen, drei für Menschen mit einer kognitiven Behinderung. Dazu wird es integrierte Tagesplätze geben. So können Menschen mit Demenz tageweise im «Lindenpark» sein und die Angehörigen entlasten. Kunst:

«Die Häuser sind wie gewöhnliche Mehrfamilienhäuser mit je sechs Parteien drin. Nur etwas spezieller.»

Viel Holz und Sichtbeton würden die drei Häuser prägen. Man setze auch sonst auf Nachhaltigkeit: Rundherum sollen ein Insektenhotel und ein Garten mit einheimischen Pflanzen entstehen. Einen Zaun rund um das Areal wird es keinen geben. Dafür geführte, geschwungene Wege, auf denen die Bewohnenden spazieren gehen können. Seit dem Einzug in der «Stampfematt» 2014 sei nur einmal jemand ausgebüxt, berichtet Kunst. «Unsere Bewohnenden sind betagt, nicht bekloppt.» Und zudem sei der Altersdurchschnitt 84 plus. Den meisten reiche es völlig, sich im Garten zu bewegen.

Im Mai war Halbzeit. Die Bauarbeiten seien nach wie vor auf Kurs, berichtete Kunst am Donnerstag. Derzeit sei man dabei, Fenster, Lifte, Heizungen und Lüftungen einzubauen. Sie zeigt auch mehrere Visualisierungen, wie die einzelnen Räume künftig aussehen sollen und baut immer wieder den einen oder anderen Witz in ihre Präsentation. Und sorgt damit für einige spontane Lacher unter den Zuhörerinnen und Zuhörern.

Präsident von Alzheimer Schweiz bestätigt Nachfrage

Sie freue sich riesig auf den Einzug, der für Sommer 2022 geplant ist, führte die Vorsitzende der Geschäftsleitung weiter aus. Derzeit sei man auf der Suche nach Mitarbeitenden, Lernenden und freiwilligen Helfern. Man habe auch schon erste Bewerbungen für den Einzug erhalten. Eine Warteliste gibt es derzeit noch nicht, da man ja ausbaue. Total wird es im «Lindenpark» 38 zusätzliche Plätze geben. Sie sollen nach und nach gefüllt werden. Denn: «Man kommt erst zu uns, wenn man Demenz hat.» Total wird der «Lindenpark» 84 Bewohnende aufnehmen können, inklusive Tages- und Nachtgäste.

In der anschliessenden Fragerunde bestätigte auch Ernst Zingg, Präsident von Alzheimer Schweiz, dass das Interesse am «Lindenpark» gross sei: «Unsere Geschäftsführerin erhält immer wieder Anfragen von Angehörigen, die sich erkundigen, wie man in das Demenzzentrum einziehen kann.»

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