Balsthal
Gezeichnete Geschichten und architektonische Skulpturen in der Galerie Rössli

Die Galerie Rössli Balsthal gibt Einblick in das Schaffen von Franz Anatol Wyss und Roman Lüscher.

Eva Buhrfeind
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Franz Anatol Wyss und Roman Lüscher in der Galerie Rössli Balsthal

Franz Anatol Wyss und Roman Lüscher in der Galerie Rössli Balsthal

Eva Buhrfeind / Solothurner Zeitung

Franz Anatol Wyss’ Strich, die Linienführung sind unverkennbar. Ob in der abermals malerisch wirkenden Bildgestaltung in Farbe, oder auch in den an seine früheren Radierungen und Aquatinta-Arbeiten erinnernden Bleistiftzeichnungen. Es ist immer wieder eindrücklich, wie der Künstler aus Fulenbach mit den Blei- oder Farbstiften neue Geschichten, Geschehen und Betrachtungen in Szene setzt.

Auch mit Jahrgang 1940 ist und bleibt er mit seinen Bild­inszenierungen ein Erzähler, selbst wenn er mit den Farbstiften seine charakteristische Bildsprache bis ins Abstrahierte ausreizt. Bildsprache kann man bei Franz Anatol Wyss wörtlich verstehen. Bleiben doch seine Inhalte immer lesbar. Auch dann, wenn er die Geschehen entgegenständlicht, denn seine wohlvertrauten Zeichen und allgegenwärtigen Zitaten kristallisieren sich nach und nach heraus, verwandeln sich unerschöpflich in der freien Interpretation.

So spielen auch «Die anderen Landschaften» mit einer illustrativen, beinahe malerischen Prägnanz. Nur dass jetzt eben das Reale, das Fiktive und das Metaphorische seiner Bild-in-Bildgeschichten sich aufzulösen scheinen.

Die Schatten, Schattenrisse, die vernetzten Blutbahnen, die symbolischen Fragmente und das szenisch Verschachtelte früherer Inhalte sind nun freier zu lesen und zu deuten. Das Geschichtenerzählen ist in den Hintergrund getreten, bleibt dennoch narrativer Antrieb seiner künstlerischen Neugier. In den in schwarzgrauen Nuancen gehaltenen Bleistiftzeichnungen hingegen bleibt Franz Anatol Wyss nahe am nachvollziehbar Lesbaren. Bietet doch das Leben dem Künstler stets unendlichen Stoff, das Alltägliche und das Metaphorische in ge-genseitiger Bewegung zu halten.

Menschen und Fabelwesen in der Coronazeit

Entstanden in Zeiten von Corona haben sich diese Bilder-folgen zu imaginären, ja manchmal filmisch anmutenden Szenarien über das Thema Pandemie zum konfliktreichen Mit- und Gegeneinander von Natur und Mensch zu rätsel-haften Bilderfolgen vernetzt. Mit dem fein wie dicht, äusserst routiniert gesetzten Bleistift wirken diese Bildinhalte grafisch altmeisterlich.

Eva Buhrfeind

Stets vertraut er dabei auf sein Symbolikrepertoire und die allgegenwärtigen Archetypen: Fabelwesen, vertraute übermächtige Tierwelten, Menschen oft klein im Kampf. Friedliches und At- tackierendes begegnen uns hier als jene Fabeln, welche die Komplexität des Seins, die Vergänglichkeit des Menschen und das Unberechenbare der Natur versinnbildliche.

Für diese Ausstellung konnte Franz Anatol Wyss einen Künstler einladen. Mit Roman Lüscher, 1941 in Olten geboren, wohnhaft in Luzern mit Atelier in Hergiswil, verbindet Wyss eine jahrzehntelange Bekanntschaft.

Fiktive architektonische Projekte

Der ehemalige Architekt Lüscher setzt sich – aus einer intensiv durchdachten, fantasievollen Idee und langjähriger Auseinandersetzung für ein fiktives architektonisches Projekt – mit ­seinen aus Fliessbeton geschaffenen, architektonischen ­Prinzipien ohne funktionale Bedeutung auseinander. Seine streng symmetrisch konzipierten ­Gebäudekonstruktionen folgen stets einer einheitlichen Logik und bieten auf den ersten Blick die Vorstellung eines Gebäu­dekubus mit tragenden Wänden und deckenden Elementen, Gängen und Verbindungen.

Eva Buhrfeind

Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich, das Offene und das Geschlossene ergänzen und bedingen sich, sind auseinander geschaffen, aber eben ohne einheitliche Funktion. Raum und Tiefe, Innenräume und Aussenwände folgen vor allem einem dualen konstruktivistischen Prinzip, das Roman Lüscher mit kleinen, auf die Schnelle nicht wahrnehmbaren Irritationen durchbricht.

Ein scheinbar bewohnbarer, ausproportionierter architek­tonischer Grundgedanke wird – gezielt ohne Funktion und ­Nutzen austariert – zu einer künstlerisch durchdachten, architektonisch-skulpturalen Symbolik gesteigert. Und so, wie der Fliessbeton eine gewisse ästhetische Leichtigkeit entwickelt, so entwickeln sich aus den geometrisch geschlossenen Formen mannigfaltig freie Variationen. Konkrete Architektur findet sich in der freien räumlichen Gestaltung wieder.

Bis 23. Mai. Geöffnet jeweils Fr 18–21 Uhr, Sa 15–18 Uhr, So 11–14 Uhr. Die Künstler sind am 8., 15. und 23. Mai anwesend. Es gelten die aktuellen Coronaregeln. Weiterer Informationen sind auf www.galerie-roessli.ch abrufbar.

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