Aus Thaler Sicht
Innovative Ideen für das Thal

Markus Schindelholz, Balsthal
Markus Schindelholz, Balsthal
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Verkehrsanbindung Thal Verkehrsentlastung Klus Klus-Balsthal - mit Alt-Falkenstein Thalkreisel Thalbrücke Verkehr Strassenverkehr Stau Autos

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Bruno Kissling

«Stillstand ist Rückschritt», dies ist ein vielbenutztes Zitat des Deutschen Rudolf von Bennigsen-Foerder. Auch Erich Kästner hat es ähnlich verwendet. Damit man vorwärts kommt, muss man dranbleiben, Neues ausprobieren und ständig auf der Suche nach neuen Ideen sein. Wenn ich unser schönes Thal anschaue, stelle ich fest, dass wir leider nicht in allen Bereichen genügend Ideen und Innovation haben: Das Thal stagniert in seiner Wirtschaftlichkeit und das schlägt sich auch in den Einwohnerzahlen nieder. Die Entwicklung ist markant: 1965 hatte das Thal mehr Einwohner als Ende 2020. Nach 1965 ging die Zahl der Einwohner um 12 Prozent zurück und erreichte 1979 den Tiefststand. Danach ging es langsam wieder aufwärts, bis wir heute wieder dort sind, wie vor 55 Jahren. Im Vergleich dazu hat die Bevölkerung des ganzen Kantons Solothurn in der gleichen Zeit um 21 Prozent zugenommen. Hätte sich das Thal gleich entwickelt, wie der Kanton, hätten wir heute 18000 statt 14800 Einwohner. Als mir das bewusst wurde, habe ich mir überlegt, was wohl im Bereich Mobilität und Verkehr in den vergangenen 50 Jahren anders verlaufen wäre. Es wurde mir auch klar, warum man schon seit 50 Jahren von einer Umfahrung Klus, respektive Verkehrsanbindung Thal spricht. Eine besondere Belastung war 1965 sicher noch der Durchgangsverkehr. Dank dem 1970 eröffneten Belchentunnel konnte die Klus merklich davon entlastet werden.

In den vergangenen 55 Jahren hat - im Vergleich zur Bevölkerung - die Mobilität derselben überproportional zugenommen. Heute wird der Verkehr im Thal und in der Klus zu über 85 Prozent von den Einwohnern selber generiert. Auf der Schiene zwischen Oensingen und Balsthal konnte das höhere Verkehrsaufkommen relativ einfach aufgefangen werden. Heute verkehren doppelt so viele Personenzüge wie 1965 und die Grundkomposition hat doppelt so viel Kapazität.

Bei den Busanbindungen sieht dies anders aus. Zu den Hauptverkehrszeiten sind wir heute am Anschlag. Die Busse der Postautos, welche die Reisenden von den Regionalzügen in Oensingen abnehmen, verlieren am Abend regelmässig bis zu zehn Minuten. Auch am Morgen gibt es Probleme von Laupersdorf her, da sich immer wieder Kolonen bis zur Gehrig Metzgerei zurückbilden. Da verliert man jede morgendliche Motivation, wenn man nicht sicher ist, ob man den Anschluss in der Thalbrücke oder Oensingen noch erwischt.

Im Ausschuss Mobilität des Naturparks Thal arbeiten wir an innovativen Ideen. Einige haben wir schon umgesetzt oder stehen kurz vor der Einführung, um die Situation zu verbessern. Die Plattform Hitchhike motiviert zum gemeinsamen Fahren, statt alleine im Auto zu sitzen. Aktuell werden Veloabstellanlagen an den Bushaltestellen in der ganzen Region gefördert. Die Kosten werden zu 50 Prozent vom Kanton getragen, zu 40 Prozent vom Naturpark Thal, die Standortgemeinde bezahlt nur noch 10 Prozent. Dies mit dem Ziel, die Leute auf den ÖV zu bringen. Weitere Ideen sind in Vorbereitung. Als OeBB sind wir an den Regierungsrat gelangt und haben eine Neuauflage der Studie für die Mobilität des Thals verlangt. Der Lead soll dabei bei den Thalern selber sein. Der Ausschuss Mobilität ist geradezu prädestiniert, die Bedürfnisse des Thals an vorderster Front einzubringen. Wir hoffen, bald damit starten zu können.

Entscheidend dabei wird sein, ob die Verkehrsanbindung Thal realisiert wird oder nicht. Denn eines ist klar: Wenn diese nicht realisiert wird, braucht es trotzdem klare Massnahmen strassenseitig, damit die Situation verbessert werden kann. Jede dieser Massnahmen wird viel Geld kosten – und ist letztlich Stückwerk, im Gegensatz zum nun vorliegenden Gesamtpaket mit der Verkehrsanbindung Thal. Enttäuscht bin von den Gegnern des Projekts. Ausser einem grundsätzlichen Nein habe ich noch nie eine innovative und auch umsetzbare Idee von ihnen gesehen. Schade.