Balsthal

Augenschein in der Badi? Dramaturgie eines Stillstands in mehreren Etappen

Dem Journalisten wird vorletzten Samstag den Zugang zur Badi Moos für eine Reportage verweigert. Daher nur das Bild von aussen.

Dem Journalisten wird vorletzten Samstag den Zugang zur Badi Moos für eine Reportage verweigert. Daher nur das Bild von aussen.

Die Gemeinde Balsthal tut sich mit der Öffentlichkeitsarbeit schwer und gängelt diese Zeitung. Ein Ereignisprotokoll.

Die Frage war simpel: Wie funktioniert der Betrieb in der Badi Balsthal in der aussergewöhnlichen Zeit nach dem Stillstand rund um Corona? Fast einen Monat lang wartete diese Zeitung nach einer entsprechenden Anfrage auf eine Antwort der Gemeindeverwaltung. Der Fall ist beispielhaft dafür, wie Öffentlichkeitsarbeit einer Gemeinde nicht aussehen sollte.

Aber erzählen wir die Geschichte von vorne: Es war Anfang Juni, als die grossen Lockerungen des Bundesrates nach dem Corona-Lockdown die Menschen wieder auf die Strassen trieben. Der Sommer war eingekehrt und mit ihm durften – ein Monat später als üblich – die Badis der Region öffnen. In einem Inserat im «Anzeiger Thal Gäu Olten» gab die Badi Balsthal bekannt, dass zur Badi-Eröffnung ab dem 8. Juni zunächst 300 Personen gleichzeitig zugelassen sein würden. Damit waren die Richtlinien im Schwimmbad Moos strenger als anderswo.

Aus welchen Überlegungen dies so war und wie das Schutzkonzept in Balsthal aussah, konnte die Gemeinde am Wochenende vor der Badi-Eröffnung nicht innerhalb von über 24 Stunden beantworten. In einem Bericht zur Situation der Badis in der Region schrieb diese Zeitung denn auch, Balsthal habe noch keine Angaben gemacht. Dies, nachdem sich Gemeindeverwalter Max Bühler auf telefonische Nachfrage am Freitag meldete und vertröstete, die Antworten würden in der kommenden Woche nachgereicht.

Noch immer keine Rückmeldung

Die Antworten blieben aus, worauf diese Zeitung zu Beginn der Folgewoche eine erneute Anfrage lancierte und am Mittwoch nachhakte. Von der Gemeindeverwaltung Balsthal war noch immer keine Rückmeldung gekommen. Zwei Tage später meldete sich der Gemeindeverwalter per E-Mail, begann eine Verweigerungshaltung aufzubauen und drohte mit einer Strafanzeige, würde der Mailverkehr veröffentlicht.

Die Berichterstattung dieser Zeitung habe einen Shitstorm auf der Gemeinde ausgelöst und sie, die Zeitung, müsse sich nicht wundern, «wenn die öffentliche Verwaltung grundsätzlich nur ihre eigenen Medien zur Informationsverbreitung nutzt». Im gleichen Schreiben vom 12. Juni lud die Gemeinde zu einem klärenden Gespräch im Juli ein.

Die drei Bedingungen der Zusammenarbeit, welche die Gemeinde der Zeitung vorgibt. Unterschrieben vom Gemeindeverwalter und dem Gemeindepräsidenten.

Die drei Bedingungen der Zusammenarbeit, welche die Gemeinde der Zeitung vorgibt. Unterschrieben vom Gemeindeverwalter und dem Gemeindepräsidenten.

Knapp drei Wochen danach fand denn auch das Gespräch zwischen Redaktorin Fränzi Zwahlen-Saner und Gemeindeverwalter Max Bühler statt. Im Rahmen dieses Treffens beantwortete die Gemeinde auch die Frage, wie die Badi Balsthal nach den erneuten Lockerungen betrieben wird (siehe Box links).

Gleichzeitig übergab die Gemeinde an die Redaktion einen Brief mit dem Titel: «Grundsatzinformation». Darin gibt Balsthal Regeln für die Berichterstattung vor (siehe Illustration oben). Auf das klärende Gespräch hin wollte diese Zeitung – auch im Sinn der journalistischen Unabhängigkeit – am vorletzten Wochenende mit einer Reportage aus der Badi Balsthal berichten und bot dafür den freien Journalisten und Fotografen Hans Peter Schläfli auf.

Freiem Journalisten wird Zugang zu Badi verweigert

Am Samstagnachmittag wies die Badi Balsthal den Journalisten jedoch ab. Nachdem dieser am Donnerstagnachmittag gemäss eigenen Angaben unter der Bedingung, der Gemeinde vorgängig ein Gut zum Druck zukommen zu lassen, eine mündliche Zusage des Gemeinverwalters erhalten hatte, verlangte die leitende Bademeisterin vor Ort eine schriftliche Genehmigung. Sie habe gerade mit Herrn Bühler am Telefon gesprochen. Ihre Anweisungen seien klar, ohne schriftliche Genehmigung des Verwalters dürfe kein Fotograf in die Badi. Die Bitte, sie möge nochmals anrufen, sodass man die Sache mit dem Gemeindeverwalter direkt am Telefon bereinigen könne, lehnte die Bademeisterin ab.

Mit der Schilderung des Journalisten Hans Peter Schläfli konfrontiert, stellt sich Gemeindeverwalter Max Bühler auf den Standpunkt, er würde niemandem erlauben, in der Badi zu fotografieren. Jedoch sei es dem Journalisten erlaubt, in die Badi zu gehen, sofern er die Vorgaben einhalte. Bühler stützt sich dabei auf das Schwimmbad-Reglement, wonach das Fotografieren und Filmen auf dem ganzen Areal untersagt sei. Das Reglement bezieht sich allerdings auf Badegäste. Dass ein Journalist eine Genehmigung erhält, ist Usus, sofern er das Recht auf das eigene Bild aller Personen in der Badi respektiert. Es ist die Pflicht des Fotografen, die fotografierten Menschen vorgängig um Erlaubnis zu fragen.

Geführter Rundgang vorgeschlagen

Auf diese Ereignisse hin bot diese Zeitung der Gemeinde Balsthal am Montag an, sie möge einen Termin für einen gemeinsamen Rundgang im Schwimmbad Moos vorschlagen. Nachdem der Gemeindeverwalter am Montagnachmittag mitteilte, die Nachricht werde «zeitnah» bearbeitet, meldete sich die Gemeinde auf erneutes Nachhaken am Mittwochabend.

Schliesslich bot Balsthal einen Termin für einen geführten Rundgang an: am Freitagmorgen um 7.30 Uhr, also vor der Öffnung der Badi für das Publikum. Noch ist die Badi an diesem Morgen menschenleer. Der Augenschein ergibt, dass die getroffenen Hygienemassnahmen vor allem auf die Eigenverantwortung der Badegäste aufbauen. Die mittlere Spur der Rutschbahn ist bis auf weiteres gesperrt, aber eine spezielle Kontrolle bei der Treppe gebe es nicht, erklärt der aufgebotene Bademeister.

Beim Restaurant, das durch einen Pächter eigenverantwortlich geführt wird, sind die Tische vorbildlich im Abstand von mindestens zwei Metern Entfernung angeordnet. In der Badi Moos, die als eine der Schönsten weit und breit gilt, tummelten sich in früheren Jahren auch schon bis zu 2500 Menschen gleichzeitig. Um diese Uhrzeit steht noch alles still. Aber auch in diesen Zeiten füllt sich die Badi an den schönen Sommerferien-Tagen allmählich und das Leben kehrt zurück.

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