Mümliswil

Anfänge des Plastiks liegen im Guldental: Das Museum HaarundKamm zeigt die Geschichte auf

Witzige Erklärungen zur Funktion des 3D-Kunststoffdruckers durch Andreas Rohner und Josef Haefely ( Bildmitte, mit grünen Kopfhörern).

Witzige Erklärungen zur Funktion des 3D-Kunststoffdruckers durch Andreas Rohner und Josef Haefely ( Bildmitte, mit grünen Kopfhörern).

Das Museum HaarundKamm zeigt in der Sonderausstellung «PlastikFantastik – Kammfabriken als Pioniere der Kunststoffindustrie» in Mümliswil die Geschichte des Kunststoffs auf.

Plastik ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Ein Leben ohne? Unvorstellbar. Doch wissen wir auch alle, dass es zugleich Fluch ist. Die Anfänge dieses Materials liegen unter anderem auch im Guldental. Mit «PlastikFantastik – Kammfabriken als Pioniere der Kunststoffindustrie» lädt das Museum HaarundKamm zur Sonderausstellung ein, die am Sonntag eröffnet wurde.

«Adolf Walter, technischer Direktor der OWO-Presswerk AG, Klaus Walter und Dr. Willy Menth sind die geistigen Väter dieser Ausstellung», erklärt Kurator Josef C. Haefely einleitend. Willy Menth sei selbst Abkömmling einer Mümliswiler Kammmacher-Familie.

Als Verwaltungsratspräsident der Herba-Plastic AG könne er aus erster Quelle berichten. So schilderte er, wie sein Grossvater im Jahr 1920 die Kamm- und Celluloidwarenfabrik in Nunningen gründete und wie die heutige Herba-Plastic AG daraus entstand. «Die Kammmacher haben die Tür zu einer ganz neuen Welt aufgestossen», weiss Menth. Das hochexplosive Celluloid sei der erste Kunststoff gewesen, der gross-industriell verarbeitet wurde. «Am Anfang standen die Kammmacher und das bescheidene Celluloid», erklärt der Nunninger.

«Made in Mümliswil»

Gleich im Foyer wird der Besucher mit Plastik konfrontiert. An der Diele wurden diverse Exemplare aus dem OWO-Portfolio aufgehängt. Dazwischen zieren alte Fotoaufnahmen und diverse Zitate die Ausstellungsstücke. Vom Bakelit-Erfinder Leo Hendrik Baekeland, belgisch-amerikanischer Chemiker und Erfinder, können die Besucher folgenden Eintrag lesen: «Ich versuchte, etwas sehr Hartes zu schaffen, dann aber stattdessen etwas sehr Weiches, dem ich verschiedene Formen geben konnte. So kam ich auf den ersten Kunststoff. Ich nannte ihn Bakelit.»

An verschiedenen Hörstationen wird den Besuchern über Telefonhörer von Kunststoff-Experten Wissen vermittelt. An der Station mit dem Bakelit-Hörer erfährt man zum Beispiel, dass der Grossvater des Sprechers Franz Walter, Adolf Walter, den formschönen Hörer aus Bakelit erfand. Doch das war bei weitem nicht das Einzige, was aus dem Presswerk der OWO stammte.

«Nebst den Telefonhörern stellten wir zu dieser Zeit auch Radiogehäuse und die Innenrückwände für Kühlschränke her», weiss Ruedi Bitterli. Er arbeitete während 45 Jahren von 1954 bis 1999 bei der OWO-Presswerk AG. Als gelernter Maschinenzeichner war er unter anderem als Leiter Werkzeugbau, danach als Leiter Kleinspritzmaschinen tätig. «Zuletzt war ich Liquidator», erklärt der Ramiswiler und war somit der «Letzte». Dadurch sei es ihm möglich gewesen, einige OWO-Artikel zu bewahren – Stücke, die nun im Museum anzutreffen sind.

Hinter dem Klo-Deckel aus Kunststoff lauert eine zündende Überraschung.

Neue Ausstellung im Museum HaarundKamm

Hinter dem Klo-Deckel aus Kunststoff lauert eine zündende Überraschung.

Ausstellung überrascht

«Es war ein gutes Werk, doch es wurde vom Verwaltungsrat zugrunde gewirtschaftet», resümiert Bitterli die 1999 erfolgte Schliessung. Wie man am stillen Örtchen erfährt, war das OWO-Presswerk führend in der Herstellung von WC-Brillen. Rund 85 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer seien Besitzer eines Mümliswiler Toilettendeckels gewesen.

Bitterli zeigt im Ausstellungsraum auf einen metallenen Quader: «Dieses Werkzeug konnte ich auch noch retten. Damit fertigte man den Regler für das Revox-Tonbandgerät.»
Hier liegen auch Kopien der Angestelltenbücher der OWO auf. Darin sind alle Mitarbeitenden mit Ein- und Austrittsdatum festgehalten.

Am 1. September 1932 nahm eine Vielzahl die Arbeit auf, da sich in diesem Jahr die O. Walter-Obrecht AG in die OWO-Presswerk AG und Kroko AG teilte. «Toll, dass die Ausstellung diese Entwicklung beleuchtet», meint Menth. Folglich ist auch der Abfall Thema. Zugleich kann sie gewissermassen als Hommage an die OWO interpretiert werden. Der Kurator versprach nicht zu viel: «Man lernt wieder staunen.» Als Besucher ist man immer wieder überrascht zu sehen, was alles in der OWO produziert wurde.

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